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Ortstermin am Nüchternbrunnweg: Landwirt Hans Hacklinger sen. (6. v. l.) gelang es nicht, bei einem Verwaltungsgerichts-Termin den Schwarzbau-Schuppen über seine landwirtschaftliche Privilegierung zu legalisieren.

Illegales Haus mitten am Taubenberg

Schwarzbau: Mit diesem fiesen Trick sollte er legalisiert werden

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Der Schwarzbau am Taubenberg beschäftigt Gerichte und Behörden seit langem. Jetzt wollten Eigentümer und Besitzer ihn mit einem fiesen Trick legalisieren. Die Verhandlung:

Osterwarngau– Sieben Jahre bereits trotzt der wuchtige Rohbau am Ortsrand von Osterwarngau allen Beseitigungsanordnungen. Der damalige Jagdpächter Siegfried Holzapfel hatte das zweigeschossige Gebäude errichtet, um es als Futter- und Jagdschuppen zu nutzen. Als das Landratsamt den Abriss forderte, zog Holzapfel ein erstes Mal vor Gericht – und verlor, weil er als Jagdpächter nicht die baurechtlichen Privilegien eines Landwirts im Außenbereich genießt.

Lange mühte sich das Landratsamt, die Beseitigungsanordnung durchzusetzen. Selbst die Androhung von Zwangsgeldern in Höhe von 8000 Euro brachten Holzapfel nicht zum Einlenken. Im Frühjahr 2016 änderte sich plötzlich die Sachlage: Der Osterwarngauer Landwirt Hans Hacklinger sen., kein geringerer als der BBV-Kreisobmann, erwarb das Gebäude in Erbpacht. Sein Plan: Den Schwarzbau legalisieren, indem er vom landwirtschaftlichen Betrieb Hacklinger als Gerätehalle genutzt wird. Denn als Landwirt genießt Hacklinger grundsätzlich die Privilegierung, die Holzapfel verwehrt blieb.

So kam es am Mittwoch zur erneuten Verhandlung. Richterin Cornelia Dürig-Friedl stand ein zweites Mal vor einem Schwarzbau, den sie längst abgerissen glaubte.

Überraschend für alle Beteiligten war zunächst, dass Hacklinger sen. offiziell gar nicht mehr als Kläger auftritt, sondern sein Sohn Johann jun. (25), der den Betrieb Anfang des Jahres übernommen hat. In der Sache aber blieb es dabei: Auch wenn die Hofstelle 635 Meter Fahrweg vom Schuppen entfernt liegt, sei er gerade als Halle für forstliche Gerätschaften gut geeignet, „die man nur zwei bis dreimal im Jahr braucht“, so Hacklinger senior. Die Familie besitzt elf Hektar Wald am Taubenberg.

Bei den Fachbehörden fand Hacklinger aber keine Unterstützung – im Gegenteil. „Wir haben Herrn Hacklinger darauf hingewiesen, dass das so nicht geht, wie er sich das vorstellt“, sagte Rüdiger Obermaier vom Amt für Landwirtschaft am Mittwoch bei der Verhandlung, „ich habe gesagt, Hans, lass die Finger davon.“ Zu weit sei der Schuppen von der Hofstelle entfernt und vor allem: Hacklinger hat an der Hofstelle den Bau einer neuen Halle beantragt, die laut Kreisbaumeister Werner Pawlovsky kurz vor der Genehmigung steht.

„Ein Ersatzbau für einen Schupfen, den ich dafür abreiße“, sagte Hacklinger. Die betrieblichen Bedürfnisse seien dort aber zu decken, betonte Obermaier. Den Einwand Hacklingers, dass mehr Platz vonnöten sei, ließ Richterin Dürig-Friedl nicht gelten. „Warum haben Sie dann auf der alten Hofstelle nicht mehr beantragt?“

Nach kurzer Unterbrechung bot Hacklingers Anwalt Johannes Mohr an, die Klage für erledigt zu erklären, wenn der Schuppen noch drei Jahre stehen bleiben kann, „als Übergangslösung, bis die neue Halle am Hof fertig ist“. Landesanwalt Christian Konrad beriet sich kurz mit Vertretern des Landratsamts und der Gemeinde Warngau. „Eine Duldung ist für uns nur bis Ende 2017 denkbar, das ist nur wieder Verzögerungstaktik.“ Anwalt Mohr signalisierte daraufhin, dass man bei negativem Urteil ein Berufungszulassungsverfahren anstrebe. „Und das kann durchaus noch einmal eineinhalb Jahre dauern.“

Schließlich einigte man sich auf eine einjährige Gnadenfrist. Holzapfel und Hacklinger verpflichten sich, den Schuppen samt Bodenplatte bis spätestens 30. Juni 2018 restlos zu beseitigen. Das Verfahren wurde eingestellt, die Kosten trägt der Kläger.

Bürgermeister Klaus Thurnhuber ist erleichtert: „Jetzt ist der Sack hoffentlich endgültig zu.“ Hans Hacklinger sen. dagegen zeigte sich enttäuscht. „Wir sind nicht zufrieden. Unser Betrieb braucht diesen Platz.“ Holzapfel kündigte an, sich diesem Urteil zu fügen. „Aber ich sehe keinen Sinn darin. Hier reißen wir einen bestehenden Schuppen ab, anderswo muss er jetzt neu gebaut werden.“

avh

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