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Kleines Tier, große Verzögerung: Weil an vier Stellen südlich der A 8 Zauneidechsen gefunden wurden, verschiebt sich das Planfeststellungsverfahren für den Lärmschutz bei Weyarn.

Ursache sieht recht süß aus

A8: Lärmschutzwall kann noch nicht gebaut werden - aus diesem possierlichen Grund

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Ein massiver Wall entlang der A8 bei Weyarn soll die Anwohner künftig vor Verkehrslärm bewahren. Der Bau verzögert sich aber. Die Ursache trägt den wohlklingenden Namen Lacerta agilis.

Weyarn – Ihre volle Pracht entfalten Zauneidechsen in der Paarungszeit. Dann nämlich leuchten die Flanken der Männchen in intensivem Grün. Sonst kommen die Tierchen recht unscheinbar daher. Bräunliche Haut, weiße Linien auf dem Rücken, kurze kräftige Beine und ein großer Kopf. Außergewöhnliche Anforderungen an ihren Lebensraum hat die Lacerta agilis, so ihr lateinischer Name, ebenfalls nicht. Heimisch ist sie überall in Deutschland. Auch in Weyarn. Und genau hier beginnt der Ärger.

In der Kloster-Gemeinde haben sich die flinken Echsen nämlich in der Nähe der Autobahn angesiedelt. Exakt an vier Standorten, auf denen der Lärmschutz entlang der A 8 errichtet werden soll. Die Tiere stehen auf der Roten Liste, gelten als „besonders geschützt“. Sie müssen daher vor Baubeginn umgesiedelt werden. Bis klar ist wohin, verzögert sich das Planfeststellungsverfahren.

Eine Zauneidechse.

„Eigentlich war geplant, es bis Ende 2017 zu beantragen“, sagt Gilbert Peiker, der Leiter der Abteilung Planung und Bau bei der Autobahndirektion Südbayern. Im Sommer habe der Landschaftspfleger bei der Überprüfung der technischen Pläne dann jedoch die Zauneidechsen entdeckt. Die tummeln sich demnach südlich der Autobahn auf dem Abschnitt zwischen der Anschlussstelle und der Überführung nach Holzolling.

„Um die Tierchen möglichst wenig zu stören, müssen wir die Pläne anpassen“, sagt Peiker. Hauptsächlich gehe es dabei um ein Regenrückhaltebecken, das etwas verschoben werden muss. Die Anpassungen seien aber fast fertig. Überdies muss die Autobahndirektion Flächen vorschlagen, wohin die Echsen umziehen können. Diese muss die Naturschutzbehörde im Landratsamt Miesbach dann noch abnicken.

Im Rathaus in Weyarn nimmt man die Verzögerung achselzuckend hin. Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) bleibt nicht viel anders übrig, als die Echsen-Causa auszusitzen. „Wenn es sachliche Gründe für die Verzögerung gibt, kann man die Gesetze nicht aushebeln“, sagt er. „Und ohne eine Regelung dieser Frage kommen wir nicht ins Feststellungsverfahren.“ Und ohne das Verfahren bekommt die Gemeinde den Lärmschutzwall nicht, der nun, fast 40 Jahre nach dem sechsspurigen Ausbau der A 8, nachträglich errichtet werden soll.

Einmal fertig soll das Bollwerk an der A 8 so aussehen: Es handelt sich dabei um eine bis zu 8,5-Meter hohe Wall-Wand-Kombination. In Weyarn wird sie 1,35-Kilometer lang, in Großseeham 1,6 Kilometer. Dort, wo ein Schutz besteht, wird dieser neu gebaut. Zudem wird ein Flüsterfahrbahnbelag zwischen Mangfallbrücke und Leitzachsenke verlegt.

Dafür müssen die Entwürfe aber erst einmal durch das Planfeststellungsverfahren, das jedes Projekt dieser Größenordnung durchlaufen muss. Statt Gemeinde und Landratsamt prüft hier die Regierung von Oberbayern das Bauvorhaben. Das dauert „ungefähr ein Jahr“, sagt Bürgermeister Wöhr – und schiebt nach: „Wenn alles gut geht.“ Dann könne der Bau in Angriff genommen werden.

Die Gelder – etwa neun Millionen Euro verschlingen die Lärmschutzmaßnahmen – stellt der Bund zur Verfügung. Dort sei das Projekt „hochpriorisiert“, sagt Wöhr: „Es ist wohl eher eine Frage der Genehmigungen.“ Damit diese zügig erteilt werden, will Wöhr hartnäckig bleiben und bei den Behörden nachhaken. Denn die lärmgeplagten Anwohner seien mittlerweile genervt. Das Lärmschutz-Projekt zieht sich. Nun die echsenbedingte Verzögerung. Klar, einfach wegnegieren könne man die Tiere nicht. „Begeistert bin ich aber nicht“, sagt Wöhr.

Die Laune steigern könnte indes die Ankündigung von Bauleiter Peiker, wonach das Planfeststellungsverfahren voraussichtlich im Frühjahr beantragt werde. Die Verzögerung sei ärgerlich, „lässt sich aber nicht mehr heilen“, sagt er.

fp

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