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Am Scheideweg: An der Kreisstraße MB 10 in Warngau plant die Gemeinde einen Radweg nach Allerheiligen - oder auch nicht. Ob er auf Höhe der Kapelle und der Einmündung der Lindenstraße erst beginnt oder über eine Verkehrsinsel die Straße quert und Richtung Rathaus fortgeführt wird, ist auch offen.

Kosten sorgen für Erstaunen

Radwegbau in Warngau: Gemeinderat zieht Bremse

Der Weg zum allerersten Meter Radweg auf Warngauer Flur gestaltet sich holprig. Seit Jahren ist in der Gemeinde im Gespräch, den Radwegebau anzupacken. Vor allem für Alltagsradler, die schnell und sauber zur Arbeit oder zum Einkaufen fahren wollen. Angesichts der Kosten für den ersten Abschnitt zog das Gremium nun die Bremse.

Warngau–Bisher hatte Engelfried Beilhack (CSU) immer aufs Gas gedrückt, man müsse endlich mal den ersten Schritt machen. Der CSU-Ortsverband hatte 2013 sogar einen Antrag gestellt, um den Radwegebau auf die politische Agenda des Gemeinderats zu bringen – und rannte bei den Kollegen offene Türen ein. Vier Jahre und ein Radverkehrskonzept eines Beratungsbüros später nahm sich der Gemeinderat den Abschnitt zwischen Oberwarngau und Reitham vor, wo bisher ein Wiesenpfad verläuft. Doch jetzt, da dem Gremium die Kostenschätzung für verschiedene Varianten vorlag, hat es die Entscheidung einmütig vertagt. Der Grund: Dem Gemeinderat liegen die Kosten schwer im Magen. Der Freistaat fördert Radwege zwar, knüpft aber Bedingungen an die Ausführung. Und für das Projekt würden nicht die erhofften 70 bis 80, sondern nur 50 Prozent fließen, erklärte Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG). „Wir sind ein bisschen enttäuscht von dieser Zuwendung“, gestand er.

Drei förderfähige Varianten – jeweils 2,50 Meter breit – stehen zur Debatte. Die teuerste Variante 1 sieht einen Asphaltweg in zwei Lagen und mit Unterbau vor, der vom Rathaus und Feuerwehrhaus erst östlich entlang der Kreisstraße MB 10 verläuft, an der Einmündung der Lindenstraße auf Höhe der Kapelle über eine Verkehrsinsel als Querungshilfe auf die Westseite der Straße wechselt und an der Kirche Allerheiligen vorbei bis zur Einmündung der Gemeindestraße Richtung Reitham führt. 850 Meter Radweg, die in dieser Ausführung 275 000 Euro kosten würden. Abzüglich 50 Prozent Zuschuss, müsste die Gemeinde 137 000 Euro selbst berappen. Für zwei abgespeckte Versionen würden ebenfalls 50 Prozent Zuschuss fließen: Variante 2 würde auf die Querungshilfe verzichten und käme auf 238 000 Euro gesamt und 119 000 Euro für die Gemeinde. Und Variante 3 würde auf den knapp 400 Meter langen nördlichen Teil des Radwegs verzichten und erst ab Höhe der Lindenstraße bis Allerheiligen ausgebaut. Kosten: 145 000 Euro gesamt, 72 500 Euro für die Gemeinde. Oben drauf kämen bei allen Optionen noch Grundstücks- und Planungskosten, erklärte der Bürgermeister.

„Diese Kosten hauen mich um“, gestand Beilhack. Und suchte gleich nach Sparmöglichkeiten: „Für einen Radweg brauch ich doch keinen Unterbau.“ Verzichten könne man darauf nicht, wenn man Fördermittel für den Radwegbau wolle, erklärte Thurnhuber. Zumal holprige Radwege von Radfahrern nicht genutzt werden, wandte Winfried Dresel (Grüne) ein, „da fahr ich dann lieber auf der Straße“. Vielleicht täten es auch 1,80 oder zwei Meter Breite statt 2,50, schlug Vize-Bürgermeister Jakob Weiland (CSU) vor. Dann bäuchte man dafür aber wieder ein eigenes kleines Räumfahrzeug, meinte Anton Bader (FWG).

Max Bauer (FWG) stellte in Frage, ob der Radweg so überhaupt sinnvoll sei, wenn ein Radler in nördlicher Richtung zweimal die Straße kreuzen müsse und der Weg in kein Netz eingebettet sei. „Es ist halt ein erster Schritt. Man muss mal einen Anfang machen“, appellierte Adolf Schwarzer (CSU), „ein Gesamtkonzept ist nicht finanzierbar.“

Christian Triendl (Grüne) mochte sich angesichts des Investitionsprogramms der Gemeinde keine so hohen Ausgaben aufbürden. Er schlug vor, ob sich einfach ein Teil der Fahrbahn als Fahrradstreifen einzeichnen ließe. „Da werden wir außerhalb der Ortschaft auf einer Kreisstraße vermutlich ein Problem bekommen“, meinte Thurnhuber skeptisch. Die Gemeinde solle den Landkreis als Straßenbaulastträger aber bei den Kosten nicht ganz aus der Haftung entlasten, fand Leonhard Obermüller (CSU).

Der Bürgermeister will nun beim Landkreis nachhaken, in welchem Zeithorizont sich dieser eine Kostenbeteiligung am Radwegbau vorstellen könne. Danach will der Gemeinderat weitersehen.

Katrin Hager

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