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Warngau: Freispruch für Geflüchtete: Sie hatte ihr Kind doch nicht im Zug auf den Boden geworfen

Zeugin verstrickt sich

Freispruch für Geflüchtete: Sie hatte ihr Kind doch nicht im Zug auf den Boden geworfen

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Eine 32-jährige aus Eritrea war angeklagt, in der BOB ihr Kind aus Wut mit dem Gesicht vornweg auf den Boden geschleudert zu haben. Am Ende war alles halb so schlimm. Vor allem eine Zeugin verstrickte sich in Widersprüche.

Warngau - Am Ende gab es nur strahlende Gesichter: Die Angeklagte (32) war froh, die Staatsanwältin wirkte zufrieden, die Richterin lächelte, und Verteidiger Hartmut Wächtler packte strahlend seine Sachen zusammen. Mit Hilfe eines medizinischen Sachverständigen war es ihm gelungen, aus einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe eine Verfahrenseinstellung zu bewirken. Dabei hatte der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung schwer auf seiner Mandantin gelastet. 

Die zierliche Frau aus Eritrea, die in Warngau lebt, wurde beschuldigt, ihren damals einjährigen Sohn Milo (Name geändert) in der BOB mit Wucht auf den Boden gestoßen zu haben. Auslöser war eine Fahrkartenkontrolle im August 2016, bei der die 32-Jährige ihr Ticket nicht gefunden hatte. Sie wurde immer hektischer, der Bub fiel zu Boden, Mitreisende mussten sich um Baby Milo kümmern, die Mama stand zitternd im Zug. 

Das Amtsgericht Miesbach verurteilte die Angeklagte heuer im Februar zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Der Richter hielt die Kontrolleurin (62) und deren Schilderung für glaubwürdig. Die 62-Jährige hatte geschildert, dass die Frau in einem Wutanfall das Kind mit dem Gesicht voraus auf den Boden geworfen hätte. „Ich habe so etwas kein zweites Mal sehen müssen“, sagte sie gestern in der Berufungsverhandlung, „Gott sei Dank“. Doch sie sagte noch viel mehr und manches widersprach sich. So war unklar, wann und ob die Frau aus Eritrea ihren Ausweis nun gezeigt hatte und ob die 32-Jährige der Kontrolleurin schon einmal wegen eines falsch gelösten Tickets aufgefallen war. Damit zweifelte der Verteidiger auch die Glaubwürdigkeit der 62-Jährigen an, was ihre Schilderung von dem Vorfall betraf. 

Während der Anwalt die Zeugin in die Zange nahm, wurde sie von der Staatsanwältin in Schutz genommen. Der Anklägerin war eine gewisse Verwirrtheit der Frau angesichts des zwei Jahre zurückliegenden Vorfalls nicht entgangen. Schließlich einigten sich doch alle darauf, das Verfahren einzustellen. Dazu beigetragen hatte auch das Gutachten eines Rechtsmediziner. Aufgrund der leichten Verletzungen beim Kind ging der Experte davon aus, dass der Bub der Frau nur vom Schoß gerutscht sein konnte. „Eine Gesichtsprellung klingt zwar furchterregend, ist aber in der Kategorie eine Mindestverletzung“, sagte der Arzt. Bei wuchtigem Werfen würde man Platzwunden erwarten, fügte er hinzu. Dass der Kleine der Mutter überhaupt vom Schoß gerutscht war, begründete er auch mit der Möglichkeit, dass die Frau aufgrund einer Schilddrüsen-Fehlfunktion in einen Ausnahmezustand geraten war. 

von Angela Walser

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