Hartnäckig trotzt dieser Schwarzbau außerhalb von Osterwarngau seit sechs Jahren jeder Abriss-Anordnung. Jetzt soll eine nachträgliche landwirtschaftliche Privilegierung das Gebäude retten. foto: thomas Plettenberg

BBV-Kreisobmann will Jagdschuppen retten

Schwarzbau kommt wieder vor Gericht

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Es ist nichts anderes als ein Schwarzbau. Doch der wuchtige Jagdschuppen aus Beton und Holz, er steht immer noch am Nüchternbrunnweg in Osterwarngau. Und es könnte passieren, dass er der Nachwelt erhalten bleibt. Ende Juni muss das Verwaltungsgericht München erneut entscheiden.

Warngau – Sehr zum Ärger von Landratsamt und Gemeinde Warngau hat sich der Sachverhalt oder besser: das Besitzverhältnis geändert. Der Osterwarngauer Landwirt Johann Hacklinger, seines Zeichens BBV-Kreisobmann und CSU-Kreisrat, übernahm den Bau samt Geländeumgriff in Erbpacht (wir berichteten). Sein Plan: Über die landwirtschaftliche Privilegierung, die Bauen im Außenbereich ermöglicht, soll der Schwarzbau legalisiert werden. Hacklinger will das Gebäude zur Remise umfunktionieren, um dort am Fuße des Taubenbergs landwirtschaftliche Geräte einzustellen.

Tatsächlich gewährt das Bayerische Baugesetzbuch aktiven Landwirten ein Sonderrecht, Schwarzbauten zu übernehmen und legal zu nutzen. Zwei Bedingungen sind zu erfüllen: Der landwirtschaftliche Betrieb muss eine räumliche Nähe zum fraglichen Gebäude aufweisen. Und der Betrieb muss belegen können, dass er den Platz auch braucht. Hacklinger glaubt, dass beide Konditionen zutreffen. Seine Hofstelle an der Holzkirchner Straße ist 300 Meter Luftlinie vom Schwarzbau entfernt.

Die Privilegierung hatte der Erbauer des zweistöckigen „Futter- und Jagdschuppens“, der damalige Jagdpächter Siegfried Holzapfel, vergeblich eingeklagt. Er zog das Gebäude 2011 in der irrigen Annahme hoch, auch als Jagdpächter bauliche Privilegien zu genießen. Trotzig ignorierte er nach dem ersten Verwaltungsgerichts-Urteil alle Abriss-Anordnungen, ließ sich von Zwangsgeldern, die das Landratsamt verhängte, nicht beeindrucken. Im März 2016 verstrich eine letzte Frist, ehe sich wenig später überraschend Hacklinger einschaltete.

Geht es nach dem Landratsamt, kann Hacklinger den Schwarzbau nicht retten. „Das Landratsamt hat eine vollständige Beseitigung angeordnet und vertritt diese Position weiterhin“, teilt Behördensprecher Birger Nemitz auf Anfrage mit. Das Landratsamt stützt sich dabei auf eine Einschätzung des Landwirtschaftsamts. Ob die Privilegierung Hacklingers doch greift, wird das Verwaltungsgericht Ende Juni zu entscheiden haben.

„Dieses Ding muss weg, ohne wenn und aber“, sagt Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber. Schärfere Töne fand Gemeinderat Reinhard Bücher (Grüne) in einem Schreiben, das Thurnhuber in der jüngsten Gemeinderatssitzung verlas. Der Schwarzbau in Osterwarngau sei ein „handfester Skandal“, die Gemeinde werde „am Nasenring durch die Landschaft geführt“.

Während die Gemeinde hier mit Hacklingers „Bauwunsch“ hadert, legt sie ihm an der Hofstelle keine Steine in den Weg. Einstimmig war das Gremium mit dem Plan des Landwirts einverstanden, eine bestehende Halle im rückwärtigen Hofbereich zu verlängern. Dafür wird ein älterer Schuppen direkt an der Straße abgebrochen.

Sollte es auch am Nüchternbrunnweg zu einem Abbruch kommen, dürfte das nicht billig werden. Die Abrisskosten werden auf rund 25 000 Euro geschätzt.

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