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Fußballgolf-Bebauungsplan in Wall 

Gemeinderat grätscht Parkplätze weg

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Der Ball liegt vermeintlich günstig im Strafraum, man kommt zum Schuss – doch in letzter Minute grätscht jemand dazwischen. So ähnlich erging es dem Warngauer Bürgermeister jetzt in Sachen Fußballgolf-Projekt in Wall. Der Gemeinderat trieb jetzt die Planung zwar weiter, strich aber einen Parkplatz, den sich der Bürgermeister so sehr gewünscht hätte.

Das Runde muss ins Runde: Fußballgolf braucht weder Tore noch Schläger. Ambitionierte Kicker ebenso wie die ganze Familie können ihren Spaß daran haben, die Kugel auf einer Runde in 18 Löchern zu versenken. Anton Mehringer aus Wall war zufällig auf das neue Freizeit-Konzept gestoßen – und startete im Herbst 2014 mit eigenen Plänen auf einem 3,4 Hektar großen Areal zwischen der Kreisstraße und dem Waller Sportplatz. Ein 1,50 Meter hoher, weitmaschiger Stahlgitterzaun soll verhindern, dass Querschläger auf der Straße landen.

Der Gemeinderat signalisierte prinzipiell Zustimmung. So auch in der jetzigen Sitzung. Allerdings gibt es eine größere planungsrechtliche Hürde: Das Gelände liegt im Landschaftsschutzgebiet (LSG) Egartenlandschaft, die Herausnahme wäre ein langwieriges, im Kreistag zu verhandelndes Politikum wie einst beim Einheimischenbaugebiet in Wall. Da in diesem Fall aber „nur“ Landschaft modelliert würde und sich Bauten auf ein Eingangshäuschen beschränken, stellte das Landratsamt einen Deal in Aussicht: Legt die Gemeinde eine straffe Planung vor, könnte die Genehmigung als „Befreiung“ vom Bauverbot im LSG erteilt werden – auf dem Verwaltungsweg, ohne politischen Durchlauf. 

Das Bebauungsplanverfahren wollte Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG) nutzen, um im gleichen Streich ein Verkehrsproblem zu lösen: Vor dem Café Waldeck parken regelmäßig Gäste auf der Kreisstraße, verbotenerweise. „Der Landkreis hat den starken Wunsch, diese gefährliche Situation zu entschärfen“, sagte der Bürgermeister. Ein erster Entwurf sah vor, fünf Stellplätze nördlich der MB 10 sowie zwölf Plätze unmittelbar südlich des Cafés auszuweisen. „Auch Wanderer könnten dort parken“, sagte Thurnhuber. Die Flächen hätte die Gemeinde von Mehringer gepachtet und auf eigene Kosten hergestellt. 

Gegen diese Parkplätze wehrte sich der angedachte Nutznießer, Gastwirt Christian Kotz. Er sieht die Ruhe und die Aussicht seines Biergartens gefährdet (wir berichteten). Das Rathaus reagierte – zumal die Polizei Sicherheitsbedenken gegen die Parkplätze in der Kurve anmeldete – und legte dem Gemeinderat nun eine überarbeitete Planung vor. Die zwölf Parkplätze waren nunmehr weiter südlich angeordnet, neben der Kreisstraße mit Aus- und Einfahrt. Der ebenfalls neu geplante Geh- und Radweg sowie eine zu pflanzende Allee blieben davon unberührt.

„Ein Parkplatz dort mitten drin wäre eine Verschandelung fürs Ortsbild“, schimpfte Leonhard Obermüller (CSU), „die Gemeinde ist nicht zuständig dafür, Parkplätze für einen Gewerbebetrieb zu schaffen.“ Café-Gäste müssten zudem viel zu weit gehen, ergänzte Adolf Schwarzer (CSU). „Dieser Parkplatz wird nie angenommen“, glaubt Manuela Gschwendtner (FW). Vergeblich schlug Anton Bader (FW) vor, die Fläche in Richtung Café zu verschieben. „Wir sollten diesen Parkplatz ersatzlos streichen“, sagte Max Bauer (CSU). Eine Gemeinde dürfe doch angesichts eines offensichtlichen Sicherheits-Problems nicht die Augen verschließen, wandte der Bürgermeister ein. Doch es half nichts: Mit ihm stimmten nur Bader und Sepp Gschwendtner (FW) für die Parkplätze. 

Die Grünen Reinhard Bücher und Winfried Dresel lehnten das gesamte Projekt ab. „Wir dürfen dem Tourismus nicht alles opfern“, sagte Bücher, „ich kann hier weder einen Nutzen für unsere Bürger noch für die Gemeinde erkennen.“ Der Miesbacher Karl Brutscher hatte im Verfahren ebenfalls naturschutzrechtliche Bedenken vorgebracht. Familie Kotz befürchtet Lärmbelästigungen. Davon sei nicht auszugehen, glaubt Thurnhuber; ein Lärmgutachten sei aber in Auftrag gegeben. Die Sorge der Familie, dass ihre Grundstücke an Wert verlieren, hält die Gemeinde für unbegründet. 

Der Entwurf ohne zusätzliche Parkplätze, gebilligt von einer 10:5-Mehrheit, geht jetzt in die zweite Auslegung. „Bin gespannt, wie das Landratsamt wegen der Parkplätze reagiert“, sagte Thurnhuber. Folgen keine Einwände mehr, und entscheidet sich das Landratsamt für eine Befreiung, darf Mehringer im Sommer auf Baurecht hoffen. (avh)

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