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Taubenberg: Streit ist beendet – Lösung steht noch aus

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Beliebtes Ausflugsziel: Mountainbiker fahren gerne auf den Taubenberg. Dort geraten sie seit Jahren in Konflikte mit Wanderern und Landwirten. Eine richtige Lösung gibt es bislang noch nicht. © Archiv: Andreas Leder

Landwirt Knabl zoffte sich mit zwei Münchner Mountainbikern. Jetzt haben sich alle zum Gespräch getroffen. Der Konflikt am Taubenberg ist noch nicht vorbei.

Warngau – Seit Jahren geraten Mountainbiker mit Wanderern und Grundstückseigentümern am Taubenberg aneinander. Wie berichtet, kam es Ende April zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Münchnern und dem Warngauer Landwirt Hubert Knabl. Mark Kohnke und sein Bruder waren mit dem Fahrrad über Knabls Weide gedüst, die unterhalb des Taubenbergs liegt. Dann stellte der 44-Jährige die beiden zur Rede. Kurz darauf stand die Polizei vor seiner Tür.

Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet. Denn alle Beteiligten haben sich zu einem klärenden Gespräch getroffen. Doch für den Taubenberg muss dringend eine Lösung her.

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Kohnke wollte die Sache nicht auf sich sitzen lassen: „Wir Radler sind nicht immer die Bösen“, sagt der Münchner. Deshalb melden er und sein Bruder sich jetzt zu Wort. Die Kohnkes hatten Strafanzeige gegen den Landwirt gestellt. 

Der 28-Jährige bestätigt nun gegenüber unserer Zeitung, dass die Anzeige auf Beleidigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung lautete. Sein Fahrrad sei beschädigt worden, als Knabl mit seinem Roller dagegen gefahren sei. Mit dem Gang zur Polizei wollten sie die Situation klären, sagt der Münchner. Knabl hält die Vorwürfe gegen ihn für falsch. „Ich habe niemanden angefahren“, beteuert der Landwirt.

Knabl hatte zurückgeschlagen: Er erstattete Gegenanzeige bei der Polizei. Mittlerweile sind die Anzeigen Geschichte. Denn die Brüder haben sich mit den Knabls auf deren Hof getroffen. „Wir haben uns entschuldigt und gesagt, dass wir Lösungen finden müssen“, berichtet Kohnke. Gleichzeitig drückten die Radler aus, dass sie Knabls Reaktion bei dem Vorfall nicht gutheißen. Entschuldigt habe sich dieser zwar nicht. „Aber wir haben vereinbart, dass beide Seiten die Anzeige zurückziehen“, erklärt der Mountainbiker. Er selbst habe keine Lust auf rechtlichen Stress.

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Knabl bestätigt das. Auch er hege keinen Groll mehr gegen die Radler. Allerdings sieht er das Thema Freizeitaktivitäten am Taubenberg noch nicht als nicht erledigt an. „Ich möchte, dass es Lösungen zu den Radfahrern, aber auch zu Fußgängern und Hundehaltern gibt.“ Von vielen Seiten habe er Zuspruch erfahren. Dass trotzdem nichts geschieht, führt er darauf zurück, dass man dabei als Einzelner auf verlorenem Posten stehe. Er kündigte Aktionen an, mit dem Bauernverband gebe es schon Vorgespräche. 

Das Mountainbiken auf den Trails am Taubenberg sieht er nach wie vor skeptisch. „Die sollen auf vorhandenen Wegen fahren“, sagt Knabl.

Richeza Herrmann, Referentin für Öffentliches Recht beim Bayerischen Bauernverband, sieht das ähnlich. Sie betont, dass laut Gesetz das Mountainbiken nur auf geeigneten Wegen erlaubt ist. Trampelpfade im Wald gehörten nicht dazu. Allerdings weist sie darauf hin, dass Waldbesitzer zusammen mit Radlern und Kommunen Trails ausweisen können. Damit könnten auch Haftungsfragen geregelt werden.

Till Eberle, erfahrener Mountainbiker am Taubenberg, hat ähnliche Vorstellungen. Der Holzkirchner sieht die Politik in der Pflicht, für die Anlage von Trailparks zu sorgen. Waldgebiete mit legal angelegten Routen für Mountainbiker, wie es sie in Baden-Württemberg oder Österreich gibt. Man könne so den Radsport kanalisieren. „Bevor man verbietet, muss man Alternativen bieten.“

Im Internet erfahren die Kohnke-Brüder Zuspruch und Gegenwind. Ein Leser kommentiert: „Ich kann dem Landwirt zu 100 Prozent zustimmen.“ Besonders die Umweltschäden durch die vielen Mountainbiker werden angeprangert. Kohnke bestätigt dies: Am Taubenberg gibt es rund 1000 Abfahrten am Tag, habe er gehört. Deshalb werde er hier in der nächsten Zeit nicht mehr fahren.

Von Andreas Wolkenstein

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