Polizeihubschrauber
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Ein Polizeihubschrauber wurde für die Fahndung eingesetzt (Symbolbild).

Zwischen Gmund und Warngau

Wilde Verfolgungsjagd mit Hubschrauber: Einbrecher verbuddelt sich im Wald - Komplizen flüchten

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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„Tatort“-verdächtiges Szenario zwischen Warngau und Hartpenning: Ein Hubschrauber kreist, ein Ganove flüchtet in den Wald, gräbt sich ein. Seine Komplizen entkommen.

  • Ganoven brachen am Sonntagabend in Häuser in Gmund und Oberwarngau ein
  • Ein Täter vergrub sich auf der Flucht vor der Polizei im Wald
  • Er wurde geschnappt - seine Komplizen entkamen

Warngau - Der Zeitpunkt war clever gewählt. Während die Bewohner vermeintlich arglos auf Christkindlmärkten weilten, wollte eine Einbrecherbande im Bereich Warngau und Gmund am Sonntagabend auf Beutezug gehen.

Erst schlugen die Ganoven in Gmund zu, dann zwei Mal in Oberwarngau. Bei ersten und dritten Versuch wurden sie von aufmerksamen Zeugen in flagranti erwischt. Der Polizei gelang es dank eines Großaufgebots, die Einbrecher zu verfolgen und zu stellen. Bei einem klickten die Handschellen, mindestens zwei weitere sind auf der Flucht. 

Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd mitteilt, wollten die Täter am Sonntagabend gegen 18.30 Uhr in der Bahnhofstraße in Oberwarngau in ein Wohn- und Geschäftshaus einsteigen, in dem eine Konditorei/Bäckerei untergebracht ist. Couragierte Zeugen bekamen das mit und alarmierten die Polizei.

Der erste Tatort: Ein Wohnhaus in Gmund

Dass die Fahnder so schnell eintrafen, war kein Zufall. Vermutlich die gleiche Bande hatte am gleichen Abend gegen 18 Uhr bei einem Wohnhaus in Gmund (Dürnbacher Straße) einen ersten Coup versucht. Die Täter schlugen die Scheibe einer Terrassentür ein und drangen ins Haus ein. Ein aufmerksamer Nachbar hatte aber das Klirren gehört, Lichtkegel von Taschenlampen gesehen und sofort über Notruf 110 die Polizei verständigt.

Beim Eintreffen der Polizei waren die Täter bereits entkommen und auch die eingeleitete Fahndung führte nicht zum Erfolg. Ob bei diesem Einbruch ein Stehlschaden entstand, steht derzeit noch nicht fest.

Zweiter Tatort: Zwei Wohnhäuser in Oberwarngau

Allerdings waren die Einsatzkräfte bereits im Anmarsch, als die Bande - offenbar wenig eingeschüchtert vom Misserfolg in Gmund - ihr Glück in Oberwarngau versuchte. Laut Polizei knackten die Ganoven dort ein erstes Wohnhaus im Schulweg, ehe sie sich das Wohn- und Geschäftshaus in der Bahnhofstraße vornahmen.     

Einbruch in Warngau: Polizei sucht Täter mit Hubschrauber

Nachdem die Nachbarn dort Alarm schlugen, kreiste schnell ein Polizeihubschrauber über dem Tatort. Verschreckt vom Lärm nahmen die Täter Reißaus. Die Wärmebildkamera des Hubschraubers erfasste die Männer, als sie zu ihrem Fluchtauto hasteten, einem grauen VW Golf VII mit norwegischen Kennzeichen.

Von den Kollegen in der Luft dirigiert jagte ein  Polizeiauto dem Golf hinterher und hing schnell am Hinterrad der Flüchtenden.

In einem Waldgebiet vor Sufferloh verlor der Fahrer die Nerven und lenkte den Golf in den Straßengraben. Die Verfolger im Nacken liefen die Einbrecher nach Norden in den dunklen Wald. 

Nach Flucht in den Wald bei Sufferloh: Wärmebildkamera erfasst Täter

Etliche Streifenwagen-Besatzungen der Polizei umstellten das Gebiet und suchten nach den Flüchtigen. Dabei kam auch ein Polizeihund zum Einsatz. 

Einer der Täter, ein 24-jähriger Chilene, warf sich in eine Bodenmulde, grub sich ein und bedeckte sich mit Laub und Geäst. „Den hätten wir vom Boden aus nie gefunden“, sagt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums. Selbst dem Polizeihund fehlte eine Fährte, er hätte den „eingegrabenen“ Ganoven wohl nicht erschnüffelt.

Die Wärmebildkamera jedoch „zeigte, wie wertvoll sie ist“, sagte Sonntag. Die Hubschrauberbesatzung lokalisierte das Versteck und lotste die Kollegen am Boden zum Gesuchten. Er ist kein unbeschriebenes Blatt: Gegen ihn liegt ein Haftbefehl wegen eines früheren Einbruchs in München vor. Seit Montag sitzt er in Untersuchungshaft.    

Flucht durch den Wald: Komplizen können entkommen

Seinen Mittätern gelang es jedoch, im dunklen Wald zu entkommen. Die Kripo Miesbach vermutet, dass zwei Autoaufbrüche erst in Warngau, dann in Schaftlach auf ihr Konto gehen. Sie schafften es jedoch nicht, die Motoren zu starten. Irgendwann nach Mitternacht dürfte es den beiden aber gelungen sein, unbemerkt das Weite zu suchen und aus der Region zu verschwinden.  

Mittlerweile ist klar, dass die Bande den Golf in Norwegen anmietete. Erst waren die Täter in Frankreich unterwegs, dann in Deutschland. Ob ihnen weitere Einbrüche zur Last gelegt werden, steht noch nicht fest. Am Golf wurden umfangreiche Spuren sichergestellt, die auf die Spur der Flüchtigen führen könnten.

Einbruch in Gmund und Warngau: Täter in Golf mit norwegischem Kennzeichen unterwegs

Ob und was aus den Häusern in Gmund und Warngau verschwunden ist, ist noch unklar. Der Gebäudeschaden dürfte sich jeweils auf mindestens 500 bis 1000 Euro belaufen.

Die Kripo bittet die Bevölkerung um Mithilfe: Wem fiel am Sonntag im Bereich von Warngau, Gmund am Tegernsee oder sonst in der Region ein grauer Pkw VW Golf VII mit norwegischen Kennzeichen und besetzt mit mehreren Personen auf? Wer kann Hinweise zum Fahrzeug oder den Insassen geben?

Einbruch in Gmund und Warngau - Polizei bittet um Hinweise

Zeugen werden gebeten, sich bei der Kripo  Miesbach unter der Telefonnummer 08025/ 299299 oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

Erst Ende November ist Ford ist bei Weyarn gegen einen Baum gekracht. Darin saßen die Täter, die kurz vorher auf einen Gmunder einen Raubüberfall verübt hatten. Sie sind weiter auf der Flucht. Unbemerkt sind Diebe über das Fenster in ein Einfamilienhaus in Holzkirchen eingedrungen. Was sie gestohlen hab, ist unklar.

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