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Pater Georg ließ beim Starkbierfest in Wall das vergangene Jahr Revue passieren und amüsierte die Zuhörer mit dem Dorfklatsch.

Starkbierfest in Wall 

Pater Georg und der Dorfklatsch

Wall - Premiere in Wall: Statt Georg Bauer hielt Pater Georg die Fastenpredigt im Feuerwehrhaus. Und der Neuling kam gut an mit seinem augenzwinkernden Blick auf das Waller Dorfleben.

Im Landkreis waren sie eine der ersten: Seit 2001 wird im Waller Feuerwehrhaus derbleckt. Vor Gmund, Miesbach und Tegernsee gab es hier schon eine Fastenpredigt. Heuer gab Georg Köck seinen Einstand als Pater Georg, da der vorjährige Fastenprediger Georg Bauer aus beruflichen Gründen pausieren musste. 

Und wie immer war es rappelvoll im Feuerwehrhaus. Die Blaskapelle Wall spielte ein Prosit der Gemütlichkeit, und die Massen schepperten aneinander. Wie am Nockherberg. Nur dass es in Wall Gläser sind und keine Tonkrüge. Das Publikum war jedenfalls gut eingestimmt, als Pater Georg knapp zwei Stunden nach dem offiziellen Beginn hoch zum Pult stieg und sagte: „I bin da Pater Georg, gschickt vom Kloster Reutberg. Und heid bin i do dahoam.“ 

Als sie ihn in dunkelbrauner Barnabas-Kutte samt Kapuze und Maß in der Hand erblickten, lachten die ersten Zuschauer schon amüsiert auf. Manch einer mochte sich da schon gefragt haben: Wie geht der Pater mit der aktuellen gesellschaftlichen Lage ins Gericht? Doch die sparte er fast gänzlich aus. Er wolle die Zuhörer nicht mit „da großn Politik“ langweilen, das höre und sehe man „oi Dog bis zum Überdruss“, rief er den vollbesetzten Bänken entgegen. Pater Georg konzentrierte sich lieber auf das Waller Dorfleben. 

„Ist das wirklich so passiert?“, raunte es durch das Gerätehaus der Feuerwehr. Aber ja, das ist es. Feuerwehr- Vorsitzender Peter Schell hatte im Laufe des Jahres sämtliche Anekdoten gesammelt. aus denen Köck, sein Schwager, die Predigt zusammengebastelt hat. 

Darin ging es dann um drei Burschen aus Wall, von denen berichtet wird, dass sie „an Haufn scharfer Puppen“ im Urlaub auf Mallorca beobachtet hatten. „De tanzn umanand, zoagn Haxn und Tittn. Bis si dann gspannt ham, des san Transvestiten. Wias dene drei gfoin hod, ham sie uns nicht gsagt. Aba mei Liaba, de drei ham scho an bsundern Gschmack.“ 

Oder um einen Waller, in dessen Ententeich sich eine Henne verirrt hatte. „Vor lauter Angst, dass’s eana stirbt, hams der Hena de Brust massiert. Anschließend deans de Henawachtel in a scheee große Schachtel. Nei ins Bratrohr, des werd eingestellt auf 40 Grod, damit’s des Mistkratzerl angenehm und warm drin hod. Und wos war: Des hod guad gholfn, de Hena hod si wieder bewegt und hod no am gleichn Dog a kochts Oar no glegt!“ 

Oder um den Landwirt, der auf seine Weide geht und vorher gewissenhaft den Stromstecker am Hof herausgezogen hat. „An Droht am Ellenbogen aufigwickelt, des is ned weiter schlimm. Sei Frau de geht zur gleichen Zeit ums Haus. Sie steckt den Stecker eini. Ois muasst selber macha! Der Strom, der laafft, dem Kaspar hod’s ganz brutal oane dupft. Und zwar Schlog für Schlog, do is er ghupft und wieder ghupft.“ 

Und dann unterbrach der Pater seine Predigt: „Jetz miass ma moi Prosit dringa.“ Vor dem zweiten und letzten Anstoßen rief er: „Jetz trink ma no oans!“ Wieder schepperten die Massen aneinander. Zum Schluss skandierte er: „Jetzt dring ma no oane oder zwoa Maß. Frei nach Merkel: Wir schaffen das!“ 

Dass seine Pointen ankamen, zeigte die gute Stimmung im Feuerwehrhaus, in das auch Vertreter der Patenvereine Gotzing und Dürnbach gekommen waren sowie Feuerwehrler aus Holzkirchen und Parsberg. Auch Zweiter Bürgermeister und Kulturbeauftragter Jakob Weiland war mit der Vertretung zufrieden: „Das war mal eine Abwechslung.“ Das, was Pater Georg zum Besten gegeben hatte, fiel mehrheitlich in die Kategorie Ratsch und Tratsch aus Wall. Inhaltlich harmlos, aber gewürzt formuliert und launig – auch für Gäste ohne Insider-Wissen.

Von Johanna Wieshammer

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