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Der alte Brauch wird wieder gepflegt: Die Grabkreuze der im Vorjahr verstorbenen Gemeindemitglieder werden am Karsamstag verbrannt.

Was dahintersteckt

Warum die Osterwarngauer an Ostern frische Grabkreuze von ihrem Friedhof verbrennen

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Der Tod ist nicht das Ende. Ein alter Brauch lebt seit einigen Jahren in einem Ort im Oberland wieder auf: In der Osternacht werden Grabkreuze verbrannt. Was dahintersteckt:

Osterwarngau In ländlichen Pfarreien ist das österliche Verbrennen der Grabkreuze immer Tradition geblieben, im alten Pfarrverband Holzkirchen (mit Hartpenning und Föching) ist es nicht mehr üblich.

Anders in Warngau: Lange Jahre teilten sich die Pfarreien Oster- und Oberwarngau den Ritus des Osterfests, wie Kirchenpfleger Josef Hainz berichtet. In Oberwarngau fand die Osternacht statt, mit den Grabkreuzen im Feuer; in Osterwarngau wurde tags darauf der Festgottesdienst gefeiert. „Leider ist deswegen bei uns in Osterwarngau die Tradition mit den Grabkreuzen etwas verloren gegangen“, sagt Hainz.

Seitdem es den Großverbund mit Holzkirchen gibt, erlaubt es die personelle Seelsorger-Situation, in beiden Warngauer Pfarreien Osternächte anzubieten. „Eine Verbesserung“, freut sich Hainz. Jetzt am Karsamstag flackert mittlerweile im vierten Jahr wieder das Osterfeuer vor der Frauenkirche.

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Fünf bis sechs Grabkreuze waren es zuletzt immer, erinnert sich Hainz; heuer wurden erst drei Kreuze abgegeben. „Vielleicht werden es noch mehr“, sagt Hainz. Wer will, kann die Kreuze am Friedhof neben dem Brunnen abstellen – oder sie direkt zur Auferstehungsliturgie am Karsamstag, 31. März, mitbringen. Die Feier beginnt um 21.30 Uhr, eine Stunde zuvor sollten die Kreuze vor Ort sein.

Gedacht ist primär an die hölzernen Grabkreuze der Gemeindemitglieder, die im vergangenen Jahr auf dem Friedhof beigesetzt wurden. Sie symbolisieren einen traurigen Moment, einen Moment des Verlusts und des Schmerzes. Die Kreuze begleiten die Totenmesse und werden bei der Beerdigung dem Sarg vorangetragen, oft versehen mit dem Sterbebild. „In der Regel bleiben die Kreuze auf dem Grab, bis der Name des Verstorbenen auf dem Grabstein eingraviert ist“, weiß Hainz. Was aber dann tun damit? Würdelos entsorgen? In der Garage aufbewahren?

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Das Verbrennen in der Osternacht, findet Hainz, ist ein stimmiger Brauch. Die Kreuze, mit dem Tod verbunden, verwandeln sich im Feuer, spenden Wärme und Hoffnung. „Das steht in direkten Zusammenhang mit der Auferstehungsliturgie“, sagt der Kirchenpfleger, „die brennenden Kreuze symbolisieren den Übergang vom Tod zur Auferstehung Jesu Christi.“ Selbst wer es nicht streng katholisch auslegen will, kann darin den Kreislauf des Lebens wiederfinden.

Verbrannt werden nicht nur die Grabkreuze, sondern auch die Reste des Salböls (Chrisam), das die Seelsorger der Pfarrei etwa für Krankensalbungen verwendeten. „Die Wattebäusche werden in einer Tüte gesammelt“, sagt Hainz. Möglich ist auch, Grabkreuze aus früheren Jahren mitzubringen.

Die Lichtsymbolik prägt die Liturgie der Osternacht. In der Kirche selber bleibt es zunächst dunkel. Wenn das vor der Kirche lodernde Feuer gesegnet ist, werden darin der Weihrauch und die große Osterkerze entzündet. Ihr Licht wird daraufhin in die dunkle Kirche getragen, als Zeichen der Auferstehung und des Neubeginns – ein Höhepunkt des Kirchenjahrs. Gespeist wird das Feuer von den verglühenden Grabkreuzen. Der Tod ist überwunden, die bis dahin finstere Osternacht leuchtet in hellem Schein.

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