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Handwerk soll zum Erlebnis werden: Marstaller will wachsen

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Von: Katrin Hager

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Das ist geplant: Die Firma Marstaller will sich an ihrem Sitz in Osterwarngau erweitern, unter anderem mit einem Tagescafe´.
Das ist geplant: Die Firma Marstaller will sich an ihrem Sitz in Osterwarngau erweitern, unter anderem mit einem Tagescafe´. © Architekturbüro Wegmann

Hier soll hochwertiges Handwerk zum Erlebnis werden: Die Marstaller-Werkstätten in Osterwarngau wollen sich vergrößern. Der Warngauer Gemeinderat machte jetzt den Weg frei für einen geplanten Neubau.

Warngau – Ob Koffer für das bayerische Königshaus oder „des Deutschen Kaisers liebsten Stuhl“: Das Münchner Lederwarengeschäft Marstaller hat eine lange Handwerkstradition mit illustrer Kundschaft. Daheim ist die Inhaberfamilie Läuger mit den Marstaller-Werkstätten seit 1943 am beschaulichen Ortsrand von Osterwarngau, an einem alten Bauernhof, Baujahr 1683. Das soll auch in Zukunft so bleiben: Die Familie plant, den Standort auszubauen. Ein Neubau soll weitere Entwicklungs- und Produktionsflächen, Büros, ein Ladengeschäft sowie ein kleines Tagescafé vor allem für die Kundschaft beherbergen.

Der Schlierseer Architekt Johannes Wegmann, der den Neubau für die Familie Läuger plant, stellte das Vorhaben jetzt im Gemeinderat vor. Westlich des bestehenden, langen Hauptgebäudes an der Dorfstraße in Osterwarngau soll ein 39 Meter langer und 17 Meter breiter Neubau entstehen, bei einer Firsthöhe von 10,50 Metern – so hoch wie der Bestand daneben, aber weniger massiv und deutlich untergeordnet.

Östlich des Neubaus soll ein Platz entstehen, der nicht nur mit Lkw für die Lieferungen befahrbar sein muss, sondern auf dem auch 22 Pkw-Stellplätze gruppiert werden. Weitere 21 Stellplätze sollen in einer Tiefgarage verschwinden, die über eine Zufahrt westlich des Neubaus erschlossen werden soll. Insgesamt soll das Anwesen weiterhin den Eindruck eines stattlichen bäuerlichen Gehöfts mit Innenhof erwecken. Gleichzeitig bekommen die Neubauten eine unaufgeregte moderne Note. Für das neue Werksgebäude und auch den Zwischenbau zeigen die Pläne eine luftige Holzverschalung, die den durchaus stattlichen, obgleich dem bestehenden Hauptgebäude untergeordneten Neubau optisch etwas leichter wirken lassen dürfte.

Das ist auch der Grund, weshalb der Verbindungsbau mit einem Flachdach und eben nicht auch mit einem roten Satteldach ausgestattet werden soll, führte der Architekt in der Sitzung auf kritische Anmerkungen aus dem Gemeinderat hin aus. Das sei auch mit Kreisbaumeister Christian Boiger abgestimmt, dem ein abgesetztes „Gelenk“ zwischen den beiden massiven Bauten wichtig sei, damit kein zu massiver L-Riegel entsteht. „Wenn wir die zwei Dächer verbinden würden, wäre das sehr mächtig – das wollten wir vermeiden“, erklärte Wegmann. „Wichtig ist eine Zäsur.“

„Mir gefällt’s gut“, bekannte Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG). Das Bauvorhaben passe zum Entwicklungsziel der Gemeinde, ansässige Unternehmen zu unterstützen und wohnortnahe Arbeitsplätze zu sichern. Wie Wegmann dem Gemeinderat berichtete, sollen durch den Ausbau der Marstaller-Werkstätten zu den 15 vorhandenen Mitarbeitern weitere sieben oder acht hinzukommen.

Was das geplante Tagescafé betrifft, hätten sich einige Gemeinderatsmitglieder wie Harald Stanke (FWG) und Engelfried Beilhack (CSU) sogar noch mehr vorstellen können. Schließlich gibt es für den einzigen Gasthof im Dorf, den Huberwirt, bereits Abriss- und Neubaupläne – ausschließlich mit Wohnungen.

Architekt Wegmann bremste die Euphorie. Das Tagescafé sei in erster Linie für die Kundschaft des Unternehmens gedacht und soll den Besuch bei den Marstaller-Werkstätten und im neuen Laden zum Erlebnis abrunden. Zwar stecke darin durchaus Potenzial. Aber: „Es muss sich zeigen, inwieweit das öffentlich nutzbar ist.“ Eine „Riesenwirtschaft“ werde an dieser Stelle aber nicht funktionieren.

Der Gemeinderat will dem Projekt den Weg freimachen: Mit einstimmigem Beschluss leitete das Gremium eine Einbeziehungssatzung ein, die dafür Baurecht im Außenbereich schaffen soll.

Die Nachfragen von Peter Huber und Adolf Schwarzer (beide CSU), weshalb das hier im Gegensatz etwa zu Bernloh möglich sei, konnte Cindy Scharein vom Bauamt beantworten: Weil Osterwarngau im Gegensatz zu Bernloh, das mit einer Außenbereichssatzung belegt ist, baurechtlich einen im Zusammenhang bebauten Ortsteil bilde. Der Innenbereich kann damit um angrenzende Flächen erweitert werden. „Das sind komplett andere planungsrechtliche Themen“, betonte Scharein.

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