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Die Engstelle bleibt vorerst: Die neue Fahrbahnführung im Weiler Drahtzieher zwischen Wall und Thalmühler Berg spart sich die Gemeinde für heuer. 

Einbruch  bei Steuereinnahmen befürchtet

Wegen Corona: Warngau streicht Straßenbau fast komplett

Die Gemeinde Warngau schnallt den Gürtel enger: Nahezu alle geplanten Straßenbaumaßnahmen sind für heuer gestrichen.

Warngau – Das Coronavirus lässt auch die öffentlichen Kassen kränkeln: Die Kommunen stellen sich aufgrund der wirtschaftlichen Folgen auf harte Zeiten ein. Die Gemeinde Warngau schnallt deshalb schon den Gürtel enger: Sie streicht vorerst fast alle anvisierten Straßenbaumaßnahmen für das Jahr 2020. Das hat der Gemeinderat einhellig beschlossen.

Die Corona-Krise wird sich auch auf die Einnahmen für das Warngauer Rathaus etwa aus der Gewerbesteuer durchschlagen, daran haben Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG) und auch die Gemeinderäte keinerlei Zweifel. Eine aktuelle Schätzung des Gemeindetags, die Thurnhuber zur Sitzung vorlag, ging von mindestens 20 Prozent Einbruch bei den Steuereinnahmen für die Kommunen aus. Und das, so fürchten viele, dürfte nicht das Ende der Fahnenstange sein – weder, was die Höhe der Mindereinnahmen, noch, was den Zeitraum der Durststrecke betrifft. Ein Straßenbau-Paket mit einem geplanten Volumen von 350 000 Euro zu schnüren, davor schreckten Bürgermeister und Gemeinderat zurück.

Projekte wie die Sanierung und Entwässerung auf einem Teilstück in Einhaus oder in Böttberg, die bislang auf der Liste standen, fielen gleich dem Rotstift zum Opfer. Zur Debatte stellte Thurnhuber noch drei Maßnahmen. Zum einen die Sanierung der Straße vom westlichen Reithamer Ortsausgang bis zur B 318 für geschätzte 190 000 Euro, womit die jahrelangen Bauarbeiten in dem Dorf – erst Dorferneuerung und Weihersanierung, derzeit Sanierung der nördlichen Ortsstraße Richtung Allerheiligen – abgeschlossen würden. Zum zweiten eine Straßenverlegung im Weiler Drahtzieher bei Wall für schätzungsweise 120 000 Euro: Dort zwängt sich die Fahrbahn seit Jahrzehnten an einem Schuppen vorbei. Der Eigentümer des Schuppens – das neue Gemeinderatsmitglied Florian Rank (FWG) – machte durch einen Ersatzbau den Weg frei für eine Aufweitung der Engstelle. Dies ist mit dem Landratsamt inzwischen auch geklärt, wie Thurnhuber berichtete. Und zum dritten soll der Vorplatz am Hackschnitzel-Heizkraftwerk der Gemeinde am Kapellenfeld eine Entwässerung bekommen. Ein Projekt, das Thurnhuber als vorrangig betrachtete, weil bislang bei Starkregen das Oberflächenwasser hangabwärts Richtung Feuerwehr und Rathaus schießt. Die Kosten dafür sind mit 8600 Euro ohnehin überschaubar.

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Leicht fiel es dem Gemeinderat nicht, eigentlich erforderliche Projekte auszusieben. Er hätte eine ganze Liste an nötigen Straßenarbeiten, bekannte etwa Peter Huber (CSU), „aber da muss man natürlich einen Rückzieher machen“.

Die Fahrbahnsanierung zwischen Reitham und B 318 hielt Adolf Schwarzer noch für gut aufschiebbar, wenn die Bankette dort hergerichtet würden. „Ich bin ja selber ein Reithamer, aber da geht Allgemeinwohl vor Reitham-Wohl“, mahnte Schwarzer. „Wir müssen auf die Bremse treten.“ Er erinnerte an Pflichtprojekte, die der Gemeinde demnächst ins Haus stehen. So müssen zwei Brücken über den Festenbach saniert oder sogar ersetzt werden, die bei der Brückenprüfung unerwartet schwere Mängel offenbarten. Max Bauer (FWG) plädierte auch dafür, die Straßenverlegung Drahtzieher für heuer sausen zu lassen: „Die Genehmigung verfällt ja nicht.“

Engelfried Beilhacks (CSU) Vorschlag, „auf Sicht“ zu fahren und nach der Sommerpause vielleicht noch das ein oder andere Projekt auf den Weg zu bringen, scheitert an der Zeit, wie Kämmerer Anton Kaunzner erklärte: „Wenn wir damit jetzt nicht in die Ausschreibung gehen, wird das heuer nix mehr.“

Der Gemeinderat entwickelte einen anderen Fahrplan zum „Fahren auf Sicht“, den das Gremium einstimmig beschloss. Zunächst setzt die Gemeinde auf Sparkurs: Heuer wird aus dem Paket nur die Entwässerung am Hackschnitzel-Heizkraftwerk angepackt, der große Rest ist vertagt. Die Gemeinde behilft sich derweil mit Ausbesserungsarbeiten. Im Herbst, wenn auch deutlicher ist, wie die Einnahmensituation sich entwickelt, will der Gemeinderat die Projekte priorisieren und die Aufträge über den Winter ausschreiben. „Dann schauen wir, dass wir für nächstes Jahr gerüstet sind und im zeitigen Frühjahr beginnen können“, fasste der Bürgermeister zusammen.

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Thurnhuber rechnet damit, dass die Instandhaltung mit etwa 30 000 Euro für das Herrichten von Banketten und mit etwa 15 000 Euro für das Ausbessern von Straßenschäden mit Heißasphalt zu Buche schlagen dürfte. „Wir müssen das Straßennetz so in Schuss halten, dass es ein paar Jahre hält bei geringem Kapitaleinsatz.“ Wer weiß, wie lange die wirtschaftlichen Folgen von Corona noch für die Kommunen zu spüren sind.

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