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Be- und Entladen verboten: Weil der Angerweg (unten) nun Rettungsweg ist, muss Schreiner Anton Rummel künftig auf sein Grundstück ausweichen. Die Gartenhäuser sollen dafür an die Hangkante (rechts) rücken. 

Werbung an der Hangkante geht nicht

Wegen Tieferlegung: Schreiner muss seine Gartenhäuser für immer verstecken

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Die Tieferlegung der B 318 geht an den Anliegern nicht spurlos vorüber, auch nicht an Schreiner Anton Rummel. Der muss seine Ausstellungsfläche verlegen – und das schlägt hohe Wellen.

Warngau – Wer auf der B 318 von Holzkirchen nach Warngau hineinfuhr, der kam schon mal ins Grübeln, ob es nicht Zeit wäre für ein neues Gartenhaus – so prominent war die Ausstellungsfläche der Schreinerei Anton Rummel linkerhand platziert. Weil die Tieferlegung der Bundesstraße auch für den Schreinermeister einige Veränderungen mit sich bringt, lag dem Warngauer Gemeinderat jüngst eine Bauvoranfrage auf dem Tisch. Und die sorgte für kontroverse Diskussionen.

Rummel möchte seine Schreinerei erneut erweitern. Bereits vor einem Jahr hatte der Gemeinderat einen nahezu quadratischen Anbau an den Bestand genehmigt – damals auf der Ostseite in Richtung Angerweg. Jetzt fragte Rummel einen gleichgroßen, etwa sechs mal sieben Meter großen Anbau auf der Westseite an. Einige Meter weiter nördlich soll zudem ein Spänesilo entstehen.

Und nicht nur das. Geht es nach Rummel, sollen die Gartenhäuser künftig westlich auf der Hangkante zur B 318 stehen. Gezwungenermaßen: Denn durch die Tieferlegung ist der Angerweg inzwischen als Rettungsweg ausgewiesen. Der Be- und Entladeverkehr der Schreinerei, den die Gemeinde dort bislang toleriert hatte, muss also künftig auf dem Grundstück der Schreinerei stattfinden. Und zwar an der Stelle, die bislang als Ausstellungsfläche diente.

Architekt Ludwig Hohenreiter, der die Gemeinde in dieser Angelegenheit vertritt und sich bereits im Vorfeld der Sitzung mit dem Kreisbauamt abgestimmt hatte, signalisierte seine Zustimmung für den geplanten Anbau. Gleiches gilt für das Spänesilo – unter der Voraussetzung einer gefälligen Einfassung.

Die geplante Zurschaustellung der Gartenhäuser an der Hangkante zur B 318 stieß dagegen auf Ablehnung: Die Gartenhäuser dürfen keine Außenwirkung haben, so die einhellige Meinung von Hohenreiter und dem Kreisbauamt. Schließlich handle es sich um eine prominente Stelle am Warngauer Ortseingang. Der Architekt hatte auch gleich eine Lösung parat, die er dem Gremium mittels einer Animation vorstellte. Demnach solle die geplante Ausstellungsreihe auf der Hangkante um die Hälfte verringert und obendrein mit einem Sichtschutz sowie einer zusätzlichen Begrünung verborgen werden.

Für viele Gemeinderäte war das nicht nachzuvollziehen. „Er will doch verkaufen und nicht verstecken“, sagte etwa Adolf Schwarzer (CSU). „Das ist wie ein zugenageltes Schaufenster.“ Christian Triendl (Grüne) bezeichnete den Vorschlag gar als lächerlich. Leonhard Obermüller erinnerte daran, dass es im Zuge der B 318-Tieferlegung keine Verlierer geben sollte. Genau das sei hier aber der Fall. Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG) regte schließlich an, die Abstimmung zurückzustellen, um gemeinsam mit dem Landratsamt eine verträgliche Lösung herbeizuführen.

Der Antragsteller selbst zeigte sich auf Nachfrage überrascht vom Geschehen in der Sitzung – schließlich, betont er, habe er seinen Antrag vorgelegter Form mit dem Kreisbaumeister abgesprochen. „Wir sind vor etwa zwei Monaten gemeinsam mit meinem Architekten und einem Juristen vom Landratsamt zusammengesessen“, sagt Rummel, „da ist alles für positiv befunden worden.“ Kreisbaumeister Werner Pawlovsky schildert die besagte Unterredung anders: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich es nicht gut finde, ortsplanerisch suboptimal“, bekräftigt dieser, „und ich habe immer gesagt, das ist Sache der Gemeinde.“

Mit der hat Rummel sowieso noch eine Rechnung offen: Er habe für die Einhausung der B 318 viel Grund abtreten müssen und nun nicht mal mehr eine Zufahrt. „Außerdem gab es mal die Aussage der Gemeinde, sie würde im Angerweg einen Wendehammer bauen“, erzählt der Schreinermeister. „Das wurde aber fallen gelassen, weil das mit der Brücke nicht geklappt hat.“

Daran, dass der Bau der Hauserbauernbrücke und damit auch der des Wendehammers scheiterte, trägt die Gemeinde Warngau keine Schuld, rechtfertigt sich Bürgermeister Thurnhuber auf Nachfrage. Den Ausschlag hätten überzogene Forderungen einiger Grundbesitzer nicht zuletzt am Angerweg gegeben. „Diese Forderungen hätten den Nutzen für das Gemeinwohl um ein Vielfaches überstiegen.“

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