Stellwerksstörung: Verzögerungen und Teilausfälle auf der Stammstrecke

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Blick hinter die Kulissen: Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (r.) besichtigt mit Geschäftsführer Wilfried Fischer (l.) das Firmengelände.

Arzneimittelwerk: Neubau geplant 

Vom Startup zum zweitgrößten Arbeitgeber: AMW wächst weiter

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Das Arzneimittelwerk (AMW) Warngau ist auf mit Wirkstoffen beladene Pflaster und Implantate spezialisiert. Ein Erweiterungsbau steht in den Startlöchern – doch es gibt ein Problem.

Warngau – Als die Box mit den Spritzen aufspringt, kriegt es Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) mit der Angst zu tun. „Ich dachte schon, Sie wollen mir da was injizieren“, scherzt sie. Und tatsächlich soll sie die neue Spritze ausprobieren. Die Vize-Ministerpräsidentin drückt auf den Abzug – und schon verschwindet ein Implantat, das aussieht wie ein Stück Spaghetti, in einem durchsichtigen Kissen. „Cool“, sagt Aigner. Mission geglückt.

Diese patentgeschützte Spritze des Arzneimittelwerks (AMW) in Warngau hat Aigner jetzt bei einem Ortstermin der Firma im Gewerbegebiet Birkerfeld kennengelernt. Das Pharma-Unternehmen, das Geschäftsführer Wilfried Fischer 2008 als Start-up gründete, beschäftigt mittlerweile rund 100 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben ist es der zweitgrößte Arbeitgeber in Warngau.

Die AMW GmbH entwickelt und produziert mit Wirkstoffen beladene Pflaster und Implantate. Auf dem Markt sind laut Fischer im Moment sogenannte Generika, also Nachahmer-Präparate, bei denen der Wirkstoff schon bekannt ist. So hat die AMW GmbH insgesamt vier Produkte mit Lizenzpartnern auf den Weg gebracht: Ein Pflaster zur Rückbildung von Narben, ein Goserelin-Implantat zur Behandlung von Prostatakrebs, ein Buprenorphin-Pflaster zur Schmerztherapie sowie ein Rivastigmin-Pflaster zur Bekämpfung von Alzheimer, das heuer eingeführt wird. „Kann man das wirklich behandeln?“, wollte Aigner wissen. Heilen könne man Alzheimer damit nicht, erklärte Fischer. „Aber es hilft auf jeden Fall.“

Erst in der Entwicklungsphase befinden sich laut Fischer von der Firma eigens entwickelte neue Produkte. Zu diesen gehört unter anderem ein spezielles Micro-Chip-Pflaster, das zum Beispiel in der Schmerztherapie oder Temperaturmessung eingesetzt werden kann. Das Besondere: Durch elektrische Ströme wird der Wirkstoff des Pflasters nahezu vollständig und gesteuert abgegeben. Die AMW GmbH verspricht, dass die Therapiekosten hierdurch sinken, weil man weniger Wirkstoff brauche, so Fischer.

Auch im sogenannten „New Business“ will die AMW Fuß fassen. Erste Produkte befinden sich nach eigenen Angaben bereits in der initialen Phase, für deren weitere Entwicklung Originalanbieter als große Entwicklungspartner im Fokus stehen: Darunter ein Implantat, das bei Diabetespatienten eingesetzt wird.

Das Unternehmen hat also Großes vor, stößt aber schon jetzt an Kapazitätsgrenzen und braucht spätestens 2018 mehr Luft zum Atmen. Wie berichtet, erwarb AMW bereits ein Grundstück im Gewerbegebiet, es liegt circa 200 Meter vom jetzigen Gebäude entfernt. Weitere 30 Arbeitsplätze sollen dadurch entstehen. Hier sollen unter anderem die Produktion von Implantaten, die Qualitätssicherung und Verwaltung unterkommen. Die Baugenehmigung liegt längst vor. Schon heuer im Dezember sollte eigentlich der Spatenstich über die Bühne gehen.

Doch auch wenn der Markt lukrativ sei, hakt es am Geld. Kommt dieses nicht, könnten sich die Erweiterung verzögern und Entwicklungsprojekte zurückgeworfen werden. Allein der Neubau kostet laut Fischer rund 7,5 Millionen Euro. Für das neue Gebäude und weitere Entwicklungen bräuchte die Firma einen Kredit von bis zu 25 Millionen Euro. Zusätzlich stellte das Unternehmen einen Zuschuss-Antrag bei der Regierung von Oberbayern und erhofft sich so, dass zehn Prozent der Bausumme übernommen werden. Allerdings sei es schwer, einen Kredit zu bekommen, „weil wir keinen Gewinn machen“, erklärt Fischer. Zwar betrage der Umsatz seines Unternehmens für 2017 rund elf Millionen Euro. Allerdings fließe eben viel Geld in die Entwicklung. Man bat Aigner um Unterstützung – auch über die Invest in Bavaria, die Ansiedlungsagentur des Freistaats, – und sie versprach, ihre Fühler auszustrecken. Insgesamt zeigte sich Aigner beeindruckt von der AMW GmbH, die mitten in ihrem Stimmkreis liegt: „Man weiß oft nicht, was für Perlen das sind.“

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