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Mega-Andrang seit Corona? Situation zwischen Landwirt und Mountainbikern eskaliert - „Artet langsam aus“

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Taubenberg/Warngau: Konflikt eskaliert - Landwirt gerät mit Mountainbikern aneinander
Ausgefahren: Landwirt Hubert Knabl zeigt ein Stück seiner Weide, auf der Radfahrer die Kurve regelmäßig abkürzen, wenn sie aus dem Wald in Richtung Warngau brausen. Mit zwei Mountainbikern geriet er jetzt aneinander. © Thomas Plettenberg

Seit Jahren gibt es am Taubenberg bei Warngau Konflikte zwischen Mountainbikern und Landwirten. Für Hubert Knabl haben es zwei Exemplare jetzt auf die Spitze getrieben.

Update, 4. Mai: Sowohl Landwirt Knabl als auch die Mountainbiker haben ihre Anzeigen bei der Polizei zurückgezogen. Das geschah nach einer gemeinsamen Aussprache auf dem Hof der Knabls.

Gelöst ist der Konflikt zwischen Mountainbikern und Landwirten am Taubenberg deshalb noch lange nicht. Landwirt Knabl wünsch sich eine gemeinsame Lösung auch für Hundebesitzer und Wanderer, sagt er unserer Redaktion. 

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Ursprünglicher Artikel vom 26, April: Warngau – Der Taubenberg ist beliebt als Ausflugsziel, bei Wanderern, aber auch bei Mountainbikern. Das sorgt seit Jahren immer wieder für Konflikte. Und bringt für Anrainer Probleme mit sich. Für Landwirt Hubert Knabl haben es zwei Exemplare jetzt auf die Spitze getrieben.

Es war nicht der erste Konflikt, den Hubert Knabl mit Radlern hatte. Diesen aber wird er so schnell nicht mehr vergessen. Der Warngauer Landwirt besitzt eine Weide unterhalb des Taubenbergs. Als er in der vergangenen Woche dort Arbeiten erledigte, rauschten zwei Mountainbiker an ihm vorbei. „Die kamen aus dem Wald und fuhren einfach über meine Weide“, erinnert sich Knabl. Er habe ihnen zugerufen, dass dies verboten sei. Doch die Mountainbiker seien einfach weitergefahren. „Dann bin ich ihnen mit meinem Roller hinterher und habe sie zur Rede gestellt.“

Mega-Andrang seit Corona? Situation zwischen Landwirt und Mountainbikern eskaliert

Auch hier war die Reaktion nicht so, wie Knabl sie sich wünschte: „Die haben nur gemeint: Was willst du mir denn?“ Ein Wort mag das andere gegeben haben, denn Knabl gibt zu: „Ich war ein bissl erregt.“ Eine Stunde später stand die Polizei vor der Tür des Warngauers: Die Radfahrer hatten den Vorfall gemeldet. Eine Anzeige bekommt Knabl aber nicht.

Für den Landwirt ist das Verhalten der Radler unverständlich. Was ihn obendrein ärgert, ist die Tatsache, dass die Zahl der Mountainbiker in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. „Das artet langsam aus“, sagt er. Er spricht von Tausenden am Tag und meint, dass Corona das sogar noch verschlimmert habe.

Freizeitradler am Taubenberg: Nicht nur die Masse an Radlern verursacht Konflikte

Dass die Zahl der Freizeitradler am Taubenberg beständig anwächst, bestätigt auch Thorsten Schär, Geschäftsleiter der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS). Das Kommunalunternehmen misst dort seit 2017 in einem Modellprojekt das Personenaufkommen mittels spezieller Sensoren. „Genau in dem Bereich ist der Druck sehr hoch“, erklärt Schär, der von einem generellen „Aussperren“ von Mountainbikern nichts hält. Ziel der Messungen sei es auch, eine Lenkung der Mountainbiker hinzubekommen.

Denn nicht nur die schiere Masse der Radler verursacht Konflikte. Auch die Trails, also die Routen, die die Mountainbiker am Taubenberg nehmen, führen zu Problemen. Landwirt Knabl: „Die fahren kreuz und quer durch den Wald.“ Er warnt: „Ein Trail mitten durchs Holz ist nicht geeignet.“ Durch die Mountainbiker werde das Erdreich locker und könne weggeschwemmt werden. Und das am Taubenberg lebende Wild werde um seine Ruhezeit gebracht, wenn, wie heuer oft geschehen, auch im Winter gefahren wird.

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Taubenberg bei Warngau: Waldbewirtschaftung wegen Trails fast unmöglich

Die zehn bis 15 derzeit existierenden Trails wolle man gerne auf zwei reduzieren, erklärt Schär die Sicht der ATS. Er sei zuversichtlich, dass dies machbar ist. „Wenn die Qualität der neuen Trails steigt, ist die Chance da, den Wildwuchs deutlich einzuschränken.“ Er verweist auf die Gemeinde Warngau, die die nächsten Schritte dazu gehen müsse.

Dort weiß man um die Problematik am Taubenberg. Eine normale Waldbewirtschaftung sei angesichts der vielen Trails fast unmöglich, erläutert Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber. Er kennt die Bedenken der Waldbesitzer, was Haftung und Verkehrssicherung angeht. Man dürfe aber die Radler nicht verteufeln, sagt Thurnhuber auch. Er kündigt an, sich im nächsten Schritt mit den Eigentümern zu treffen, um zu erkunden, ob es Trails durch den Wald geben kann. Konkrete Termine habe man allerdings noch nicht. Ziel sei es, Lösungen zu finden, mit denen alle leben können.

Mountainbiker am Taubenberg: Landwirt wünscht sich konkrete Maßnahmen

Dem kann auch Georg Smolka, Vorsitzender des Holzkirchner Radsport- und Laufclubs (RSLC), zustimmen. „Aus Vereinssicht stehen wir voll hinter dem Bestreben, das Mountainbiken am Taubenberg zu kanalisieren“, so Smolka. Wild in der Gegend herumzufahren finde er nicht gut. Anton Sieber, Mountainbike-Fachwart beim Bayerischen Radsportverband, pocht auf gegenseitiges Verständnis. „Viel Einigkeit wird hergestellt, wenn man miteinander redet“, meint er.

Hubert Knabl hat es mit Reden versucht – erfolglos. Er wünscht sich für die Zukunft daher konkrete Maßnahmen: „Trails müssen gesperrt werden. Eventuell muss man auch kontrollieren.“

Lesen Sie auch: Gemeinde will Wildparker am Taubenberg bändigen

aw

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