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Weltweiter Wettbewerb: Auch Johannes Willwerth aus Warngau nutzt die Strava-App. Wenn er mit seinem Mountainbike unterwegs ist, zeichnet er damit unter anderem Strecken, Geschwindigkeit und Zeit auf. 

Mountainbiker und Rennradler nutzen sie zunehmend 

Strava-App : Jagd nach dem virtuellen Siegertreppchen

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Mit Apps wie Strava zeichnen immer mehr Radler ihre Strecken und Leistungsdaten auf. Auch, um sich mit anderen zu messen -  sogar mit Profis. Doch die DIMB  warnt vor Gefahren.

Warngau/Holzkirchen– Dieser Wettbewerb wird virtuell geführt. Und bevor Johannes Willwerth, ein sportlicher junger Mann mit Helm und Schutzbrille, auf sein Enduro-Mountainbike steigt, zieht er sein Smartphone aus der Hosentasche. Er wischt über den Bildschirm, tippt darauf herum. „Jetzt aktiviere ich die Strava-App“, erklärt der Warngauer. Die zeichnet auf, welche Strecke er nutzt, wie schnell er fährt, und wie lange er dafür braucht. Sogar der Kalorienverbrauch wird angezeigt. „Das Geniale daran ist, dass man sich mit anderen Radfahrern vernetzen kann“, sagt der 24-Jährige. Ein bisschen wie bei Facebook. Der besondere Kick: Man kann sich mit anderen messen. Weil man sieht, welche Leistungen sie auf derselben Strecke erbracht haben.

Apps wie Strava, mit denen Mountainbiker, Rennradfahrern und Läufer ihre Strecken und Leistungsdaten aufzeichnen, werden immer beliebter, weltweit gibt es Millionen Nutzer. Auch in der Region sind viele im Strava-Fieber. Nicht nur Junge wie der BWL-Student Willwerth, auch der 50-jährige Markus Spallek. „Das nutzt fast jeder unserer Vereinskameraden“, sagt Spallek, der Mitglied im Holzkirchner Radsportverein RSLC ist. Der bekannteste Anbieter in der Szene sei Strava. Der große Hype habe so vor vier Jahren begonnen. Und damit auch die Vermessung des Ichs.

2016 war Spallek mit seinem Rennrad auf 164 Touren unterwegs, legte 8000 Kilometer und 80 000 Höhenmeter zurück. „Das ist nicht viel“, sagt er. Bei einer Strecke zwischen Kreuzstraße und Otterfing hat er es aufs virtuelle Siegertreppchen geschafft: 2741 Versuche gab’s auf diesem Abschnitt, von 636 verschiedenen Personen. Er lacht: „Im Moment bin ich da auf Platz 1.“ 39 Sekunden hat er für die 0,5 Kilometer gebraucht, seine: Geschwindigkeit 53,1 Stundenkilometer.

Das Reizvolle: „Bei Strava kann man sich mit Profis messen“, erzählt Spallek. Zumindest virtuell. Denn auch diese nutzen die App. Zum Beispiel Christian Grasmann aus Holzkirchen, der derzeit als Radprofi für die Maloja Pushbikers unterwegs ist. „Wenn man auf einem Segment besser als ein Profi ist, dann freut man sich.“ Auf einer Strecke zwischen Helfendorf und Kleinhöhenkirchen habe er das geschafft. „Da sind acht Profis hinter mir.“

Auch Willwerth hat seine Favoriten: Auf einer Tour am Tegernsee, die auf Höhe der Wiesseer Spielbank beginnt, brauchte er 1,46 Minuten für einen Kilometer. „Eine gute Zeit“, meint er. 841 Radler seien da schon gefahren, er steht auf Rang 16.

Doch Heiko Mittelstädt aus Oppenau im Schwarzwald, der bei der Deutschen Initiative Mountain Bike (DIMB) zuständig für Betretungsrecht, gutes Miteinander und Open Trails ist, sieht Gefahren, die durch diese Apps entstehen. „Wenn die Leute auf Zeit fahren, nehmen viele keine Rücksicht.“ Häufig gebe es Konflikte zwischen Radlern und Wanderern. „Der Wald ist keine Rennstrecke“, mahnt Mittelstädt. Es gebe Verkehrsregeln, die man beachten sollte. „Das ist gar nicht so einfach, wenn man auf Zeit fährt.“ In der Szene spreche man von „Strava-Heizern“. Vor allem auf der Ebene und bergab sei die Gefahr groß. Man messe sich quasi weltweit mit Personen. „Das stachelt den Ehrgeiz an.“ Außerdem mache man auch Strecken bekannt, die nicht gerade optimal seien. Oft genug ist es strittig, wo gefahren werden darf.

Ein weiteres kritisches Thema sei der Datenschutz, erklärt Mittelstädt. „Die Apps zeichnen auf, wo die Radler fahren.“ Auch der Startpunkt, die eigene Haustür, steht drin. In der Szene kursieren Ängste, dass Diebe wissen, wo gute Räder in der Garage stehen. Laut dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd ist das hier bislang aber kein Thema. Vielleicht auch, weil sich die Radler zu helfen wissen. Willwerth sagt: „Es ist blöd, wenn jeder weiß, wo man daheim ist.“ Daher gebe es verschiedne Einstellungen. Man könne sein Account öffentlich für alle oder nur für einen bestimmten Personenkreis zugänglich machen. Und einen Radius einstellen, der die Strecke erst aufzeichnet, wenn man schon ein Stück von daheim entfernt ist.

Verteufeln oder gar verbieten will Mittelstädt die App nicht. „Die Leute sollen sensibel damit umgehen.“ An die Nutzer appelliert er: „Setzt sie sinnvoll ein. Und passt auf.“

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