„Aus einer Maus wurde ein Elefant gemacht“

Rosenkrieg vor Gericht: Richter genervt von früherem Warngauer Ehepaar

Der Zoff zwischen einem Noch-Ehepaar, das früher in Warngau lebte, hat die Strafbehörden offenbar grundlos beschäftigt. Statt eines Urteils gab‘s deshalb Schelte vom Richter.

Warngau – Genervt schloss Walter Leitner die Verhandlung gegen einen 55-jährigen Feldkirchner im Miesbacher Amtsgericht. „Aus einer Maus wurde ein Elefant gemacht“, sagte der Richter sichtlich angefressen. Wieder mal war ein Familienstreit vor Gericht gelandet. Am Ende stand ein Freispruch.

Ausgangspunkt war eine zerrüttete Ehe, das Noch-Ehepaar bekriegte sich, wo nur möglich. Der 55-Jährige fand sich schließlich auf der Anklagebank wieder, dank seiner Noch-Ehefrau. Im Strafbefehl stehen Diebstahl und Nötigung. Zwischen Februar und März, als die beiden noch zusammen in Warngau lebten, soll er ihren Ehering im Wert von 350 Euro entwendet haben. Zudem habe der Mann die 37-Jährige daran gehindert, mit ihrem Auto wegzufahren.

Vor Gericht bestritt der Mann den Diebstahl. Der Ring sei in einem Wäschekorb gelegen; im Mai habe ein Freund seiner Frau den Ring zurückgeben. „Sie war damals nicht ordentlich, weshalb es mich nicht wundert, dass sie den Ring verloren hat“, erklärte der 55-Jährige.

Vermeintlicher Diebstahl offenbar falscher Verdacht 

Den Disput in der Hofeinfahrt des Warngauer Anwesens leugnete der Mann nicht. „Sie hat die Nummernschilder vom Anhänger meines Sohnes abmontiert.“ Er habe die Tafeln zurückhaben wollen. Die 37-Jährige räumte ein, die Schilder abmontiert und in ihrer Werkstatt deponiert zu haben: „Ich habe damals Steuern sowie Versicherung für den Anhänger gezahlt – das wollte ich nicht mehr.“ Was die Frau nicht wusste: Der Anhänger war zuvor auf den Sohn des Angeklagten umgemeldet worden.

In der Folge des Disputs soll der Mann seine Ehefrau am Wegfahren gehindert haben. Wütend habe der 55-Jährige geschrien: „Gib mir die Kennzeichen zurück.“ Sie habe sich bedroht gefühlt, als sich ihr Mann „über mich gebeugt“ habe, als sie bereits im Auto saß.

Verrückter Fall am Amtsgericht: Ebay-Betrug gerät wegen Kuckuckskind zur Nebensache

Zum vermeintlichen Diebstahl räumte die Frau auf Nachfrage von Verteidiger Andreas Hlavaty ein, dass dieser Verdacht ein Rückschluss auf die Tatsache gewesen sei, dass sie ihren Ring nicht finden konnte. Was den Autoschilder-Streit anbelangt, gab der 29-jährige Sohn des Angeklagten zu Protokoll, dass der Tonfall von beiden Seiten etwas rauer gewesen sei. Als auch die Mutter des angeblichen Opfers aussagte, dass ein „kurzes, aber lauteres Gespräch“ in der Hofeinfahrt stattgefunden habe, war die Sache für den Staatsanwalt klar: „Es ist nicht nachweisbar, dass sich beides so zugetragen hat.“ Der Ring könne versehentlich in den Wäschekorb gefallen sein. In Sachen Nötigung hätte ein „physischer Zwang“ vorliegen müssen. Die logische Konsequenz sei Freispruch.

Richter: „Gericht wegen familiärer Schwierigkeiten missbraucht“

Amtsrichter Leitner sah’s genauso und sprach den Angeklagten frei. „Wieder einmal wurde hier ein Gericht wegen familiärer Schwierigkeiten missbraucht“, bilanzierte er. Wenn solche Angelegenheiten nicht untereinander besprochen werden könnten, sagte Leitner kopfschüttelnd, „dann können wir jegliche Kommunikation unter Menschen einstellen“. 

hph

Rubriklistenbild: © Andreas Leder

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