Milchvieh aus der Region soll künftig als „Biokalb Oberland“ vermarktet werden.
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Milchvieh aus der Region soll künftig als „Biokalb Oberland“ vermarktet werden.

Warngau will Ökomodellregion fortführen

Rückendeckung fürs Herzensprojekt

Die Gemeinde Warngau will weiter Ökomodellregion bleiben - auch wenn sie künftig ein bisschen draufzahlen muss.

Warngau – Es war ein Herzensanliegen von Klaus Thurnhuber: Vor knapp fünf Jahren zählte der Warngauer Bürgermeister zu den Protagonisten, die kurz vor Fristende die Bewerbung als Ökomodellregion doch noch ins Ziel brachten – und die, die diese mit Leben und Sinn erfüllen, aktiv ins Boot holte: Landwirte und Produzenten. 

Heute ist das Netzwerk eine der Vorzeigeregionen unter den inzwischen 27 Ökomodellregionen in Bayern. Auch wenn der Bürgermeister selbst nach der schweren Stierattacke erst weiter genesen muss, bis er ins Amt zurückkehren kann, der Gemeinderat steht geschlossen hinter dem Projekt: Das Gremium hat einstimmig beschlossen, das Projekt auch von Oktober 2020 bis September 2023 weiter zu unterstützen. Weil der Freistaat die als Anschubfinanzierung gedachte Förderung in den kommenden Jahren wie berichtet sukzessive runterfährt, kommen auf die beteiligten Kommunen der Ökomodellregion Mehrkosten zu. Die bewegen sich mit je knapp 300 Euro allerdings im überschaubaren Rahmen.

Ziel: Kleinstrukturierte Landwirtschaft erhalten

Dem Beschluss war eine ausführliche Präsentation von Stephanie Stiller vorausgegangen, die im Juni die Nachfolge der bisherigen Ökomodellregions-Managerin Marika Pirchheim übernommen hat. Stiller berichtete vom Erfolg einiger Projekte, wie jüngst dem regionalen Einkaufsführer, dessen Erstauflage von 10 000 Exemplaren schon fast vergriffen sei; nächstes Jahr solle eine erweiterte Neuauflage folgen. 

Genussscheinprojekte zweier Höfe in Irschenberg und Gmund sowie das Fleischvermarktungs-Projekt Weiderind Oberland mit derzeit zehn Betrieben – davon die Hälfte Bio – führte sie unter anderem als Beispiele an, wie Landwirte Möglichkeiten zur Diversifizierung nutzen können. Dem Vorwurf, man wolle nur Bio fördern und diskreditiere die Arbeit konventioneller Landwirte, widersprach Stiller entschieden, obgleich viele Projekte auf diese Wachstums-Nische abzielen: „Das Ziel ist, die kleinstrukturierte Landwirtschaft zu erhalten.“ Man mache niemanden schlecht und sei stets offen für Ideen.

Und derer gibt es noch eine ganze Reihe. Etwa für Bio-Masthendl als zweites Standbein für Eierproduzenten oder eine Sammel-Biozertifizierung für Streuobst. Eine wird gerade zum Leben erweckt: Zwölf Milchviehbauern, die meisten aus Wall, haben sich zusammengeschlossen, um ihre horntragenden, heugefütterten Kälber, für die sie als Milchvieh keine guten Preise mehr bekommen, künftig unter der Marke „Biokalb Oberland“ als Fleisch zu vermarkten.

Obermüller: „Wir müssen gegensteuern“

Einer der beteiligten Landwirte beim „Biokalb Oberland“ ist Gemeinde- und Kreisrat Leonhard Obermüller (CSU). Das Interesse am Projekt sei bereits riesig, Rückmeldungen seien begeistert. Er sieht das mit gemischten Gefühlen. „Dass das etwas Besonderes ist, zeigt eigentlich, wie weit wir sonst vom Normalen entfernt sind“, meinte Obermüller: Schlachttiere werden oft unter qualvollen Bedingungen über weite Strecken verfrachtet oder genverändertes Soja verfüttert, für dessen Anbau dann der Regenwald brennt. „Die Systematik stimmt einfach nicht mehr, da müssen wir gegensteuern“, sagte Obermüller. „Es wäre fahrlässig, wenn der Landkreis Miesbach, der prädestiniert ist für eine Ökomodellregion, das nicht fortführen würde.“

Auch stellvertretender Bürgermeister Jakob Weiland war vom Nutzen überzeugt: „Die Ökomodellregion ist ein Erfolgsmodell“, sagte er, „die 300 Euro mehr sind gut angelegt.“ Die Appelle fielen auf fruchtbaren Boden: Der Gemeinderat sprach sich geschlossen für die Fortführung der Ökomodellregion aus.

Katrin Hager

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