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Neue Großtagespflege in Warngau: Tageseltern für familiäre Betreuung gesucht

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Von: Katrin Hager

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Im ehemaligen Lehrerwohnhaus, das derzeit leer steht, sollen bald Tageseltern Kinder vom Baby bis zum Schulkind in familiärem Rahmen betreuen: Dort soll eine Großtagespflege entstehen.
Im ehemaligen Lehrerwohnhaus, das derzeit leer steht, sollen bald Tageseltern Kinder vom Baby bis zum Schulkind in familiärem Rahmen betreuen: Dort soll eine Großtagespflege entstehen. © Thomas Plettenberg

Kinderbetreuung, familiär und flexibel: Das wollen Gemeinde und Landratsamt in Warngau in einer neuen Großtagespflege bieten. Dafür werden Tagesmütter und -väter gesucht.

Warngau – Ein Platz, an dem Kinder, vom Baby bis zum Schulkind, gut aufgehoben sind, bei einer Tagesmutter oder einem Tagesvater, fast wie in einer Familie: Das planen die Gemeinde und das Landratsamt in Warngau. Nun nehmen die Pläne konkretere Formen an: Ein Standort ist im Blick, und am morgigen Mittwoch findet ein Infoabend statt für Interessierte, die sich vorstellen könnten, bald Kinder zu betreuen: als Tagesmutter oder Tagesvater in einer sogenannten Großtagespflege. Dafür infrage kommen nicht nur bereits ausgebildete Kinderbetreuer, sondern auch Quereinsteiger.

Die korrekte Bezeichnung ist etwas irreführend. Eine „Großtagespflege“ soll eigentlich das genaue Gegenteil ihres ersten Eindrucks sein: Betreuung in einem familiäreren Umfeld statt im großen Maßstab, mit kleineren Gruppen, flexibleren Öffnungszeiten und anderen Kindern in verschiedenen Altersgruppen. Die Großtagespflege hat ihren Namen daher, dass die Tagesmütter und -väter die Betreuung nicht auf sich gestellt bei sich anbieten, sondern sich mit anderen Tageseltern Räumlichkeiten teilen – in der Großtagespflege. In Holzkirchen gibt es bereits eine Einrichtung dieser Art, das „Servus Bambini“ in der Tegernseer Straße.

Die Gemeinde Warngau hat ebenfalls ein solches Angebot im Blick, schon seit längerem, denn eine Großtagespflege kann mit diversen Vorteilen punkten. Eltern bekommen die Sicherheit, dass sie nicht eines Morgens überraschend ohne Betreuung dastehen, weil die Betreuungsperson erkrankt ist. Tageseltern können auf geeignete Räume außerhalb ihrer eigenen Privatsphäre zurückgreifen. Beide können die Betreuungszeiten flexibler handhaben als in öffentlich betriebenen Kitas mit starren Öffnungszeiten, die mit vielen Berufsbildern schwerlich vereinbar sind. Dem Warngauer Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG) sind dafür in den vergangenen Jahren immer wieder Beispiele untergekommen, etwa die Krankenschwester im Schichtdienst. Eine Großtagespflege könnte das Spektrum der Betreuungsangebote in der Gemeinde also sinnvoll ergänzen. „Das ist ein großer Wunsch der Gemeinde“, bekräftigte er in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. „Wir erweitern die Palette um ein Angebot, das der Familie sehr nahe kommt.“

Ein Standort ist gefunden

Als Standort bietet sich das ehemalige Lehrerwohnhaus neben der Turnhalle an, das derzeit leer steht und im Besitz der Gemeinde ist: Es läge aus Sicht Thurnhubers geradezu ideal, eingebettet zwischen der Kita am Kapellenfeld und der Grundschule.

Wie genau eine Großtagespflege in Warngau organisiert sein soll, ist bislang nicht festgezurrt, erläuterte Dritte Bürgermeisterin Andrea Anderssohn (Grüne) im Gemeinderat, als sie das Projekt dort für die Gemeinde vorstellte. Aber die Eckdaten stehen: Bis zu drei Tageseltern betreuen maximal zehn Kinder gleichzeitig (bei bis zu 16 Betreuungsverhältnissen), von 0 bis 14 Jahren. Die Vergütung erfolge über das Jugendamt am Landratsamt Miesbach, wobei die Eltern den Betreuungsvertrag direkt mit einer der Pflegepersonen schließen.

Die Tagesmütter und -väter arbeiten entweder selbstständig oder angestellt bei einer entsprechenden Trägerschaft. Gemeinde und Landratsamt wollen das gemeinsam mit den Tageseltern klären. Auf Nachfrage von Johann Gillhuber (Draxlhamer Liste), der angesichts der anstehenden Erweiterung der Kita am Kapellenfeld zusätzliche Betreuungsplätze lieber dort gesehen hätte als an einem Wohnhaus mit noch nicht bezifferten Umbaukosten, erklärten Anderssohn und Thurnhuber, dass wohl nur kleinere Umbauten am Lehrerhaus nötig werden – auf jeden Fall erheblich weniger als bei einer klassischen Tagesstätte: „So kostengünstig ist keine andere Kinderbetreuung für die Gemeinde“, betonte Thurnhuber, „und wir brauchen ständig weitere Plätze.“

Tageseltern gesucht: Infoabend am Mittwoch

Die familiäre Betreuungsmöglichkeit steht und fällt aber mit den Tageseltern: „Wir suchen Leute, die sich das zutrauen“, erklärte Anderssohn. Dafür infrage kommen nicht nur bereits ausgebildete Kinderbetreuer wie Erzieherinnen oder Kinderpfleger, sondern auch Quereinsteiger, die bereit sind, sich mit einem 160-stündigen Lehrgang fachlich zu qualifizieren. Wie genau sich die Interessenten das Modell vorstellen können und wie die Großtagespflege organisiert wird, erfahren Interessierte beim Online-Infoabend.

Der Infoabend für potenzielle Tageseltern beginnt am Mittwoch, 26. Januar 2022, um 19 Uhr. Er findet als Online-Meeting über Zoom statt. Die Zugangsdaten gibt es bei der Anmeldung per E-Mail (Infos über die Gemeinde-Homepage).

ag

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