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Ein Prosit auf den Baufortschritt: Beim Richtfest stießen (v.l.) Nadine Vogl (mit den Kindern Seppi und Alina), Sepp Vogl jun. und sen., Bürgermeister Klaus Thurnhuber und Dieter Janshen vom General-Baunternehmen Goldbeck an.

Schreinerei Vogl zieht von Holzkirchen nach Warngau

Richtfest am neuen Domizil

Lochham – Es ist ein großer Schritt für ein Traditionsunternehmen: Die Schreinerei Vogl, die ein Jahrhundert lang in Holzkirchen saß, zieht um. Jetzt feierte der Familienbetrieb mit Handwerkern, Ehrengästen und Familie das Richtfest am neuen Sitz in der Nachbargemeinde Warngau: im Gewerbegebiet Birkerfeld in Lochham.

Der Rohbau ist geschafft. Viereinhalb Monate nachdem der erste Bagger auf dem 6500 Quadratmeter großen Areal anrückte, ist ein zweistöckiger Neubau aus dem Boden gewachsen. Die Schreinerei Vogl hat mit dem Bau einen Generalunternehmer beauftragt, der das Gros der Arbeiten bestreitet. Nur ein paar Gewerke übernehmen die Bauherrin selbst oder befreundete Firmen, etwa Fenster, Türen und die Holzverschalung. Die momentan dunkelgrauen Außenwände werden noch mit Lärchenholz mit modernem Altgraustich eingefasst, erklärt Chef Josef Vogl jun. 

Dem Betrieb und seiner Entwicklung ist der Neubau schon auf den Leib geschneidert. Die Schreinerei Vogl, die es seit 112 Jahren gibt und die inzwischen auf Fenster und Türen spezialisiert ist, hat in den vergangenen zehn Jahren einen gewaltigen Sprung gemacht. Damals hatte der Junior die Geschäftsführung von seinem Vater Josef Vogl sen. übernommen, der nach wie vor im Geschäft mithilft, ebenso wie Vogls Frau Nadine. Der Betrieb macht heute doppelt so viel Umsatz wie vor zehn Jahren und hat doppelt so viele Mitarbeiter, derzeit sind es 31, erklärt Vogl. „Jetzt haben wir auch den doppelten Platz.“ 

2200 Quadratmeter stehen künftig für die Produktion zur Verfügung; am alten Standort waren es 1400, aber auf drei Etagen verteilt. „Wir haben in der alten Werkstatt mehrere Nadelöhre, die uns bremsen“, erklärt der 35-jährige Schreinermeister. Hinzu kommen künftig 500 Quadratmeter für Büros und Ausstellungsflächen. Zwei neue Mitarbeiter werden mit dem Start am neuen Standort angestellt – und der Betrieb hat dort noch Luft. „Wir wollen die Kapazität um 30 Prozent erhöhen“, sagt Vogl. Derzeit produziere die Schreinerei etwa 6000 Fenster im Jahr. 

4,7 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Neubau. Ein Brocken, der nur durch den Verkauf der bisherigen Produktionsfläche im hinteren Bereich des Holzkirchner Areals zu stemmen war. Dort sollen künftig wie berichtet Wohnblöcke entstehen. Holzkirchen sei inzwischen ein Standort für große Unternehmen geworden, meint Vogl, ein mittelständischer Handwerksbetrieb wie seiner sei da nur ein kleiner Fisch. Beim Nachbarn fühlt sich der Schreinermeister bestens aufgehoben. „Die Gemeinde Warngau war sehr kollegial“, so Vogl. „Ich habe den Schritt noch keine Sekunde bereut.“ Obwohl es schwer fiel, nach mehr als 100 Jahren. 

Der Warngauer Bürgermeister schwärmt ebenfalls von der Partnerschaft mit dem Neuzugang im Birkerfeld. „Wenn so ein Traditionsunternehmen in Warngau eine neue Heimat findet, macht uns das stolz“, sagt Klaus Thurnhuber. Der Handwerksbetrieb passe ohnehin gut zur Gemeinde, weil er Handwerkern Arbeitsplätze biete. Und dass Gewerbesteueransprüche wie bei manch großer Firma in einem internationalen Konzerngeflecht irgendwo im Sand verlaufen, befürchtet er bei dem soliden Betrieb auch nicht. „Der Betrieb ist eine Bereicherung für unser Gewerbegebiet.“ 

Der Umzugstermin steht bereits fest: Am 20. Juni werden in Holzkirchen am Hochgehweg die Kisten gepackt, freilich im großen Stil. Ein Spezialunternehmen transportiert die Maschinen in die neue Produktionshalle, auch einige neue kommen hinzu. Etwa einen Monat lang muss die Firma eine Pause einlegen. Um die Durststrecke zu überwinden, wird bis dahin auf Hochtouren vorproduziert. „Das wird ein ganz schöner Kraftakt“, meint Vogl. Mitte Juli soll der Betrieb am neuen Zuhause wieder anlaufen.

Von Katrin Hager

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