Großbrand in Oberau: Familie verliert ihre Wohnung

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Gut geschützt vor nervösen Bienen: Der Förderverein der Warngauer Kinder und Jugend spendierte den Bienenfreunden Oberland 500 Euro für die Anschaffung von Schutzanzügen. Unser Bild entstand bei der Übergabe und zeigt (vorne v.l.) die Fördervereins-Vorsitzende Verena Schmidt-Völlmecke und Georg Ramgraber. Die Anzüge wurden gleich ausprobiert, 20 Kinder und deren Eltern durften mit Ramgraber Honig schleudern. Die Bienenfreunde wollen vor allem Kindergartenkindern und Schülern zeigen, wie spannend die Imkerei ist und welch wichtige Aufgabe Bienen und Insekten im Lebenskreislauf übernehmen.

Interview

Zum „Weltbienentag“ am 20. Mai: Mehr Mut zum wilden Garten

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Fleißig, süßes Produkt, teamfähig: Bienen mag jeder. Umso dramatischer klingen Meldungen vom großen Insektensterben. „Wir müssen was ändern“, fordert Imker Georg Ramgraber im Interview.

Warngau – Sie sehen aus wie kleine Raumfahrer: 20 Warngauer Kinder und ihre Eltern sind in nagelneue Schutzanzüge geschlüpft, um Imker Georg Ramgraber genau, aber gefahrlos bei der Arbeit zuschauen zu können.Diese genaue Hinschauen ist eines der wichtigsten Anliegen der vor wenigen Monaten gegründeten „Bienenfreunde Oberland“, für die sich Ramgraber als Vorsitzender engagiert. Der Förderverein der Warngauer Kinder und Jugend unterstützt dieses Anliegen und spendierte 500 Euro für Schutzanzüge. „Jetzt können wir Infoveranstaltungen für Kindergärten und Schulen direkt am Bienenstock durchführen“, freut sich Ramgraber. Er hat sich vorgenommen, jung und alt für die große Krise der Biene zu sensibilisieren und Hintergründe zu erklären. Sind wirklich wir Menschen schuld? Leider ja, sagt der 60-Jährige. Noch aber ist die Biene nicht verloren.

-Herr Ramgraber, das schöne Frühjahr bescherte unseren Bienen schon herrliche Flugtage. Wie geht’s Bienen und Hummeln im Oberland?

Die sind voller Saft und Kraft. Der Kälteeinbruch im März hat das Brutgeschäft zwar gedämpft, aber die erste Honigernte ist in den Stöcken. Das Jahr lässt sich ganz gut an.

-Klingt jetzt aber nicht, als ob die Bienen bald verschwinden aus dem Oberland.

So weit wird es hoffentlich nie kommen. Aber das Insektensterben ist leider eine Tatsache und hat schon ein schlimmes Ausmaß angenommen. Die Biomasse aller Insekten hat in den vergangenen 27 Jahren um 80 Prozent abgenommen – um 80 Prozent! Ein gewaltiger Schwund. Und das wirkt auf die ganze Natur. 90 Prozent der Insekten werden gefressen, dienen also als Nahrungsgrundlage für andere Tiere. Da bahnt sich was Schlimmes an.

-Wie konnte es so weit kommen?

Der Klimawandel spielt eine Rolle, mildere Winter begünstigen die Varroa-Milbe, nach wie vor eine der größten Gefahren für Bienenvölker. Aber ganz ohne Zweifel setzt der steigende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln den Insekten und Bienen dramatisch zu. Dazu kommen immer mehr blütenlose Gras- und Mais-Wüsten. Unsere Sommer sind nicht mehr bunt, sondern grün.

-Den Raps fliegen die Bienen doch gerne an.

Ja schon, das wird aber ein sehr einseitiger Honig. Gesünder ist der Mischhonig, der sich aus vielen Blüten speist. Ich persönlich mag den Raps-Geschmack nicht. Ein reiner Löwenzahn-Honig dagegen, das ist eine gefragte Delikatesse.

-Sind also unsere Bauern gefordert, für mehr Blühvielfalt zu sorgen?

Ein heikles Thema. Ich bin ein Freund unserer Bauern, leider sind sie Getriebene einer Agrarpolitik, die falsche Anreize setzt. Ich wünsche mir, dass Bauern ein Einkommen erwirtschaften können, ohne das Letzte aus ihrem Grund herausholen zu müssen und ohne zu spritzen.

-Was muss die Politik tun, um Bienen zu retten?

Blühwiesen müssen stärker gefördert werden. Mit Geld kann man da viel erreichen. Viele Politiker haben das Problem ja erkannt, nur passiert nichts. Aber die sollten wissen, dass es ohne Bestäubung durch Insekten 40 bis 80 Prozent weniger Obst und Gemüse auf der Welt gäbe. Das wäre eine Katastrophe.

-Wie viele Bienenarten gibt es denn bei uns?

Klassische Honigbienen, die in Stöcken leben, gibt es nur vier oder fünf Arten. Insgesamt aber sind in Deutschland 570 Wildbienenarten bekannt, etwa die Hälfte ist akut vom Aussterben bedroht. Das sind Solitärbienen, die kein Volk bilden, etwa die Hummel. Oft sind sie auf einzelne Pflanzenarten spezialisiert: Sie brauchen die Pflanze – und umgekehrt.

-Wie sieht ein bienenfreundlicher Garten aus?

Das größte Problem ist gepflegter und trittfester Rasen. Schaut schön aus, aber da blüht nichts. Also bitte ein paar Eckerl nicht mähen, sondern wild wachsen lassen. Es gibt Kniffs und Tricks, unser Verein hilft da gerne.

-Man soll einen Teil des Gartens verwildern lassen?

Was heißt verwildern? Ich nenne es Mut zu einer höherwertigen Ordnung. Einer Ordnung, zu der Bienen, Igel und Vögel gratulieren werden.

-Welche Pflanzen gelten als bienenfreundlich?

Naja, Geranien und gefüllte Rosen jedenfalls nicht, da gibt es für Bienen und Insekten nichts zu holen. Man muss auf offene Blüten achten.

-Wie kann der Verbraucher beim Einkaufen unseren Bienen helfen?

Kauft Honig vom Imker aus der Region. Ich kenne sehr viele, die arbeiten alle vorbildlich. Sechs bis sieben Euro fürs Pfund, damit bekommt man nicht nur gesunden Honig. Viel wichtiger ist, dass man die Bestäubungsleistung der Bienen unterstützt. Eine Leistung, die unbezahlbar ist: Bienen kümmern sich um die Weitergabe von Leben.

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