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Zusammenarbeit besiegelt: EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis (4.v.l.) sowie AMW-Gründer und Geschäftsführer Dr. Wilfried Fischer (3.v.r.) mit (v.l.) Yu Zhang und Anna Stodolkiewicz (beide EIB), Matthias Schott und Marcel Lange (beide Finanzberatung FCF), AMW-Teilhaberin Petra Menter-Fischer, EIB-Vizepräsident Ambroise Fayolle und AMW-Finanzchef Philipp Karbach.

EU unterstützt Erweiterungspläne von Pharma-Entwickler AMW

Millionen für das Wachstum

Im Schatten des Generika-Riesen Sandoz-Hexal in Holzkirchen erforscht und entwickelt das Unternehmen AMW neue Wirkstoff-Implantate und -Pflaster. Jetzt kann es den nächsten Wachstumsschritt gehen: AMW bekommt ein EIB-Darlehen über 25 Millionen Euro.

Lochham – Nur einen Steinwurf entfernt vom Generika-Riesen Sandoz-Hexal in Holzkirchen hat sich im Warngauer Gewerbegebiet bei Lochham ein kleiner, aufstrebender Cluster aus Pharmaentwicklern angesiedelt – und der wächst und gedeiht: Das Arzneimittelwerk Warngau (AWM), das 2010 im Birkerfeld einzog und seit 2016 ein weiteres Pharma-Start-up als Nachbarn hat, will erweitern. Mit einem Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) über 25 Millionen Euro ist aber nicht nur die Finanzierung eines Neubaus gesichert. Damit „kann unser Unternehmen die nächste Wachstumsphase erreichen“, sagt Gründer und Geschäftsführer Dr. Wilfried Fischer.

90 Mitarbeiter arbeiten derzeit am AMW-Firmensitz in Warngau. Das rasant wachsende Unternehmen entwickelt neue Wirkstoffabgabesysteme: biologisch abbaubare Wirkstoff-Implantate und transdermale Systeme, also Pflaster. Vier Produkte hat AMW derzeit auf dem Markt, ein fünftes steht kurz vor der Einführung. Ein Teil der Entwicklungsarbeit wird bei der Tochtergesellschaft Endomedica in Halle in Sachsen-Anhalt geleistet, die etwa Prototypen hergestellt. Produziert wird aber ausschließlich in Warngau.

Und hier soll die Produktionskapazität mit einem Neubau deutlich erhöht werden: Geplant ist eine Halle, die bis zu sechs Produktionslinien fasst, dazu ein Hochregallager, ein Labor und Verwaltungsbüros. Auch eine Tiefgarage entsteht. Der Bauantrag ist bereits genehmigt, teilt AMW auf Anfrage mit. Der Baubeginn ist für Mai 2018 geplant, ein bis eineinhalb Jahre später der Bezug. Noch heuer sollen zwölf neue Mitarbeiter eingestellt werden, vor allem in der pharmazeutischen Entwicklung. Weitere sollen nach der Erweiterung hinzukommen.

Die finanzielle Basis für das Wachstum hat das langfristige EIB-Darlehen geschaffen, das durch eine Garantie des Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) abgesichert ist. Mit diesem Fonds wollen EIB und EU-Kommission die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft stärken. Ende Dezember erhielt AMW den Zuschlag über 25 Millionen Euro. „Indem wir Forschung und Entwicklung und klinische Forschung unterstützen, tragen wir wesentlich zur Entwicklung und Herstellung neuer, innovativer Arzneimittel bei“, betonte der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis.

Der Großteil des Darlehens kommt dem Hauptsitz in Warngau zugute, etwa ein Fünftel der Tochtergesellschaft in Halle. In Warngau wiederum sind dem Unternehmen zufolge etwa 20 Prozent für den Neubau eingeplant. Den Löwenanteil steckt AMW in Entwicklung und klinische Studien. „Wenn wir unsere Forschungs- und Entwicklungs-Projekte forcieren, können wir uns als wichtiger europäischer Hersteller neuartiger Wirkstoffsysteme an milliardenschweren Märkten, zum Beispiel für die Behandlung von Diabetes oder Brustkrebs, positionieren und wachsen“, erklärt der Unternehmenschef Fischer. Geschwindigkeit ist dabei ein zentraler Faktor, der über den Erfolg entscheidet.

Fischer baute schon einmal ein Pharmaunternehmen im Landkreis erfolgreich auf: Er zog 2000 mit seiner jungen Firma Novosis nach Miesbach, die ebenfalls transdermale Systeme entwickelte. Nach dem Verkauf wurde sie zur Acino AG, die 2016 an die chinesische Luye Pharma weiterverkauft wurde.

Katrin Hager

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