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„Wird nicht ernstgenommen“: Mann sieht in Saharastaub „lebensbedrohliche Gefahr“

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Von: Katrin Hager

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Blutregen über dem Tegernsee: Saharastaub taucht Landkreis in mystisches Rot
Blutregen über dem Tegernsee: Saharastaub taucht Landkreis in mystisches Rot (Archivbild). © Stefan Schweihofer

Saharastaub als Gesundheitsgefahr? Seiner Sorge hat ein Warngauer bei der Bürgerversammlung Luft gemacht. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gibt dagegen Entwarnung.

Warngau – Das Wetterphänomen konnte durchaus den Eindruck eines Endzeit-Thrillers vermitteln: Mitte März tauchte Saharastaub den Himmel in düsteres Rot, ärgerte Autofahrer, Gartler und alle, die Fenster putzen müssen. Ein Warngauer sah derweil rot. Bei der Bürgerversammlung im Gasthof Zur Post warnte er nun vor Gesundheitsgefahren durch Saharastaub und ärgerte sich, dass die Behörden nichts unternähmen.

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Er habe eine labortechnische Analyse von Proben des Saharastaubs machen lassen, führte der Bürger in seiner Wortmeldung aus. Das Ergebnis war für ihn so alarmierend, dass er eine „lebensbedrohliche Gesundheitsgefahr“ konstatierte: „Der Saharastaub ist hochgiftig.“ Der Saharastaub enthalte „46 Milligramm reinstes Aluminium pro Kilogramm“ – das 230-fache des Grenzwerts für Trinkwasser, sagte er und warnte: „Wir atmen das ein.“ Der Gemeinde habe er das mitgeteilt, aber die habe es nur weitergeleitet. „Das wird nicht ernstgenommen.“

Warngau: Mann warnt bei Bürgerversammlung vor Saharastaub

Die Behörden haben seine Anfrage durchaus bearbeitet: Das Landratsamt schickte die Weiterleitung aus der Gemeinde ans zuständige Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Nur: Dieses kommt nicht zum Ergebnis, dass eine Gesundheitsgefahr und damit Handlungsbedarf bestünde. Das hat es auch gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt (LfU) auf die Bürgeranfrage geantwortet, die Landratsamt und Gemeinde zurückleiteten. Bürgermeister Klaus Thurnhuber sah ansonsten keine Handhabe der Gemeinde gegen das Wetterphänomen. „Ich wüsste keine Lösung.“

Dem LGL lagen zu der Eingabe zwei Prüfberichte vor. Einer von einem akkreditierten und damit seriösen Labor. Bei einem weiteren Exemplar waren sowohl der Name des Auftraggebers als auch das Labor geschwärzt. Eine Einschätzung der Seriosität sei damit nicht möglich, teilt das LGL auf Nachfrage mit. „Das Labor hat uns geschrieben, dass wir das nicht veröffentlichen dürfen“, hatte der Warngauer bereits in der Bürgerversammlung ausgeführt. Ein urheber- und datenschutzrechtlicher Hinweis ist durchaus üblich, auch das LGL etwa vermerkt einen solchen Passus in eigenen Gutachten.

Saharastaub gefährlich? LGL verweist auf Lufthygienisches Landesüberwachungssystem

Ob aus der Luft Gesundheitsgefahren drohen, dazu sammelt das LGL selbst fortlaufend Daten mit dem „Lufthygienischen Landesüberwachungssystem“ (LÜB). Saharastaub gilt mit Partikelgrößen zwischen 0,1 und 10 Nanometern als Feinstaub. Anhand der LÜB-Daten für März „lassen sich keine Erhöhungen der Feinstaubkonzentrationen während der ,Saharastaub-Ereignisse‘ beobachten“, teilt das LGL mit. Nur an einer von 33 Messstationen, auf 1169 Metern Höhe am Oberjoch bei Bad Hindelang, „sind an den Tagen 15. und 17. März 2022 erhöhte Feinstaubkonzentrationen gemessen worden“.

Auch bei der „immissionsökologischen Dauerbeobachtung“, bei der durch Niederschlag ausgewaschene Partikel über etwa vier Wochen in Bechern aufgefangen und ausgewertet werden, ergaben sich laut LGL keine Hinweise auf eine Gefährdung. Die Ergebnisse werden in „Lufthygienischen Berichten“ veröffentlicht.

Saharastaub: „Keine Schutzmaßnahmen nötig“

Die Zusammensetzung von Saharastaub hängt von seiner Herkunftsregion ab. Ungefähr 90 Massen-Prozent bestehen laut LGL aus Sand (Siliziumdioxid), Eisenoxiden (Hämatit, Geothit) und Aluminosilikaten (etwa Ton, Kaolinit, Montmorillonit). „Nur in der oxidierten Form kommt Aluminium in der Erdkruste und somit auch im Saharastaub in Form von Aluminosilikaten vor, reines (elementares) Aluminium-Pulver dagegen kommt im Saharastaub nicht vor“, schreibt das LGL.

„Durch Saharastaub ist mit keiner messbaren zusätzlichen Feinstaubexposition zu rechnen“, lautet das Fazit. „Damit sind keine Schutzmaßnahmen nötig.“ Nur gegen niedergeschlagenen Saharastaub äußert es einen Tipp: „feuchtes Wischen“.

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