Moutainbiker fahren Taubenberg hinauf.
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Mountainbiken am Taubenberg ist nur auf den befestigten Wirtschaftswegen erlaubt – nicht auf den illegal angelegten Trails quer durch den Wald. 

Saisonstart liegt in der Luft

Mountainbiken am Taubenberg: Hoffnung der Behörden ruht auf Rangern

  • vonKatrin Hager
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Mountainbiken am Taubenberg: Wie entwickelt sich die zuletzt angespannte Lage? Die Hoffnungen ruhen auf den Rangern, die der Landkreis ab heuer einsetzt. 

Warngau – Momentan sei die Lage ruhig, schildert Bürgermeister Klaus Thurnhuber seinen Eindruck in der Causa Mountainbiken am Taubenberg. Zumindest hat der Winter für eine Verschnaufpause im Konflikt zwischen Grundstücksbesitzern am Taubenberg und querfeldein fahrenden Mountainbikern gesorgt. Während eine Steuerungsgruppe im Landkreis Lösungen sucht, um den Ansturm durch den seit Corona noch mal populäreren Trendsport auf wenigen, offiziellen Trails zu kanalisieren, gibt es für den Taubenberg keine Strategie mehr, die auch Mountainbiker berücksichtigen würde.

Grundbesitzer lehnen Strategie abseits der Forstwege ab

Wie berichtet, hatten die Grundbesitzer am Taubenberg nach jahrelangen Konflikten wegen illegal angelegter Trails abseits der Forstwege dieser Strategie eine deutliche Abfuhr erteilt und die Behörden stattdessen aufgerufen, konsequenter durchzugreifen. Das Radeln abseits der Forstwege ist am Taubenberg, einem FFH- und Vogelschutzgebiet, untersagt und auch nicht vom freien Betretungsrecht gedeckt, hatte das Landratsamt klargestellt.

Um die Ahndung zu erleichtern und das Problem mit illegalen Trails, die auch in Foren und Blogs bekannt gemacht wurden, in den Griff zu bekommen, hatte das Landratsamt angekündigt, zu prüfen, ob eine eigene Rechtsverordnung helfen kann. Das Ergebnis der Prüfung liegt inzwischen vor, teilt das Landratsamt Miesbach nun auf Anfrage unserer Zeitung mit: Es wird keine solche Rechtsverordnung geben.

Landratsamt erachtet Rechtsverordnung als überflüssig

Die Verordnung würde nur wiedergeben, was ohnehin im Bayerischen Naturschutzgesetz geregelt sei, erklärt Landratsamtssprecherin Sophie Stadler. „Das bringt nicht den erhofften Mehrwert. Wer sich jetzt nicht dran hält, wird sich auch durch eine gleichlautende Rechtsverordnung nicht daran halten.“ Zwar könnten illegale Trails in die Rechtsverordnung aufgenommen werden, um deren Befahren explizit zu untersagen. Aber das wäre stets nur eine Momentaufnahme. „Wenn zwei Meter neben dem bestehenden Trail ein neuer entstünde, wäre dieser schon nicht mehr von der Rechtsverordnung umfasst“, sagt Stadler. Eine Rechtsverordnung wäre also ein zahnloser Papiertiger. „Das Hauptproblem ist eher das Vollzugsdefizit“, so Stadler. Sprich: fehlende Kontrolle und Ahndung von Verstößen.

Kapazitäten der Polizei reichen auf Dauer nicht aus

Die Holzkirchner Polizei hat bereits mehrere Kontrollen am Taubenberg durchgeführt, teils waren berittene Streifen im Einsatz. Die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt nehme durch den Einsatz der Polizei erste Erfolge wahr. Und auch der Warngauer Rathauschef ist davon überzeugt. „Wenn die Polizei kommt, wird bewusst, dass das unzulässig ist. Dass es kein Kavaliersdelikt ist, wenn man Schäden hinterlässt“, sagt Thurnhuber. Die Polizei behalte den Taubenberg auch weiter im Blick, versichert Inspektionsleiter Johann Brandhuber. Für regelmäßige Kontrollen reichten die Kapazitäten aber nicht, auch wenn er die Sorgen und Nöte verstehen kann. Die Grundstückseigentümer am Taubenberg hätten lange sehr viel zugelassen, findet Brandhuber. „Aber da geht’s einfach zu weit. Da wurden Bäume abgesägt, um Schanzen zu bauen.“ Generell sei der Wald auch nicht nur zur Freizeitnutzung da, sondern vor allem der Lebensraum von Wildtieren.

Ranger sollen nun helfen

Das zu vermitteln, liegt im Interesse der Unteren Naturschutzbehörde. Sie verspricht sich viel von den hauptamtlichen Naturschutz-Rangern, die das Landratsamt ab heuer einsetzt. Zwei Stellen wurden im Frühjahr ausgeschrieben, das Interesse sei sehr groß gewesen, schildert Stadler auf Nachfrage. Vorige Woche seien die passenden Bewerber ausgewählt worden, die nun „so bald wie möglich“ die Arbeit aufnehmen sollen. Die Ranger dürfen auch Personalien aufnehmen, um Verstöße verfolgen zu können. Nur für Platzverweise etwa müssten sie erst die Polizei hinzuziehen.

Dass das Trailnetz am Taubenberg illegal ist, sollte inzwischen zumindest auch unbedarften Mountainbikern klar sein, die auf Tipps aus dem Internet hin an den Taubenberg kommen: Im Herbst hat das Landratsamt an neuralgischen Stellen Schilder aufgestellt. Die Botschaft ist unmissverständlich: „Das Befahren der Trails im Wald führt zu Schäden an Natur und Eigentum und ist deshalb verboten. Bleiben Sie auf den befestigten Wirtschaftswegen.“

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