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Marlene Hupfauer lehnt am Zaun zu ihrem Bauerngarten. Hierhin zieht sich die Kreisbäuerin zurück, wenn sie a bschalten und nachdenken will. 

Ein Besuch in Osterwarngau

Marlene Hupfauer ist Kreisbäuerin aus Liebe zur Landwirtschaft

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Marlene Hupfauer hat das Amt der Kreisbäuerin übernommen. Sie will dem Verbraucher die Landwirtschaft wieder näherbringen. Selbst kann sich die 46-Jährige ein Leben ohne Stall nicht vorstellen.

Osterwarngau – Marlene Hupfauer (46) öffnet die Tür zu ihrem Bauernhaus in Osterwarngau. Eine Himbeertorte steht auf dem massiven Holztisch in der Stube. Die Tischdecke in Blau-Weiß passt zur Dekoration im Regal. Kerzen leuchten auf dem Fensterbrett, und auch sonst scheint alles seinen Platz zu haben. Hupfauer lächelt und rückt für den Besuch am Kaffeeservice. In der Öffentlichkeit zu stehen, mit der Presse zu reden – daran muss sich die Landwirtin erst gewöhnen. Aber: Als neue Kreisbäuerin gehört das nun mal dazu.

Ganz freiwillig war es nicht, als Hupfauer im Februar das Amt von Vorgängerin Kathi Klaus übernommen hat. Sie hatte eigentlich eher kürzer treten wollen. Seither war sie schon auf über 30 Termine eingeladen und hat selbst Treffen organisiert. „Am Anfang war es schon ein komisches Gefühl“, gibt Hupfauer zu. Mittlerweile hat sie sich mit der Rolle angefreundet. „Unterm Strich zählt, dass man es für die Landwirtschaft macht.“

Hupfauer schneidet ein paar Stücke von der Torte und hebt sie auf Teller. Es sieht gekonnt aus. „Als ich in der neunten Klasse war, wollte ich lieber Konditorin lernen“, sagt die Frau mit den kurzen blonden Haaren und den blauen Augen. Sie ist in Miesbach auf einem Bauernhof aufgewachsen. Der kurze gedankliche Ausflug während der Pubertät war schnell vorüber. Die zweifache Mutter ist gerne Landwirtin. „Ich liebe die Natur.“

Maschinen haben das Leben als Landwirt einfacher gemacht

Als Ausgleich zur Arbeit auf dem Bauernhof – die Hupfauers haben einen Bio-Milchvieh-Betrieb – buddelt die Kreisbäuerin gerne in ihrem Garten. „Das ist schon immer mein Ausgleich gewesen.“ Zwischen Kräutern, Salat, Gurken und Tomaten kommt sie zum Nachdenken, wenn um sie herum alles zu hektisch ist. Besonders toll an ihrem Beruf findet sie, mit den vier Jahreszeiten zu leben. „Ich bin dankbar, dass ich das hier so bewusst wahrnehmen kann.“ Eine Lieblingsjahreszeit hat sie nicht.

Im Herbst, wenn die Ernte ansteht, hilft die ganze Familie zusammen: ihr Mann Georg, die beiden Kinder Klaus (24) und Maria (19) und hin und wieder auch der Schwiegervater. „Daran hat sich auch über die Generationen nichts geändert“, sagt Hupfauer. Bei der Ernte muss die Familie parat stehen.

Gewandelt hat sich in der Landwirtschaft aber schon einiges. Gerade durch die Mechanisierung hat sich viel verändert. „Das verschafft einem Zeit“, sagt die Kreisbäuerin. Schon als sie noch auf dem Hof ihrer Eltern gelebt hat, gab es Maschinen. „Die waren aber lange nicht so gut und kleiner.“ Oft habe per Hand nachgearbeitet werden müssen – deswegen hätten die meisten einfach kleiner gewirtschaftet.

Hupfauer: „Ein Bauer ist krank, wenn seine Kuh krank ist.“

Schneller, größer, mehr – die Richtung ist klar. „Ich habe das Gefühl, der Verbraucher kommt mit der Landwirtschaft gar nicht mehr mit“, sagt Hupfauer. In ihrer Kindheit habe immer jemand Milch am Hof geholt. Heute hat dafür kaum noch jemand Zeit. „Alle sind in ihren Berufen so gefordert“, vermutet Hupfauer.

In ihrer Funktion als Kreisbäuerin will sie der Landwirtschaft wieder mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit verleihen. Mit Stallführungen, Schulprojekten oder Kindergeburtstagen auf dem Bauernhof will sie gemeinsam mit den Bäuerinnen im Landkreis dafür sorgen, dass die Bürger wieder mehr nachdenken. Darüber, was sie essen und woher es kommt. „Es geht uns so gut, dass wir uns darüber keine Gedanken machen müssen.“ Man lebe eben nicht mehr so saisonal.

Hupfauer spricht ruhig und überlegt genau, was sie sagt. Da fallen ihr die Leserbriefe in der Zeitung ein, und ihre Stimme wird lauter, die Wangen färben sich leicht rot. Es geht um Anbindehaltung. „Es ärgert mich, dass Leute von außen vorschreiben, wie wir unsere Tiere halten.“ Sie wolle nicht die Landwirte in anderen Landkreisen verteidigen – „aber hier bei uns ist alles gut, und die Bauern machen sich Gedanken“. Hupfauer stellt die Kaffeetasse ab, streicht über die blau-weiße Tischdecke. Aus lebenslanger Erfahrung weiß sie: „Ein Bauer ist krank, wenn seine Kuh krank ist.“

nip

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