Die mit den dicken Mittelfingern

Taubenberger Fingerhakler feiern 50-Jähriges 

  • schließen

Warngau – Hier gelten dicke Finger als Schönheitsideal. Und die langen, schlaksigen Typen mit ihren dünnen Spinnenfingern haben da eher schlechte Karten. „Wenn ein Finger bei geschlossener Faust zehn Zentimeter dick ist – dann ist das optimal zum Hakeln“, erklärt Leonhard Thurnhuber, er lacht. „Da verteilt sich die Kraft besser auf mehr Fläche.“ Seine Mittelfinger – die Haklerfinger – entsprechen dieser Norm. Selbstredend. Schließlich ist der 55-Jährige seit 1997 der Erste Vorsitzender der Taubenberger Fingerhakler.

Und sein Verein steht ebenfalls auf einer soliden Basis: Am Freitag, 14. Juli, feiert er sein 50-jähriges Bestehen. Am Sonntag, 16. Juli, findet dann die Bayerische Meisterschaft in Draxlham statt. Rund 150 Leute werden erwartet.

Gegründet wurde der Verein 1967 in Osterwarngau im damaligen Gasthaus Scheuck, der viele Jahre als Vereinslokal diente. Auch der damalige Wirt Hans Scheuck gehörte zu den Gründungsvätern, insgesamt waren es laut Thurnhuber damals so um die 20 Burschen zwischen 16 und 20 Jahre alt, die sich zusammen taten. „Einige kamen von den Schlierachgauer Fingerhaklern aus Hausham“, erzählt Thurnhuber. Zuweilen zogen sich die Burschen in den 60er und 70er Jahren in einem Raum über einer Garage in Draxlham gegenseitig über den Tisch. „Eine größere Mitgliederwelle kam in den 80er Jahren“, erinnert sich Thurnhuber. Auch er selbst stieß damals zum Verein.

1987, als die Taubenberger ihr 20-jähriges Bestehen feierten, fand erstmals die Deutsche Meisterschaft im Fingerhakeln in der Gemeinde statt. „Seitdem richten wir alle fünf Jahre eine größere Meisterschaft aus“, erklärt der Vorsitzende. Die Bayerische und die Alpenländische zum Beispiel. 2012 gab’s erneut eine Deutsche Meisterschaft auf heimischer Flur. Auch die Taubenberger hätten sich gut dabei geschlagen. Unter anderem Beisitzer Andreas Gschwendtner. Er gehört zu den besten Pferden in Thurnhubers Stall.

Osterwarngau ist bis heute Stammsitz der Taubenberger Fingerhakler, die dem Schlierachgau angehören. Allerdings wechselten sie vor gut acht Jahren nach der Schließung des Gasthauses Scheuck das Vereinsheim. Weit mussten sie dafür nicht laufen: „Jetzt sind wir 50 Meter weiter im Huberwirt“, sagt Thurnhuber. 1995 gab’s ein weiteres größeres Ereignis: die Fahnenweihe. Jedes Jahr findet die Vereinsmeisterschaft statt und die Christbaumversteigerung. Zwischendrin gibt’s immer wieder Schülermeisterschaften.

Aktuell zählt der Verein rund 140 Mitglieder. Der Nachwuchs sei mit zehn Burschen gut aufgestellt. Auch Frauen sind im Verein dabei. „Aber die hakeln nur zur Gaudi“, meint Thurnhuber. Denn Fingerhakeln ist ein hartes Brot. Die Mitglieder stählen ihre Finger mit Klimmzügen, mit Drückern und natürlich am Tisch mit dem Gegner. „Das Hauptproblem beim Training ist, dass man nicht zu wenig aber auch nicht zu viel macht“, erklärt Thurnhuber. Trainiert man zu viel, kann leicht die Haut an den Fingern abreißen, oder man überdehnt die Muskeln, fängt sich gar eine Sehnenscheidenzündung ein. Ist Thurnhuber selber auch schon passiert. Ein Wettkampf dauert in der Regel fünf Sekunden. Geht er länger, steht Mann kaum eine weitere Herausforderung durch. Mehr als drei Gegner könne man am Tag nicht über den Tisch ziehen. So kräftezehrend ist das Fingerhakeln. Aber auch so schön. „Das Schönste ist natürlich, wenn man gewinnt“, meint Thurnhuber.

Die Feierlichkeiten

zum Jubiläum finden am Freitag, 14. Juli, in der Festhalle in Draxlham statt. Der Festgottesdienst beginnt um 19 Uhr. Anschließend gibt es einen Festabend mit Kesselfleischessen. Auch Ehrungen sind vorgesehen. Am Sonntag, 16. Juli, beginnt ebenfalls in der Festhalle die 64. Bayerische Meisterschaft im Fingerhakeln. Schirmherrin ist Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, wobei noch offen ist, ob sie tatsächlich kommt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Geparktes Auto in Großhartpenning angefahren - der Schaden ist enorm
Es war der Wagen eines Urlaubers: Ein Unbekannter fährt gegen die Stoßstange und flüchtet. Den Schaden, den er hinterlässt, schätzen die Beamten auf 5000 Euro.
Geparktes Auto in Großhartpenning angefahren - der Schaden ist enorm
Sautrogrennen: Mit ein, zwei Mass Weiherwasser intus
Das Sautrogrennen beim Hartpenninger Dorffest der Vereine war wieder ein feucht-fröhliches Spektakel. Neun Teams lieferten einen Wettstreit auf dem Dorfweiher. 
Sautrogrennen: Mit ein, zwei Mass Weiherwasser intus
Auffahrunfall: Zwei verletzte Männer
Zwei Männer sind am frühen Samstagmorgen bei einem Unfall auf der A 8 bei Weyarn verletzt worden. Der Sachschaden beträgt rund 16 000 Euro.
Auffahrunfall: Zwei verletzte Männer
Unwetter: Bäume blockieren Bahnstrecke und Straßen
Das Unwetter von Freitag hat im Landkreis Miesbach seinen Tribut gefordert. Etliche Bäume sind umgeknickt. Viele Straßen, die Autobahn sowie Bahnstrecken waren betroffen.
Unwetter: Bäume blockieren Bahnstrecke und Straßen

Kommentare