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Ein buntes Miteinander: Nandus, Schafe und Hund Bertl werden vom Futter angelockt.

Sie ähneln jungen Straußen

Südamerikanische Exoten sorgen für Riesen-Rührei auf dem Maroldhof

Eine eigenartige Tier-WG ist in der Bergpension Maroldhof zu Hause. Neben Schafen und Hühnern tummeln sich dort auch Nandus aus Südamerika. Eine Attraktion, die auch für Riesen-Rührei-Portionen sorgt.

Warngau – Es ist Essenszeit auf dem Maroldhof am Taubenberg. Als Klause Dachs das Gehege hinter der Bergpension mit der Futterschüssel in der Hand betritt, ist Hund Bertl als erstes bei ihm. Diejenigen, die er eigentlich anlocken will, lassen auf sich warten. Viel interessanter finden die Nandus ja die Kamera des Fotografen, der die langbeinigen Vögel beim Mittagessen ablichten soll. Mit ihren Schnäbeln schnappen sie frech nach dem Objektiv, bis Dachs die silberne Schüssel schüttelt. Erst jetzt hat er ihre Aufmerksamkeit, und die Nandus staksen gemächlich auf ihn zu.

Es ist ein ungewohnter Anblick, der sich Spaziergängern bietet, wenn sie am Maroldhof vorbeikommen. So entspannt wie beim Mittagessen sind die Nandus nämlich nicht immer. Mit bis zu 60 Stundenkilometern fetzen die Laufvögel gerne mal über die angrenzenden Wiese. Ihr Tempo und ihr Äußeres erinnern an Strauße, Nandus sind aber etwas kleiner und ein bisschen langsamer. Statt aus Afrika stammen sie aus Südamerika. Wie landet ein Vogel, der in Argentinien oder Uruguay heimisch ist, ausgerechnet am Taubenberg bei Warngau?

„Gefunden haben wir sie per Zufall“, erklärt Silvia Dachs, die seit fast 20 Jahren mit ihrem Mann auf dem Hof lebt und die Bergpension seit gut zwei Jahren betreibt. Sie habe eine grasfressende Alternative für ihre Schafe gebraucht, die altersbedingt keinen Nachwuchs mehr bekommen durften. Zunächst wollte Dachs eine Lama-Art anschaffen, an deren Namen sie sich aber nicht mehr erinnern konnte. Der Tiername fängt mit „N“ an – meinte sie zumindest. Als sie in einem Zeitungsinserat las, dass eine Frau aus Moosburg vier Nandus verschenkt, dachte sie, ihre „Rasenmäher“ gefunden zu haben.

Dabei hatte die Frau aus Moosburg keine Lamas, sondern nur die südamerikanische Laufvögel im Angebot. „Na gut,“ dachte sich Silvia Dachs, „dann probier’ ich es mit denen aus.“ Seit fünf Jahren leben die Nandus jetzt bei Familie Dachs. Integriert haben sich die Süd-Vögel in das bayrische Hofleben mit Schafen, Hund und Hühnern gut. Sie alle teilen sich eine Weide. Bei einer durchschnittlichen Größe von 1,40 Metern und einem Gewicht zwischen 30 und 50 Kilogramm sind die Nandus aber nicht nur die größten, sondern auch die schwersten Tiere am Maroldhof. Doch so exotisch sie auch sind, die Südamerikaner haben sich gut eingelebt in ihrer neuen Heimat. „Nandus sind eigentlich schweigende Tiere“, sagt Silvia Dachs, „außer in der Brunftzeit, da schreien die männlichen Vögel tief und laut wie Löwen“. Dem Balzruf verdanken sie ihren Namen: Er klingt wie ein langgezogenes „Nandu“.

Am Maroldhof gibt es keine Männchen mehr. Der letzte Nandu-Herr wurde Opfer eines bayerischen Raubtiers: Ein Dackel machte ihm den Garaus. Der Hund hatte sich laut Dachs Zutritt zum Gehege der Nandus verschafft, sein Opfer durch einen Biss in den Fuß zum Einknicken gebracht und dann umgebracht.

Ein Hühnerei, ein Pfauenei und ein Nanduei: Klause Dachs zeigt den Unterschied.

Die erwachsenen weiblichen Laufvögel legen in der Brutzeit zwischen September und Dezember bis zu 15 Eier. Sehr zur Freude der Gäste: An diesen Tagen gibt es in der Bergpension Nandu-Rührei, sagt Silvia Dachs lachend. Dabei gibt ein südamerikanisches Vogelei zehnmal so große Portionen her wie ein Hühnerei. „Geschmacklich ähneln sie dem herkömmlichen Ei“, sagt Dachs.

Und wie Hühner leiden Nandus offenbar auch an „Legenot“. Entsprechende Anzeichen hatte Silvia Dachs bei einem Tier ausgemacht. Keiner kannte sich in so einem Fall mit Nandus aus. Dachs hatte den richtigen Instinkt. Sie träufelte dem Vogel Kräutertee ein – und schon lag am nächsten Tag ein großes Ei im Gehege. Frühstück für die Pensionsgäste.

Doch nicht nur das Nandu-Rührei ist eine Attraktion auf den Hof, sondern auch die Tiervielfalt. Neben den mittlerweile sechs Laufvögeln sind hier sechs Pfauen, Schafe, Hühner, Enten, Meerschweinchen und Katzen zu Hause – und natürlich Hund Bertl, der erste beim Mittagessen. Wie bei den Nandus führte der Zufall alle Tiere zu Familie Dachs. „Das waren alles Geschenke von Vorbesitzern, die keine Verwendung oder Interesse mehr hatten“, sagt Silvia Dachs. Auf dem Maroldhof bilden sie eine südamerikanisch-bayerische Wohngemeinschaft.

Amelie Knaus

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