Ihre Tage sind gezählt: Die marode Mangfallbrücke zwischen Warngau und Gmund wird durch einen Neubau ersetzt. Gut zu sehen ist, dass die Pfeilerflügel aus Beton bereits bröckeln und abgestützt werden mussten. Foto Thomas Plettenberg
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Ihre Tage sind gezählt: Die marode Mangfallbrücke zwischen Warngau und Gmund wird durch einen Neubau ersetzt. Gut zu sehen ist, dass die Pfeilerflügel aus Beton bereits bröckeln und abgestützt werden mussten.

Bauwerk auf der Gemeindegrenze

Marode Brücke über Mangfall: Neubau ist beschlossen, kann aber noch Jahre auf sich warten lassen

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Sanierung oder Neubau? Die Gemeinderäte Warngau und Gmund haben sich jetzt festgelegt: Die altersschwache Mangfallbrücke bei Thalmühl, die just auf der Gemeindegrenze liegt, wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Kosten: 872 000 Euro. Das Genehmigungsverfahren kann sich Jahre ziehen.

Warngau/Gmund – Die Diagnose der Experten war unerbittlich. Franz Ostler und Marcel Kober vom Lenggrieser Büro OK-Ingenieure kennen sich mit Brücken aus, haben schon einige gebaut und viele geprüft. Der etwa 20 Meter langen und knapp fünf Meter breiten Mangfallbrücke bei Thalmühl gaben sie im Sommer die schlechte Note 4,0 – was die Gemeinden Warngau und Gmund umgehend veranlasste, die zulässige Tonnage auf zwölf Tonnen zu begrenzen.

Die Gutachter empfahlen einen Neubau, zumal der dank staatlicher Zuschüsse nicht viel teurer kommt als eine Sanierung. Letztlich stimmten beide Gemeinderäte, die am gleichen Abend tagten, was den Experten einen zügigen Ortswechsel abverlangte, dieser Lösung zu.

Weniger Tragkraft würde das Bauwerk nicht entscheidend günstiger machen

In Warngau indes konnten einige Räte nicht nachvollziehen, warum für viel Geld ein an dieser Stelle „überdimensioniertes“ Bauwerk entstehe und nur das staatlich gefördert werde. „Das ist eine einspurige Gemeindestraße“, sagte Adolf Schwarzer (CSU), „mehr als 20 Tonnen muss die nicht tragen.“ Ingenieur Ostler wies darauf hin, dass ein Neubau in moderner Brückentechnik eine Belastbarkeit von bis zu 60 Tonnen bedeute. Abstriche bei der Tragkraft würden nur geringe Einsparungen bringen. „Und Zuschüsse gewährt der Staat nur, wenn Infrastruktur verbessert wird.“

Peter Huber (CSU) schüttelte den Kopf: „Erst 16, dann 60 Tonnen – ich frage mich schon, ob das sein muss.“ Auch Johann Gillhuber (Draxlhamer Liste) fand diese Steigerung übertrieben. „Muss ein Neubau nicht auch breiter werden?“, wollte Schwarzer wissen. Nicht unbedingt, erklärte Ostler. Eine Nachfrage habe ergeben, dass die Brücke trotz geringerer Breite förderfähig bleibt, wenn die Gemeinden vor dem Übergang die Straße etwas verbreitern und so Ausweichmöglichkeiten schaffen.

Die beiden Experten machten deutlich, dass der schlechte Zustand und die heute nicht mehr zulässige Hohlkörper-Bauweise der alten Brücke, die aus den 1960er Jahren stammt, eine Sanierung vergleichsweise teuer machen würde. „Der Beton ist zermürbt“, erläuterte Ostler, „unter der Brücke schaut’s aus wie in einer Tropfsteinhöhle.“ Jede Gemeinde müsste demnach wohl 150 000 Euro aufwenden. Der jeweilige Eigenanteil bei einem Neubau liege nur einige 10 000 Euro drüber, rechnete Ostler vor.

Warngau muss weitere Brücke sanieren - diesmal in Eigenregie

„Eine Sanierung dieser extrem maroden Brücke wäre fahrlässig“, fand Michael Spannring (Grüne), „die richtige Lösung heißt Neubau.“ Leonhard Obermüller (CSU) gab zu bedenken, dass eine Sanierung die Notwendigkeit eines Neubau nur um ein paar Jahre verzögern würde: „Den Neubau werden wir finanziell schon stemmen.“

Da war Reinhard Bücher (Grüne) ganz anderer Ansicht. „Wir haben dringliche Projekte vor uns, die siebenstellige Summen kosten werden“, sagte er mit Hinblick auf den Ausbau der Kinderbetreuung. Mit Schwarzer stimmte er gegen den Neubau und für eine Sanierung – zumal auch die unweit der Mangfallbrücke gelegene, ebenfalls marode Festenbach-Brücke, die komplett in Warngauer Zuständigkeit liegt, bald auf die Tagesordnung komme. „Oder?“, fragte er in Richtung Bürgermeister. „Ist so“, bestätigte Thurnhuber.

Eine 14:2-Mehrheit des Gemeinderats beschloss dennoch den Neubau der Mangfallbrücke, zusammen mit der Nachbargemeinde Gmund, deren Gemeinderat ohne Gegenstimme für die Sanierung stimmte. Bis gebaut werden kann, sind etliche Gutachten und Voruntersuchungen nötig, sagte Ostler: „Das zieht sich oft bis zu drei Jahre.“

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