Ein Mountainbiker radelt am Taubenberg bei Warngau auf einem Feldweg .
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Mountainbiken ist am Taubenberg abseits der Wirtschaftswege nicht zulässig. Das betrifft auch die Trails, die ohne Einverständnis der Grundbesitzer angelegt wurden. Die Behörden wollen das nun auch durchsetzen.

Radeln nur noch auf Wirtschaftswegen

Mountainbiken am Taubenberg: Behörden sagen illegalen Radlern den Kampf an - Empfindliche Bußgelder drohen

Beim Mountainbiken am Taubenberg wollen die Behörden jetzt durchgreifen. Schilder sollen künftig über die Rechtslage im Schutzgebiet aufklären. Wer doch auf Trails erwischt wird, riskiert ein Bußgeld.

  • Im Schutzgebiet am Taubenberg bei Warngau kam es immer wieder zu Konflikten mit Mountainbikern abseits der Wege.
  • Sogar Trails wurden ohne Einverständnis der Grundbesitzer angelegt.
  • Die Behörden greifen jetzt aber wegen des Naturschutzes durch.
  • Wer sich nicht an die Regeln hält, riskiert hohe Geldbußen.

Warngau – Den Grundstücksbesitzern am Taubenberg bei Warngau ist der Geduldsfaden gerissen. Mountainbiker, die auf illegal angelegten Trails quer durch den Wald hinabfahren, werden nicht mehr geduldet. Eine Kompromisslösung, die den Ansturm auf wenige offizielle Trails kanalisieren sollte, ist seit einem nicht-öffentlichen Gespräch von zwölf Vertretern der 163 Grundstücksbesitzer mit Behördenvertretern vom Tisch. Der Ärger und die verschärfte Debatte haben dem Handlungsbedarf besondere Dringlichkeit verliehen – der einzige Grund, weshalb die Behörden nun durchgreifen, ist das aber nicht: Denn der gesamte Taubenberg ist Vogelschutz- und FFH-Gebiet.

Doch wie soll man dem Ansturm auf die illegalen Trails in der Praxis Herr werden? Dazu hat Anfang der Woche nochmals ein nicht-öffentliches Gespräch stattgefunden. Hobby-Imker und Berufs-Biologe Henning Fromm als Sprecher der Grundstücksbesitzer sowie Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber klärten dabei mit einem Sachbearbeiter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt das weitere Vorgehen.

Mountainbiken am Taubenberg nur auf Wirtschaftswegen

Zunächst soll nun die ohnehin geltende Rechtslage, die das Mountainbiken am Taubenberg abseits befestigter Wirtschaftswege ausschließt (siehe Infobox), mit einer Beschilderung an neuralgischen Stellen erläutert werden. Vielen Mountainbikern sei ihr Fehlverhalten wohl gar nicht bewusst, glaubt Thurnhuber, zumal die illegal angelegten Trails in Online-Portalen bekannt gegeben und seit Jahren wie selbstverständlich genutzt werden. „Den Hundertsten, der da runterfährt, kann man schlecht schimpfen“, räumt Thurnhuber ein. Auch Fromm hält Aufklärung für entscheidend: „Wenn man etwas verbietet, muss man auch sagen warum.“ Die Schilder sollen so schnell wie möglich aufgestellt werden, wohl im September. „Parallel soll der Erlass einer Rechtsverordnung für den Taubenberg geprüft werden, der die Freizeitnutzung genauer regelt“, erklärt Landratsamtssprecherin Sophie Stadler auf Anfrage unserer Zeitung.

Landratsamt: Radeln abseits befestigter Wirtschaftswege am Taubenberg „war und bleibt verboten“

Das Landratsamt bewertet die Rechtslage ganz klar: Das Radfahren in der Natur und somit auch im Wald sei grundsätzlich ausschließlich auf geeigneten Wegen zulässig, geregelt in Artikel 28 und 30 des Bayerischen Naturschutzgesetzes (BayNatSchG). Die am Taubenberg in den vergangenen Jahren „illegal errichteten Trails“ erfüllen nicht die Voraussetzungen für einen geeigneten Weg, erläutert die Behörde – schon deshalb nicht, weil die Nutzung zu Schäden an Natur und Eigentum führe. Am Taubenberg als FFH- und Vogelschutzgebiet wäre demnach ein Trail selbst mit Einverständnis des Grundeigentümers noch nicht unbedingt erlaubt: „Aufgrund der Lage in einem europäischen Schutzgebiet und der hier vorkommenden störungsempfindlichen Schutzgüter muss auch bei einem Trail, der das Einverständnis der Eigentümer findet, eine Prüfung auf die Verträglichkeit mit den Erhaltungszielen des Schutzgebietes erfolgen. Hierzu sind der Unteren Naturschutzbehörde zur Prüfung erforderliche Unterlagen vorzulegen.“

Geeignete Wege stellen am Taubenberg nach Auffassung des Landratsamts lediglich die befestigten Wirtschaftswege dar. „Das Befahren abseits dieses geeigneten Wegenetzes war und bleibt also verboten.“

Die Rechtsverordnung, deren Erlass nun geprüft wird, würde diese Vorgaben auf Grundlage von Artikel 31 BayNatSchG „konkretisieren oder verschärfen“, erläutert das Landratsamt. Der Geltungsbereich würde erst noch festgelegt. In Kraft treten würde sie nach fristgerechter Bekanntmachung, was etwa sechs Monate dauern dürfte.

Zeige die Beschilderung keine Wirkung, sei auch angedacht, „den behördlichen Vollzug vor Ort weiter zu intensivieren“, teilt Stadler mit. Wer bei einem Verstoß erwischt wird, dem droht ein Ordnungswidrigkeitsverfahren und damit eine Geldbuße – „aktuell wegen eines Verstoßes gegen das Bayerische Naturschutzgesetz und künftig eventuell auch wegen eines Verstoßes gegen die Rechtsverordnung“. Die Höhe des Bußgelds hänge vom Einzelfall ab und könne bis zu 1000 Euro betragen.

Mountainbiken am Taubenberg: Wer auf Trails radelt, riskiert hohes Bußgeld

Unklar ist noch, wie kontrolliert werden soll – und durch wen. Thurnhuber sieht die Gemeinde nicht in der Pflicht und nicht in der rechtlichen Lage. Gleichwohl ist ihm klar: „Polizei und Landratsamt haben dafür wenig Personal.“ Das betont auch die Landratsamtssprecherin: „Die Untere Naturschutzbehörde allein verfügt über keine ausreichenden personellen Kapazitäten.“ Denkbar seien Kontrollen gemeinsam mit anderen Behörden wie Polizei und Forstverwaltung. „Möglicherweise könnten auch Ranger eingesetzt werden, sofern der Landkreis welche bekommt“, sagt Stadler.

Sonst schicken wir einen zahnlosen Tiger rum, der sich dann auch noch blöd anreden lassen darf.

Bürgermeister Klaus Thurnhuber fordert weitergehende Kompetenzen für Ranger

Diese müssten aber auch mit handfesten Kompetenzen ausgestattet werden, fordert der Bürgermeister: „Ein Ranger hat bisher nur beratende Funktion, es wird aber mehr brauchen. Wenn der Ranger Personalien aufnehmen darf, kriegt er mehr Respekt von den Freizeitnutzern“, sagt Thurnhuber. „Sonst schicken wir einen zahnlosen Tiger rum, der sich dann auch noch blöd anreden lassen darf.“ Erst jüngst war ein Freizeitsportler gegenüber dem Gebietsbetreuer im Mangfallgebirge handgreiflich geworden. Aber am Taubenberg gab es auch von anderer Seite unschöne Szenen. Ein Mountainbiker am Taubenberg wurde jüngst von einem wütenden Mob umzingelt.

Unerlaubt angelegte Trails müssen zurückgebaut werden

Beim Rückbau der Trails, der erfolgen soll, sobald die Beschilderung steht, sind die betroffenen Grundstückseigentümer auf sich gestellt, sofern die Ersteller nicht ausfindig gemacht und in die Haftung genommen werden können. „Schön wäre es, wenn die lokalen Mountainbiker, die die Strecke die letzten Jahre genutzt haben, auch beim Rückbau mitanpacken würden“, erklärt Stadler. Örtliche Vertreter der vernünftigen Mountainbiker hätten ihm gegenüber dazu Bereitschaft signalisiert, berichtet Thurnhuber.

Die Grundstückseigentümer seien erleichtert, dass die Behörden das Problem nun auf dem Schirm haben und angehen, erklärt ihr Sprecher Fromm: „Bis jetzt hatte man den Eindruck, die Radlfahrer können tun, was sie wollen, und keiner macht was.“ Katrin Hager

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