In einem Handyvideo hatte der Mountainbiker aus Finsing die Verfolgung festgehalten.
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In einem Handyvideo hatte der Mountainbiker aus Finsing die Verfolgung festgehalten.

Körperverletzung landet vor Gericht

Zank am Taubenberg: Landwirt verfolgt Mountainbiker und wird gefilmt - „Hilfe, ich werde gejagt“

Im Corona-Mai 2020 fand der lange schwelende Streit zwischen Mountainbikern und Landwirten am Taubenberg seinen Höhepunkt. Nun wurde ein Urteil gefällt.

Warngau – Es war am Vatertag im Mai 2020. Schon wieder hatte ein Landwirt aus Warngau mitangesehen, dass ein Radler verbotenerweise seinen abgesperrten Feldweg nahm. Der 45-Jährige nahm mit dem Traktor die Verfolgung auf, stieß schließlich den Mann von seinem Fahrrad. Der Radler stürzte und zog sich Schürfwunden an Ellbogen sowie Schienbein zu.

Wegen des Vorfalls, den der damals 41-jährige Radler aus Finsing im Kreis Erding teils auf seinem Smartphone im Video festgehalten hatte und anzeigte, musste sich der Landwirt nun wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten.

Mountainbike-Zoff am Taubenberg: Landwirt gesteht - „Es hatte sich einiges angestaut“

Der Einspruch des Angeklagten gegen den Strafbefehl hatte sich von vornherein auf die Rechtsfolgen beschränkt. „Es war falsch, was ich getan habe“, sagte der 45-Jährige vor Gericht reuig. „Es hatte sich einiges angestaut.“ Zunächst habe er mit Worten versucht, den Radfahrer zur Vernunft zu bringen. Dieser habe ihn aber lediglich als „Bauerndepp“ bezeichnet, mit dem er nicht reden wolle. „Er hat mich dadurch sehr provoziert“, schilderte der Landwirt.

Ein Zeuge (43) aus Haar beobachtete nahezu den gesamten Vorfall vom Gasthof aus. Der Radfahrer soll „Hilfe, ich werde gejagt“ geschrien haben – in erster Linie aber nicht vom Angeklagten, wie der Zeuge überraschend meinte: „Er wurde von einem anderen Mountainbiker verfolgt, der dann auch in voller Fahrt nach dem Mann trat, wodurch dieser stürzte“, schilderte der 43-Jährige. Erst dann, meinte der Zeuge, sei der Landwirt ins Spiel gekommen. Mit der linken Hand habe er den Radfahrer aus seinem Teleskop-Lader heraus während der Fahrt „am Trikot gepackt“. Der Widersacher des Landwirts sei dadurch erneut gestürzt, sein Rad sei auf ihm gelandet.

Nach Verfolgungsjagd von Mountainbikern am Taubenberg: Landwirt wegen Körperverletzung verurteilt

Da der Schuldspruch laut Staatsanwältin ohnehin feststand und der Angeklagte dem Gericht damit „eine umfassende Beweisaufnahme erspart“ habe, hielt sie eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 30 Euro sowie ein einmonatiges Fahrverbot für geboten. Als Landwirt sei der Beschuldigte jedoch auf seinen Führerschein angewiesen, erklärte Verteidiger Viktor Hammans. Ein Fahrverbot sei daher aus seiner Sicht unangemessen. „Das ist auch nicht der erste Vorfall, dass ein Fahrradfahrer über seine Wiese fährt.“

Um das Fahrverbot kam der Warngauer jedoch nicht herum. Amtsrichter Walter Leitner verurteilte den Landwirt zudem zu der von der Staatsanwaltschaft geforderten Geldstrafe, insgesamt 1200 Euro. „Bevor Sie die Verfolgung aufgenommen haben, hätten Sie genug Zeit gehabt, sich abzukühlen“, sagte der Amtsrichter in Richtung des Angeklagten. „Zudem hat sich der andere Radfahrer ihn ja schon zur Brust genommen. Dass Sie auch noch auf ihn losgehen, war unnötig.“ Um ein Fahrverbot käme der Warngauer laut dem Richter beim besten Willen nicht herum: „Wer im Straßenverkehr schlägt, der geht.“

Jahrelanger Streit am Taubenberg: Lösung für Mountainbiker nicht angenommen

Ein neuer Verein, mit Leuten aus der Gemeinde, der sich um zwei Mountainbike-Trails am Taubenberg kümmert: Mit dieser Idee versuchte Warngaus Bürgermeister, den sich zuspitzenden Konflikt zwischen Mountainbikern und Grundstücksbesitzern am Taubenberg zu entschärfen. Vergeblich. Philip Hamm

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