Nach Traktor-Verfolgungsjagd: Radeln am Taubenberg ein heißes Eisen
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Paradies für Mountainbiker: Der Taubenberg lockt gerade in Coronazeiten sehr viele Radsportler an. Auf ausgewiesenen Wegen, wie hier auf dem Bild, ist das grundsätzlich kein Problem. Für Ärger und zuletzt auch handfeste Konflikte sorgen aber immer wieder wilde Trails durch den Wald.

„Der Erholungsdruck ist groß.“

Nach Traktor-Verfolgungsjagd: Radeln am Taubenberg ein heißes Eisen

  • Marlene Kadach
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Am Taubenberg geraten Mountainbiker und Grundeigentümer immer wieder aneinander. Mit Corona hat sich die Lage zugespitzt. Doch eine Lösung lässt auf sich warten.

Warngau– Neulich beim Spaziergang am Taubenberg ist es ihm wieder aufgefallen: Die Mountainbiker haben „Halfpipes und Sprungschanzen“ in die Landschaft gewälzt, erzählt Dieter Schuller. „Die Erde ist betonhart“, meint der Baubiologe aus Oberwarngau. „Es ist eine Unverschämtheit, was manche Radler machen.“

Auch Schuller hat den Konflikt verfolgt, der sich seit Jahren am Taubenberg zwischen Mountainbikern und Grundeigentümern abspielt. In der Corona-Krise tummeln sich verstärkt Radler in dem Gebiet, die Lage hat sich zugespitzt. Erst am Vatertag ist die Situation eskaliert, als ein Radler aus dem Kreis Erding mit einem Landwirt aus Oberwarngau aneinandergeriet, samt Verfolgungsjagd per Traktor (wir berichteten). Seitdem sind alle Beteiligten alarmiert. Wir haben ein Stimmungsbild eingefangen.

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Nach Traktor-Verfolgungsjagd: Radeln am Taubenberg ein heißes Eisen

Der Vorfall am Vatertag endete mit einer Anzeige, die der Biker erstattete. Wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Inzwischen hat der Landwirt mit einer Gegenanzeige wegen Hausfriedensbruchs nachgelegt, berichtet Robert Hirschel, stellvertretender Leiter der Polizei Holzkirchen.

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Die rechtliche Situation ist klar: Auf befestigten Wegen wie Forstwegen dürfen Radler fahren, erklärt Hirschel. Auf wilden Trails und querfeldein nicht. So stehe es im bayerischen Naturschutzgesetz. Und so gilt das freie Betretungsrecht der Natur, auf das sich viele Mountainbiker berufen, nur begrenzt. Damit sich die Situation am Taubenberg entspannt, schickt die Polizei derzeit Reiterstaffeln hinauf (wir berichteten).

Auch Wolfgang Metz, stellvertretender Betriebsleiter der städtischen Forstverwaltung in Gotzing, weiß: „Das ist ein heißes Eisen.“ Der Revierförster betreut die Flächen von Stadtwerken und Landeshauptstadt München, die sich über den Taubenberg ziehen. Es gebe zum Teil 500 Abfahrten pro Tag. „Der Erholungsdruck ist groß.“ Die vielen Trails durchschneiden die Natur. Der Boden werde verdichtet. Wildtiere kommen nicht mehr zur Ruhe, wenn Radler im Dunkeln „mit Lamperl am Hirn“ fahren. Werde das Wild aufgescheucht, dann tun sich Jäger schwer, ihren Abschussplan einzuhalten, berichtet Metz. Auch Vögel würden gestört.

Laut Katharina Löw vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen, leben dort seltene Vögel wie Sperlingskauz, Neuntöter und der störungsempfindliche Schwarzstorch. Der Taubenberg sei ein SPA-Gebiet, also ein Vogelschutzgebiet, sowie ein FFH-Gebiet mit Lebensräumen wie dem wertvollen Waldmeister-Buchenwald. Beides falle unter ein Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union, genannt Natura 2000.

Es hakt auch an anderer Stelle: Dulde ein Grundbesitzer Trails, und passiere dann etwas, sei er haftbar, so Metz. Hauptsächlich befinden sich die Trails zwar auf Privatgrund. Dennoch mussten seine Leute mal eine Holzkonstruktion, die jemand auf städtischem Grund errichtet hatte, abbauen. Auch die Waldbewirtschaftung leide. Eigentümer fürchten, dass Biker in Fällbereiche geraten.

Für das Wasserschutzgebiet der Stadtwerke auf dem Taubenberg seien die Trails nicht so verheerend, erklärt Metz. Schlimmer sei es, wenn Radler dort Autos abstellen, und diese Öl verlieren. Metz hofft auf eine Lösung, „wo man sich anschließen kann“. Wie berichtet, will die Gemeinde Warngau mit Privateigentümern reden. Laut Bürgermeister Klaus Thurnhuber finden Gespräche coronabedingt ab September statt.

Auch die Radsportvereine warten auf Ergebnisse. Sie wünschen sich Trails, auf denen der Ansturm kanalisiert wird, wie Georg Smolka, Präsident des Radsport- und Lauf-Club Holzkirchen (RSLC), erklärt. Vereinsintern gelte die Ansage, den Taubenberg im Moment zu meiden. Die Équipe Vélo trainiere zwar dort, so Vorstand Frank Lochbühler. Allerdings sollen Mitglieder „nur auf den Forstwegen fahren“. Man wolle niemanden provozieren. „Der Wald ist groß genug.“ Die Polizeikontrollen findet Lochbühler in Ordnung. Ihm ist der enorme Andrang aufgefallen. Der Friedhofsparkplatz in Oberwarngau sei oft voll. „Die haben den Schuss nicht gehört.“

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