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Wurde im eigenen Stall von einem Stier angegriffen und schwer verletzt: Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber.

Ehefrau Veronika berichtet

Stier verletzt Bürgermeister schwer: So geht es Klaus Thurnhuber jetzt

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    Bettina Stuhlweißenburg
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Klaus Thurnhuber kämpft. Nach der Stierattacke am 26. Juni liegt Warngaus Bürgermeister immer noch auf der Intensivstation. Seine Frau Veronika berichtet, wie es ihm geht.

Update vom 27. Juli 2019: Tragisches Unglück im Bayerischen Wald: Am Samstag hat ein Stier in Gleißenberg (Kreis Cham) zwei Menschen getötet.

Update, 21. Juli: Wieder hat es im Oberland einen Stierangriff gegeben. Ein Landwirt (34) aus Bad Heilbrunn musste am Samstag mit schweren Verletzungen ins Murnauer Krankenhaus geflogen werden.

Update Donnerstag, 11. Juli, 16.45 Uhr: Ein unvorstellbar schwerer Weg

Warngau – Gut zwei Wochen sind seit dem Unglück vergangen. Am späten Nachmittag des 26. Juni, als Klaus Thurnhuber nach getaner Arbeit im Rathaus nach einem lahmenden Stier auf seinem Bio-Bauernhof schauen will, schlägt das Schicksal zu. Der Stier wird aggressiv, bedrängt den erfahrenen Landwirt und schlägt mit dem Kopf nach ihm. Eine Tonne geballte Kraft streckt den 55-Jährigen nieder. Ein Moment, der das Leben der Familie schlagartig verändert. 

Thurnhuber erlitt fürchterliche Verletzungen. „Es ist wirklich ein Wunder, dass er das überlebt hat“, sagt seine Frau. „Ich bin dankbar, dass sein Zustand mittlerweile recht stabil ist. Die Ärzte und wir sind zuversichtlich, dass es jetzt bergauf geht.“ Der Schwerverletzte liegt noch auf der Intensivstation einer Münchner Klinik und wurde inzwischen dreimal operiert, zuerst am gebrochenen Kiefer und zweimal am Brustkorb. Beim Unfall wurden alle Rippen, ein Schlüsselbein und ein Schulterblatt gebrochen und die Lunge geprellt. Als Folge davon entzündete sich die Lunge. „Die Lungenentzündung heilt mittlerweile gut aus, sodass er schon eigenständig atmen kann“, berichtet seine Frau. 

Bürgermeister von Warngau von Stier schwer verletzt: Ehefrau berichtet 

Inzwischen wurden die Narkosemittel nach und nach abgesetzt. Thurnhuber ist wach und hat die Augen geöffnet. Bedingt durch die starken Schmerzmedikamente und die noch abzubauenden Narkosemittel schläft der Patient sehr viel. „Das ist aber gut so“, sagt Veronika Thurnhuber, „so kann sein Körper alle Energie zur Genesung verwenden.“

Dass der Warngauer Bürgermeister überlebte, ist auch dem Einsatz der Rettungskräfte zu verdanken. „Hand in Hand haben sie dafür gesorgt, dass Klaus so perfekt versorgt und sofort ins Krankenhaus geflogen wurde“, lobt seine Ehefrau. Ihr Dank gelte auch der Gemeindeverwaltung und dem stellvertretenden Bürgermeister Jakob Weiland „für die schnelle Übernahme der Amtsgeschäfte und die viele Mehrarbeit“. Der größte Dank gelte aber „all jenen, die uns zur Seite stehen“. Die Familie werde getragen von einer unvorstellbar großen Welle der Hilfsbereitschaft, guten Worten, Wünschen und Gebeten. 

Wann Klaus Thurnhuber wieder die Kraft hat für seine Arbeit, ist völlig unklar. Viele Gedanken verschwende sie an diese Frage nicht, sagt seine Frau. „Uns ist wichtig, dass er zu hundert Prozent wieder gesund wird.“ Sein Ziel, sich mit aller Kraft für das Allgemeinwohl und die nächste Generation einzusetzen, müsse jetzt eine Zwangspause einlegen. „Dafür braucht er Zeit und Geduld, um die Wunden heilen zu lassen. Diese Zeit müssen wir ihm jetzt geben.“

avh

Bürgermeister von Warngau liegt weiter im künstlichen Schlaf

Der Gesundheitszustand von Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG) ist weiter stabil. Das teilte seine Frau Veronika auf Nachfrage mit. Demnach befindet sich der 55-Jährige sogar auf dem Weg der Besserung: „Es geht leicht aufwärts“, sagte Veronika Thurnhuber, „man muss jetzt sehen, wie es sich weiter entwickelt“. Noch immer liegt der Schwerverletzte in einer Münchner Klinik im künstlichen Schlaf, um die Beatmung über einen Tubus aufrechterhalten zu können. Wie berichtet hatte ihm ein Stier am Mittwochabend im Stall seines Hofes alle Rippen gebrochen, die Lunge geprellt und weitere Verletzungen zugefügt. 

Bürgermeister fällt schwerverletzt aus: So geht es im Warngauer Rathaus weiter

Inzwischen ist klar, dass Warngaus Vize-Bürgermeister Jakob Weiland (CSU) die Vertretung Thurnhubers übernehmen wird. Allerdings nicht hauptamtlich: „Ich scheide währenddessen nicht aus meinem Beruf aus“, sagte Weiland, der die Geschäftsstelle der Raiffeisenbank Warngau leitet. Er müsse nun seinen Terminkalender sorgfältig und effektiv führen. „Dann klappt das schon.“

 Seit 30 Jahren sei er im Gemeinderat, seit zwölf Jahren Zweiter Bürgermeister. „Ich habe die Verpflichtung, meine Energie für die Gemeinde einzubringen.“ Er stehe im Kontakt mit der Familie Thurnhuber. „Es hat mich sehr gefreut, zu hören, dass sich der Gesundheitszustand des Bürgermeisters positiv entwickelt.“ Er kenne Thurnhuber seit vielen Jahren, habe gemeinsam mit ihm im Gemeinderat angefangen. „Zwischen uns stimmt die Chemie.“ Die große Anteilnahme nach der schockierenden Stierattacke zeige, wie angesehen und geschätzt Thurnhuber im ganzen Landkreis sei. 

Sollte es zu Terminkollisionen zwischen seinem Amt als Bürgermeister und seinem Beruf kommen, übernehme der dienstälteste Gemeinderat, Reinhard Bücher (Grüne). Die aktuelle Doppelbelastung von Bürgermeisteramt und Beruf sei durchaus Thema in der Familie gewesen: „Meine Frau hat schon gefragt, wie das jetzt abends ausschaut. Aber sie steht hinter mir und hält mir den Rücken frei.“

Stier greift Bürgermeister von Warngau an: Schock im Ort sitzt tief

Update Freitag, 10.25 Uhr: Im gesamten Ort sitzt der Schock tief nach dem Stierangriff auf den Warngauer Bürgermeister Klaus Thurnhuber – vor allem bei seinen Berufskollegen in der Landwirtschaft. „Ich habe eine Kerze für ihn angezündet“, sagt Kreisbäuerin Marlene Hupfauer. Die Nachricht von Thurnhubers schlimmem Unfall sei ihr „durch und durch“ gegangen, sagt die Warngauerin. Mit dem Bürgermeister verbindet Hupfauer viel. Als er 2008 zum Bürgermeister gewählt wurde, zog sie für die FWG neu in den Gemeinderat ein. Trotz seines zeitaufwendigen politischen Amtes gehe Thurnhuber gern in den Stall. „Er ist ein leidenschaftlicher und erfahrener Landwirt“, sagt Hupfauer. Vor einem Stierangriff sei man dennoch nie gefeit. Nicht zuletzt deshalb würden sich viele Bauern gegen die Haltung entscheiden. Thurnhubers Unfall zeige einmal mehr, dass die Vorsicht berechtigt ist. „Von einer Minute auf die andere kann alles anders sein“, sagt die Kreisbäuerin. Umso mehr wünscht sie dem Bürgermeister, dass er sich schnell von seinen Verletzungen erholt. 

Dafür drückt auch Leonhard Obermüller die Daumen. Auch er sitzt im Gemeinderat, auch er hat einen Milchviehbetrieb. Einen Stier hält er aber nicht. „Da habe ich zu viel Respekt“, sagt Obermüller. „Ein Restrisiko bleibt immer.“ Alleine in den vergangenen fünf Jahren habe er von mindestens fünf solcher Unfälle gehört. Vor knapp drei Jahren starb eine Bäuerin in Holzkirchen, als ein Stier sie attackierte. Entsprechend geschockt war der Waller, als ihn Zweiter Bürgermeister Jakob Weiland über den tragischen Zwischenfall auf Thurnhubers Hof informierte. Besonders zwei Schlagwörter machten Obermüller Angst: Stier und Hubschrauber. „Das weckt die schlimmsten Befürchtungen.“ Nun hofft der CSU-Gemeinderat, dass sich diese nicht bestätigen und dass Thurnhuber schnell und vollständig gesund wird. 

Bürgermeister von Warngau von Stier attackiert: So reagieren die Politiker im Landkreis

Auch außerhalb Warngaus ist die Betroffenheit groß. Thurnhuber ist auch stellvertretender Landrat und sitzt im Kreistag. „Meine Gedanken kreisen ständig um ihn“, sagt FWG-Kreisvorsitzender Norbert Kerkel. „Wir alle wünschen uns, dass Klaus bald wieder auf die Füße kommt.“ Eigentlich hätte er sich am Donnerstagabend mit dem Vize-Landrat und Beisitzer im FWG-Kreisvorstand, dessen Name auch immer wieder im Zusammenhang mit einer Landratskandidatur genannt wird, zu einem Termin treffen wollen. Nun aber müsse das Politische erst mal in den Hintergrund rücken. 

„Wenn einen so eine schockierende Nachricht erreicht, werden alle anderen Fragen erst einmal unwichtig“, sagt Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne). Mit „großer Bestürzung“ habe er Thurnhubers Unfall vernommen. „Unsere Gedanken gelten jetzt nicht nur Klaus Thurnhuber, sondern auch seiner Familie, seinen Verwandten, seinen Freunden, all seinen Weggefährten und Mitarbeitern der Gemeinde Warngau, die in großer Sorge sind.“ Er hoffe sehr, dass Thurnhuber im Krankenhaus „die beste Versorgung bekommt und in kürzester Zeit voll genesen wird“. Der Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, Olaf von Löwis, mag daran nicht zweifeln. „Der Klaus ist eine unverwüstliche Natur mit einer guten Konstitution“, sagt der Holzkirchner Rathauschef und CSU-Landratskandidat. Dass ausgerechnet ihm als besonnenem Landwirt so etwas Schreckliches passiert ist, macht Löwis sprachlos. „Ich habe eine Gänsehaut bekommen, als ich davon erfahren habe.“ Auch Löwis hofft auf eine baldige Rückkehr Thurnhubers aus dem Krankenstand. „Er ist ein wichtiger Brückenbauer im Landkreis. Wir brauchen ihn.“

Warngau: Stier geht auf Bürgermeister los - Ehefrau schildert Unfall

Update Donnerstag, 17.40 Uhr: Veronika Thurnhuber, die Frau des schwer verletzten Warngauer Bürgermeisters schildert den Unfall wie folgt: Klaus Thurnhuber hat einen arbeitsreichen Tag als Bürgermeister mit vielen Terminen hinter sich. Doch statt den hochsommerlichen Feierabend nichtstuend zu genießen, ist er im Stall seines Hofs in Oberwarngau beschäftigt.

Sein Stier lahmt, Thurnhuber will nachschauen, warum. „Normalerweise sperren wir den Stier für solche Maßnahmen immer im Fressgatter ein und fixieren ihn. Ich weiß nicht, warum mein Mann dieses Mal diese Vorsichtsmaßnahme nicht ergriffen hat“, sagt Thurnhubers Frau Veronika.

Aus noch ungeklärter Ursache dreht der Stier durch – und verletzt den 55-Jährigen schwer. Nach Angaben der Polizei Holzkirchen ereignet sich das Unglück gegen 17.45 Uhr. Thurnhubers Sohn alarmiert die Rettungskräfte. Die Freiwillige Feuerwehr Warngau unter Kommandant Hans Eder eilt mit 15 Einsatzkräften zum Unfallort. Sie übernehmen die Erstversorgung des Schwerverletzten, sperren mit Thurnhubers Sohn den Stier weg, der sich laut Eder schnell wieder beruhigt, und weisen den Hubschrauber der Luftrettung Kufstein ein.

Bürgermeister Thurnhuber muss künstlich beatmet werden

Der „Heli 3“ bringt Thurnhuber zur Behandlung in ein Münchner Krankenhaus. Laut Thurnhubers Frau sind unter anderem alle Rippen, der Unterkiefer und das Schulterblatt gebrochen. Die Lunge ist geprellt. Thurnhuber muss künstlich beatmet werden, eine Narkose lindert seine Schmerzen. „Wir hoffen sehr, dass er wieder gesund wird“, sagt Veronika Thurnhuber.

Update, 13.55 Uhr: Nach aktuellen Informationen unserer Redaktion ist der Zustand von Klaus Thurnhuber nach der Stier-Attacke ernst, aber stabil. 

„Er hatte Glück im Unglück“, sagte ein Vertrauter der Familie. Ob der Stier wegen der Hitze – an jenem Abend herrschten Temperaturen über 30 Grad – nervös war oder aufgrund des Schmerzes, ist noch unklar. 

Warngaus Bürgermeister von Stier schwer verletzt - Polizei ermittelt

Die Polizei rekonstruiert derzeit den genauen Unfallhergang und versucht, die Ursache zu klären, wie ein Sprecher der Polizeiinspektion Holzkirchen auf Nachfrage mitteilte. Ebenso unklar ist derzeit, was mit dem Stier passiert, ob er eingeschläfert wird. 

Nach Angaben des Kommandanten der Warngauer Feuerwehr beruhigte sich das Tier gleich nach dem Angriff wieder. Die Rettungskräfte und der Sohn des verletzten Landwirts sperrten ihn aber vorsichtshalber ein.

Warngau: Stier verletzt Bürgermeister - es geschah bei Arbeiten im Stall

Erstmeldung vom 27. Juni 2019, 10.35 Uhr

Warngau - Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG) ist bei einem Stierangriff am Mittwochabend schwer verletzt worden. Nach Angaben der Polizei Holzkirchen attackierte der Stier den Landwirt und hauptamtlichen Bürgermeister gegen 17.45 Uhr im Stall seines landwirtschaftlichen Betriebs. 

Dort waren er und sein Sohn mit Tierarbeiten beschäftigt. Was genau die beiden machten und unter welchen Umständen es zu dem Angriff kam, klärt die Polizei derzeit. 

Bürgermeister Klaus Thurnhuber aus Warngau kam mit Hubschrauber in Münchner Klinik

Ein Rettungshubschrauber brachte den Schwerverletzten in eine Münchner Klinik.

Die Gemeinde Warngau geht davon aus, dass Thurnhuber mehrere Monate ausfällt. „Wir sind noch im K-Fall-Modus“, sagt eine Gemeindemitarbeiterin am Donnerstagmorgen auf Nachfrage.

Nach Informationen unserer Redaktion ist sein Zustand derzeit stabil.

Weitere Informationen folgen im Tagesverlauf. 

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2011 wurde die entlaufeneKuh Yvonne als „Kuh, die ein Reh sein will“ berühmt. Acht Jahre später ist sie auf Gut Aiderbichl in Deggendorf gestorben.

bst

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