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Einer zu, der andere gesichert: Der Bahn-Entwurf sieht vor, den Bahnübergang bei Lochham zu schließen. Dafür wird der Thanner Übergang mit Halbschranken ausgestattet. Der Verkehr wird über den ausgebauten Feldweg (gestrichelt) abgeleitet – ein kleiner Umweg für Autos und Radler.

Bahnübergänge in Warngau 

Zähes Ringen um mehr Sicherheit: Das planen Bahn und Gemeinde am Bahnübergang in Thann

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Nach dem Unfall am Bahnübergang bei Thann kocht die Diskussion über Schranken erneut hoch. Derartige Entwürfe bestehen seit Jahren. Die Deutsche Bahn würde sie gerne neu aufrollen. Doch woran hakt‘s?

Warngau – Die Frage beschäftigt Warngau seit Jahren. Wie kann man den unbeschrankten Bahnübergang bei Thann sicherer machen? Eben jene Thematik diskutierten Vertreter der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber bei einem Treffen im März 2012 – ein halbes Jahr nach dem tödlichen Unfall am Thanner Bahnübergang, bei dem zwei Holzkirchner ihr Leben verloren hatten. Der Krisengipfel war der Auftakt des Ringens um Schranken und mehr Sicherheit.

In dem Gespräch präsentierten die BOB-Vertreter Lösungsvorschläge, die sie zuvor mit der Bahn-Tochter DB Netz als Betreiber der Strecke ausgearbeitet hatten. Das geht aus Unterlagen hervor, die der Redaktion vorliegen. Interessant daran: Der Entwurf von damals deckt sich mit aktuellen Umbauoptionen, die ein DB-Sprecher jüngst im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte.

Im Raum stand und steht wie berichtet, den laut einer Verkehrszählung wenig befahrenen Übergang bei Lochham zu schließen. Über eine Verbindungsstraße entlang der Schienen würde der Verkehr zum Bahnübergang bei Thann geleitet werden. „Da gibt es bereits einen Feldweg, den müsste man nur ausbauen“, sagt der Bahnsprecher. Der Thanner Übergang würde im Gegenzug mit Halbschranken aufgerüstet werden.

Doch die Sicherungsvorschläge beschränkten sich ehedem nicht nur auf bauliche Veränderungen an den Bahnübergängen bei Thann und Lochham. Auch die drei unbeschrankten Bahnübergänge südlich von Warngau waren betroffen: der direkt am Haltepunkt im Ort, der am Flugplatz und der an der Piesenkamer Straße. Dort, wo 2013 eine Autofahrerin nach der Kollision mit einem Zug starb.

Aus drei mach’ einen: Der beschrankte Bahnübergang in Warngau bleibt bestehen, wird gar modernisiert. Einer der anderen beiden, am Flugplatz oder bei Piesenkam, wird durch eine Straßenunter- oder überführung ersetzt, der andere dicht gemacht, so der DB-Vorschlag.

Mittlerweile hat die Bahn diese Entwürfe – sie sahen unter anderem Schranken am Übergang zwischen Warngau und Piesenkam und eine Fußgängerunterführung am Flugplatz vor – überarbeitet. Vorgeschlagen hat sie der Gemeinde nun, den Übergang am südlichen Ortsausgang zu modernisieren. Eine der beiden Gleisquerungen am Flugplatz und an der Piesenkamerstraße könnte durch eine Straßenüber- oder -unterführung ersetzt werden. Die andere wird geschlossen. Welche? „Da sind wir leidenschaftslos“, sagt der Bahnsprecher.

Der Gemeinde habe man die Bereitschaft signalisiert, die alten, teils modifizierten Vorschläge umzusetzen. Um in die konkrete Planungsphase einsteigen und erste Kosten ermitteln zu können, bräuchte man jedoch „das Einverständnis aller Beteiligten“, die sich zu je einem Drittel an der Finanzierung beteiligen müssten. Neben der DB sind das der Bund und der Straßenbaulastträger. In diesem Fall: die Gemeinde Warngau. An Bahn und Bund, merkt der Sprecher an, hapere es nicht.

An der Kostenübernahme, verdeutlicht Bürgermeister Thurnhuber, hakt es definitiv nicht. „Wir sind bereit, unser Drittel zu übernehmen.“ Gegen den Wegfall zweier Bahnübergänge und somit zweier Ortsverbindungsstraßen sträubt er sich bislang aber vehement. Der Gemeinderat stärkt ihm den Rücken. „Wir wollen keine Infrastruktur abbauen“, wiederholte Thurnhuber mehrfach. Ein Streitpunkt entfällt immerhin: Durch die angedachte Umleitungsstraße würde ein Plus an Verkehr, so Thurnhubers Befürchtung, im Pferde-Ort Thann – ansässig ist dort unter anderem eine Pferdepension – wegfallen.

„Das ist ein Vorschlag, den wir diskutieren können“, sagte Thurnhuber. Ob die Grundstückseigentümer jedoch mitziehen, ist eine andere Frage. Im Fall der Umleitungsstraße bei Thann „ist Grunderwerb kein Thema“, versichert der Bahnsprecher. Anders die Situation bei den Übergängen Piesenkam und Flugplatz. Hier sind die Eigentümer eine unbekannte Variable in den Umbauüberlegungen. Das räumt auch der DB-Sprecher ein. Das Problem: In die Verhandlungen mit Grundstückseigentümern könne man erst einsteigen, „wenn die Gemeinde ihr Okay für das Grobkonzept geben hat“.

Es herrscht also weiter Klärungsbedarf. Bürgermeister Thurnhuber hofft dennoch, dass die Überlegungen nun Fahrt aufnehmen. Ihm ist dabei aber wichtig, dass die Bahnübergänge nicht isoliert betrachtet werden. „Wir müssen uns das ganzheitlich anschauen“, sagt er. Auswirkungen für Pendler, Sportler und Landwirte müsse man in allen Fällen zunächst abwägen.

Im Rathaus wartet man nun auf ein „Angebot der Bahn, im besten Fall schriftlich“, sagt Thurnhuber. „Weiter Luftschlösser zu bauen, bringt uns nicht weiter.“ Ein Gespräch soll Klarheit schaffen. Denn das beiderseitige Ziel ist klar: mehr Sicherheit an den Bahnübergängen.

fp

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