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Hat seit Beginn der Corona-Krise richtig viel zu tun: Fabian Kniegl, Inhaber der Bike-Ranch in Reitham. 

Wegen der Corona-Pandemit

Radl-Werkstatt in Warngau wird überrannt: „Es ist unvorstellbar“

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Damit hatte Fabian Kniegl nicht gerechnet. Die Corona-Krise beschert ihm deutlich mehr Arbeit als sonst. Im Interview erklärt er, warum.

Holzkirchen – Dank der Corona-Krise haben viele Leute plötzlich viel Freizeit – und wollen offenbar mit ihrem Radl durch die Gegend sausen. Diesen Trend spürt Fabian Kniegl (42), Inhaber der Bike-Ranch in Reitham, ganz deutlich. Denn die Kunden rennen ihm die Bude ein. Seine Branche profitiert massiv von der Pandemie. Ein Gespräch über sagenhafte Umsätze, vollgeparkte Straßen und die neuesten Trends.

Herr Kniegl, Frühsommer, Sonne, Corona: Rennen Ihnen die Leute jetzt die Bude ein?

Ja, es ist unvorstellbar. Der umsatzstärkste Tag war der 17. März, also der Tag vor dem Lockdown. Da war die Panik bei den Leuten groß. Man hatte plötzlich viel frei, war in Kurzarbeit und hatte kein Fahrrad. Für einen Dienstag, also einen Tag unter der Woche, war das der Wahnsinn.

Ging es dann ungebremst so weiter?

Kurz nach dem Lockdown war es erst sehr ruhig, fast wie ausgestorben. Es herrschte eine große Unsicherheit bei den Leuten. Und das Ostergeschäft mit Kinderrädern ist viel ins Internet abgewandert. Als sich dann aber herumgesprochen hat, dass die Werkstätten geöffnet haben dürfen, und das Wetter gut wurde, war die Werkstatt schnell brechend voll.

Das heißt konkret?

Es sind Tage dabei, da kommen 130 Räder zum Reparieren. Normalerweise sind es rund 40 Stück. Wir wissen gar nicht mehr, wo wir die Räder abstellen sollen. Wir haben ja zum Glück einen Anbau geplant, der inzwischen nach vielen Jahren genehmigt ist.

Das verschafft Ihnen in Zukunft sicher Luft. Woher kommen nun all die kaputten Räder?

Viele Leute haben jetzt viel Zeit und kramen Räder heraus, die 30 Jahre im Keller standen. Wir bekommen auch viele Retrosachen. Phasenweise parkten die Kunden bis zur Tankstelle Schwarzer, so voll war es. Etwas ungünstig für uns war es, dass gerade zu der Zeit die Dorfstraße saniert wurde und einige Parkplätze deshalb nicht zur Verfügung standen. Manche Dorfbewohner haben mich schon im Scherz gefragt, ob sie Geld von mir bekommen, weil unsere Kunden ihre Höfe voll parken.

Haben sich die Kunden angesichts des Andrangs stets benommen?

Manche Kunden wollten es nicht akzeptieren, dass während des Lockdowns kein Verkauf stattfinden konnte. Denen habe ich dann gesagt, dass Reitham kein autonomer Staat ist, sondern zu Bayern gehört. Und dass unser Laden nun mal wegen gesetzlicher Anordnungen zu ist.

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Seit einiger Zeit dürfen Sie ja wieder verkaufen. Kommen Sie mit der Arbeit überhaupt noch hinterher?

Zunächst hatten wir Kurzarbeit beantragt. Diesen Antrag haben wir vorab aber wieder gecancelt, weil wir plötzlich so viel Arbeit hatten. Wir arbeiten in der Werkstatt momentan rund um die Uhr. Meine Mannschaft hat mir inzwischen schon das Messer auf die Brust gesetzt und gesagt, dass es so nicht mehr weitergeht. Jetzt überlegen wir, im Moment den Versand auszusetzen und Fremdräder nicht mehr zu reparieren. Wir wollen zwar für jeden Kunden da sein und freuen uns über den Andrang, doch wir stoßen auch an unsere Grenzen.

Dann brauchen Sie ja fast mehr Personal.

Ich würde gerne mehr Leute einstellen, aber es ist schwierig, Fachpersonal zu finden. Und Platz durch das langwierige Genehmigungsverfahren ist ebenfalls noch nicht vorhanden. Und die Technik rund um die Räder wird immer komplizierter. Das muss man schon gelernt haben.

Auf welche Modelle stürzen sich Ihre Kunden?

E-Bikes sind der große Renner, aber auch das komplette Sortiment. Der neueste Trend sind Gravel Bikes. Das sind Rennräder mit geländetauglichen Reifen.

Hand aufs Herz: Ist die Pandemie am Ende ein Segen für Ihre Branche, rein wirtschaftlich gesehen?

Wir verzeichnen eine deutliche Umsatzsteigerung, mussten diesen Frühjahrsboom jedoch fast in einem Monat stemmen, was kaum händelbar ist. Abgerechnet wird leider erst immer am Ende des Jahres, und da die Lieferanten alle ausverkauft sind, wird sich zeigen, was rauskommt.

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