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Schrankenlos unsicher? Der Bahnübergang bei Thann. 

Bürgermeister soll Halbschranken aushandeln

Unfall-Bahnübergänge: Warngau macht mobil

Der Gemeinderat setzt alle seine Hebel in Bewegung, um endlich die Halbschranken für vier Bahnübergänge zu bekommen. Diese Nachricht aus Warngau kann die Bahn kaum missverstehen.

Warngau– Die Bahn macht mobil, lautete mal ein Werbespruch. Die Gemeinde Warngau macht auch mobil – in der Hoffnung, die Bahn auf Trab zu bringen: Der Gemeinderat hat jetzt geschlossen den Bürgermeister mit Verhandlungen mit DB Netz AG, Eisenbahnbundesamt (EBA) und Bayerischer Eisenbahngesellschaft (BEG) beauftragt: Alle vier unbeschrankten Bahnübergänge im Gemeindegebiet sollen mit Halbschranken nachgerüstet werden. „Ich werde wieder marschieren“, kündigte Rathauschef Klaus Thurnhuber (FWG) an.

Seit Jahren ringt die Kommune um Halbschranken an den vier Bahnübergängen an den Gemeindestraßen bei Tannried nahe dem Sportplatz und bei Lochham, in der Nähe von Thann und an der Verbindungsstraße nach Piesenkam. Gerade letztere erwiesen sich als unfallträchtig. Einige Vorfälle gingen mit viel Glück für die Autoinsassen nicht tödlich aus, andere schon. Im August 2011 ließen zwei junge Männer aus Holzkirchen am Bahnübergang bei Thann ihr Leben, am Bahnübergang Piesenkamer Straße im April 2013 eine Münchnerin, deren Beifahrer schwer verletzt überlebten. In allen Fällen waren die Fahrer der Unfallautos aufs Gleis gefahren, obwohl das Lichtsignal funktionierte und auf den nahenden Zug aufmerksam machen sollte. Und erst im Januar gab es wieder einen schweren Unfall.

Schwerer Unfall an Bahnübergang mit BOB: Polizei gibt neue Details bekannt

Für die Bahn sind die Lichtzeichenanlage und das Andreaskreuz der Sicherung genug, denn Halbschranken sind nicht vorgeschrieben. Doch angesichts der Häufung an Unfällen in den vergangenen rund zehn Jahren bezweifelt die Gemeinde, dass das ausreicht. Deshalb fordert sie die Halbschranken. Und die sind keine billige Angelegenheit: 750.000 Euro pro Bahnübergang würde der Umbau kosten. Die Kosten solcher Maßnahmen werden stets gedrittelt zwischen Bahn, Bund und dem Baulastträger der Straße – in diesen Fällen die Gemeinde Warngau.

Vier Sorgenkinder der Gemeinde: Die unbeschrankten Bahnübergänge auf Warngauer Gemeindeflur i m Überblick.

Die Bahn zeigte sich zuletzt bereit, in zwei Bahnübergänge zu investieren, einen im Norden und einen im Süden, dort allerdings in den bereits beschrankten in der Bahnhofstraße. Von den beiden weiteren solle einer geschlossen und einer per Tunnel oder Überführung kreuzungsfrei umgebaut werden – welcher, sei der Bahn gleich. Als ein Sprecher der DB nach dem jüngsten schweren Unfall bei Thann heuer im Januar gegenüber unserer Zeitung äußerte, es hake bei der Umsetzung nicht bei Bahn und Bund, brachte das Bürgermeister und Gemeinderat vollends auf die Palme.

Sie erhöhen seither den Druck: Im diesjährigen Etat sind 500 000 Euro für Halbschranken reserviert, im Finanzplan für 2019 abermals – der Kostenanteil der Gemeinde für Halbschranken steht also auf Abruf. Nebst diesem klaren Signal hat der Gemeinderat dem Bürgermeister nun konkret mit einstimmigem Beschluss den Auftrag erteilt, konkrete Verhandlungen mit DB, BEG und EBA zu führen.

Für Thurnhuber ist das gerade auch angesichts der Pläne für die BOB wichtig: „Der Halbstundentakt ist eine Forderung der ganzen Region – das bedingt, dass man auch für Sicherheit sorgen muss“, sagte der Bürgermeister in der Sitzung. Er will auch die von der Bahn veranschlagten Kosten für die Umbauten unter die Lupe nehmen, ob sich diese nicht drücken ließen – etwa durch EU-weite Ausschreibungen, wie die Gemeinde sie ja auch bei größeren Projekten durchführen muss. Von der Bahn, die bisher nicht mit sich reden habe lassen, sei die Gemeinde „stark enttäuscht“.

Dem stimmte auch Engelfried Beilhack (CSU) zu: „Die Bahn macht es sich leicht, die wollen nur auf Kosten unserer Infrastruktur die Sicherheit erhöhen.“ Ein „Kuhhandel“, meinte Leonhard Obermüller (CSU). Die Gemeinde stelle sich der Verantwortung, die beiden anderen Kostenträger sollten dem folgen. „Man kann nur appellieren, dass das nicht an Bürokratie und Kosten scheitert.“

Katrin Hager

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