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In Hochform – trotz erschwerter Bedingungen: Die Theaterbühne Warngau bringt den Klassiker „Die drei Eisbären“ liebevoll umgesetzt auf die Bühne.

Auftritte im Andenken an verstorbenes Mitglied

Theaterbühne Warngau  zeigt „Die drei Eisbären“ in Hochform

Die Theaterbühne Warngau meistert Herausforderung: Mit Wort- und Spielwitz bringt sie jetzt „Die drei Eisbären“ im Andenken an ein verstorbenes Mitglied auf die Bühne.

Warngau – Die Männer kriegen es nicht hin, also müssen’s die Frauen richten. Der schüchterne Jüngste der drei ledigen Brüder vom entlegenen Haldeneggerhof traut sich der feschen Kindsmagd Maralen seine Liebe nicht zu gestehen. Die aber wartet nur auf den Heiratsantrag von Juliander. Die alte Haushälterin Veronika durchschaut das Spiel und ersinnt eine „Medizin“ in Form von etlichen Gläsern Wein, und schon löst sich die Zunge des jungen Bauern – endlich kann Hochzeit gefeiert werden. Bis es soweit ist, müssen im Bauernschwank „Die drei Eisbären“ von Maximilian Vitus freilich allerlei Hindernisse überwunden werden.

Die diesjährige Premiere der Theaterbühne Warngau am Zweiten Weihnachtsfeiertag im voll besetzten Saal des Gasthofs Zur Post wurde immer wieder mit Szenenapplaus und am Ende lang anhaltendem Beifall bedacht. Dabei lag zumindest für das Ensemble auf der Bühne ein Schatten über dem Geschehen, das die Akteure allerdings professionell überspielten: Das langjährige Ensemblemitglied Lisa Holzner ist nach langer Krankheit vor wenigen Wochen gestorben. Die Ehefrau und Mutter von drei Mitwirkenden hatte sich vor ihrem Tod aber ausdrücklich gewünscht, dass auch diese Weihnachten in Warngau Theater gespielt wird. Das Team erfüllt ihren Willen und widmet ihr nun in dankbarer Erinnerung die zehn „Eisbären“-Aufführungen.

Unter der Regie von Hubert Holzner, der zugleich hochkomödiantisch einen der drei heiratsunwilligen Brüder spielt, entwickelt sich auf der Bühne von der ersten Minute an Spielwitz pur. Löblicherweise lassen sich die Schauspieler auf keinerlei hochsprachliche Zugeständnisse ein und bleiben ihrem heimischen Dialekt treu. Den drei Brüdern, neben Holzner gespielt von Klaus Jandrey und Dominik Peraus, gelingt die doppelte Verwandlung tadellos. Erst entwickelt das Trio eine rührende Fürsorge für das Findelkind, das ihm vor die Hoftüre gelegt wird, und dann schmilzt es beim Anblick der vom Dorfpfarrer geschickten liebreizenden Kindsmagd Maralen, sehr charmant verkörpert von Lucia Holzner, dahin.

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Zwar weiß keiner der drei Brüder, womit und wie man einen Säugling füttert, aber die drei geben sich größte Mühe und flößen dem Kleinen die Milch mit dem Esslöffel ein. Sie singen es gar in den Schlaf. Um Maralen zu gefallen, frisieren sie sich auf einmal wieder und raufen sich fast ums Rasiermesser, auch wenn keiner dem andern den wahren Grund für den plötzlichen Sinneswandel eingestehen will. Ihre Hilfsbereitschaft kennt keine Grenzen mehr, der eine schleppt frisches Wasser an, der andere Holz zum Einheizen.

Haushälterin Veronika hat das Spiel längst durchschaut und redet den Haldenegger-Brüdern ein, dass Maralen gut als mit Juliander verheiratete Bäuerin auf den Hof passen würde. Christine Stieglbauer geht in ihrer Rolle als schrullige Alte voll auf. Bis zur Hochzeit muss allerdings noch ein Hindernis aus dem Weg geräumt werden. Der durchtriebene Viehhändler Anthuber, gespielt von Benedikt Holzner, will die verwitwete Haslocher-Großbäuerin mit einem der drei Brüder verkuppeln. Ihr Vorstellungsbesuch auf dem Hof läuft jedoch aus dem Ruder. Karin Schwarzer holt als Haslocherin aus ihrem Fünf-Minuten-Auftritt alles heraus und handelt sich mit ihrer Bühnenpräsenz stürmischen Szenenapplaus ein. Am Ende belohnt das Publikum alle Darsteller mit minutenlangem Beifall.

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Weitere Aufführungen folgen an diesem Samstag und Sonntag sowie am 4., 5., 11., 12., 17. und 18. Januar. Karten zu 15 Euro gibt es zu den Bürozeiten im Autohaus Schwarzer und auf der Homepage der Theaterbuehne, Restkarten an der Abendkasse.

Paul Winterer

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