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Leonhardifahrt 

Echte Wallfahrer sind wetterfest

Bei schönem Wetter kann’s jeder. Wer aber bei nasskalten drei Grad anspannt, aufsitzt oder den Weg säumt, der weiß, wie sich die Warngauer Leonhardifahrt wirklich anfühlt. Einige hundert Besucher trotzten gestern der ungemütlichen Witterung und verfolgten die Pilgerfahrt zu Ehren des vielleicht bayerischsten aller Heiligen.

Warngau Josef Huber, der „Vorderwagner“ aus Warngau, hatte schon unter der Woche keinen Zweifel aufkommen lassen: „Auch wenn es regnet oder schneit, die Leonhardi-Wallfahrt findet jedenfalls statt.“ Der Sepp weiß, wovon er redet. Er ist Vorstand des 1983 gegründeten Leonhardi-Komitees und konnte zudem gestern ein seltenes Jubiläum feiern. Zum 25. Mal hat er die Veranstaltung organisiert.

So schlecht wie im Vorfeld befürchtet ist das Wetter dann doch nicht gewesen. Nieselregen und sehr herbstliche Temperaturen konnten viele Teilnehmer nicht davon abhalten, in Warngau auf traditionelle Pilgerfahrt zu gehen. Rund 50 Truhen- und Leiterwägen, Kutschen und Gigs machten sich am frühen Vormittag auf den Weg. Vor manchen Gespannen stampften sogar vier Rösser.

Von der Warngauer Ortsmitte ging es nach Allerheiligen, vorbei an der Wallfahrtskirche und weiter nach Reitham. Dann wieder zurück nach Allerheiligen zum feierlichen, instrumental und gesanglich begleiteten Festgottesdienst. Pfarrer Gottfried Doll war sichtlich angetan von den zahlreichen Pilgern, die trotz des kalten und nicht einladenden Wetters nach Warngau und dann nach Allerheiligen gekommen waren. Viele, die in der Kirche keinen Platz mehr gefunden hatten, waren auf der großen Wiese unterwegs, um sich die prächtig herausgeputzten Tiere und die geschmückten Wagen aus der Nähe anzuschauen.

Wenn die Teilnehmer, vor allem die Trachtler, gestern nicht das ganz große G‘schau hatten, dann war das ganz einfach wetterbedingt. Der Nebel hing teilweise hartnäckig bis zum Boden. Mäntel, Schals, Fuchspelze um die Schultern gelegt und dennoch Anmut und Schönheit ausstrahlen, das gelang zumal den Trachtlerinnen allemal.

Die Mannsbilder hatten ihre Lodenmäntel angelegt und die Hüte tief ins Gesicht gezogen. Flotte Musikanten und laute Goaßlschnalzer waren zu hören, rundum blickte man in zufriedene Gesichter.

Zur Tradition in Warngau gehört der zweite Umritt über Bernloh und dann die Segnung der Menschen und Pferde. St. Leonhard, der im 6. Jahrhundert geborene Einsiedler, ist der in Bayern am meisten verehrte Heilige. Kein Wunder, denn als Schutzpatron des Viehs und der Pferde war er im stark landwirtschaftlich geprägten Land auf jedem Hof daheim.

Von Manfred Merk

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