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Asylbewerber: Ein Dorf macht sich Sorgen

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Von: Marlene Kadach

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„Wir müssen nehmen, was wir bekommen“: Das Landratsamt sucht dringend Unterkünfte für Asylbewerber. Im Gästehaus (l.) neben dem ehemaligen Gathof Pritzl (r.) in Thalham sollen 30 Personen einziehen. foto: thomas plettenberg
„Wir müssen nehmen, was wir bekommen“: Das Landratsamt sucht dringend Unterkünfte für Asylbewerber. Im Gästehaus (l.) neben dem ehemaligen Gathof Pritzl (r.) in Thalham sollen 30 Personen einziehen. foto: thomas plettenberg

Thalham - Die 30 Asylbewerber, die bald nach Thalham kommen, sorgen für Wirbel. Die Dorfgemeinschaft hat ihre Bedenken in einem Offenen Brief formuliert. Doch das Landratsamt ist auf jede Unterkunft angewiesen.

Die Thalhamer sind besorgt, seitdem sie wissen, dass im Mai 30 Asylbewerber ins Gästehaus des ehemaligen Gasthofes Pritzl einziehen (wir berichteten). „Bei den Asylbewerbern handelt es sich sicher um bedauernswerte Personen, die ein schweres Schicksal hinter sich haben“, schreibt die Dorfgemeinschaft. „Auch sind die Thalhamer in keiner Weise ausländerfeindlich.“ Aber angesichts dessen, dass der Ort weniger als 50 Einwohner zählt und sich mit den Flüchtlingen die Bevölkerung in Thalham fast verdoppelt, haben sie doch einige Bedenken. Diese hat die Dorfgemeinschaft nun in einem Offenen Brief an Gemeinde und Landratsamt formuliert.

Zum einen sind die Bürger verärgert darüber, dass sie so spät von den Asylbewerbern erfahren haben. Auch die Zusammensetzung der Personen sei entscheidend. Sie befürchten, dass die Infrastruktur im Ort einer so großen Anzahl nicht gewachsen ist. Es gebe weder Freizeit- noch Einkaufsmöglichkeiten. Ein wichtiger Hinweis; immerhin bekommen Asylbewerber seit Kurzem statt Essen nur Geld. Die Busverbindungen seien schlecht. Außerdem: „Wer schlichtet bei Problemen?“, fragen sie sich und sorgen sich um ihre Sicherheit. Gibt es einen Dolmetscher?

Mit diesen Sorgen sind die Thalhamer nun zu einem Gespräch ins Rathaus gekommen. Der neue Bürgermeister Leonhard Wöhr gibt auf Anfrage unserer Zeitung Auskunft. Wöhr räumt ein, dass die Thalhamer zu spät informiert wurden. Allerdings habe die Gemeinde erst einen Tag vor der letzten Gemeinderatssitzung, als das Thema öffentlich wurde, selbst davon erfahren, beteuert er. Er verstehe, dass sich die Thalhamer überrumpelt fühlen. Die Gemeinde habe mit circa 15 Personen gerechnet.

Zudem hätte man bevorzugt, die Neuankömmlinge auf verschiedene Unterkünfte aufzuteilen. Eine Container-Lösung am Weyarner Sportplatz - wie vom Landratsamt vorgeschlagen - hatte die Gemeinde abgelehnt. Das konnte sie, weil es um baurechtliche Belange ging. Die Entscheidung fiel laut Wöhr nicht-öffentlich, weil es auch um privaten Grund ging. „Da wären doppelt so viele Flüchtlinge gekommen.“ Dass jetzt 30 im Gästehaus unterkommen, könne die Gemeinde rechtlich nicht beeinflussen. „Weil es eine Pension ist, braucht es keine Nutzungsänderung.“ Er betont: „Das Landratsamt ist zuständig für die Unterbringung.“ Aber er gibt der Behörde nicht die Schuld. Vielmehr machten die schwierigen Situationen in den Krisengebieten eine Aufnahme nötig; man wolle Menschen in Not ja auch helfen.

Um Bürger zu informieren, lädt die Gemeinde am 12. Mai zu einer Info-Veranstaltung. Bis dahin sollen die Asylbewerber nicht einziehen, sondern erst ab 15. Mai. „Das ist mit dem Landratsamt vereinbart.“ Auch Vertreter aus dem Landratsamt und von Gemeinden, die Erfahrungen gesammelt haben, sollen kommen. „Denn auch die Gemeinde muss sich erst darüber informieren, was die Menschen brauchen. Etwa Fahrräder oder einen Fahrdienst, damit sie mobil sind. Wöhr will soziale Träger motivieren. „Wir können die Thalhamer nicht allein lassen.“

Schließlich gebe es im Landratsamt nur einen zuständigen Mitarbeiter. Das bestätigt Behörden-Sprecherin Gabriele Dorby. Die soziale Betreuung läuft zusätzlich über Olga Denisov vom Verein Mensch zu Mensch. Das Landratsamt hat laut Dorby seit der Unterzeichnung des Mietvertrags im März von den 30 Asylbewerbern gewusst „und anschließend den Bürgermeister informiert“. Ihrer Behörde seien die Hände gebunden, der Landkreis bekomme eine Quote zugeteilt. „Wir rechnen zum Jahresende mit insgesamt 400 Asylbewerbern im Landkreis, aktuell haben wir 202“, so Dorby. „In welche Gemeinden die Asylbewerber verteilt werden, richtet sich nach dem Angebot an Unterkünften. Wir müssen nehmen, was wir bekommen.“

Wer nach Thalham kommt, sei ungewiss. „Allerdings achten wir auf eine ausgewogene soziale Mischung.“ Dorby betont: „Das sind keine verurteilten Straftäter, sondern Flüchtlinge!“ Zur Infrastruktur meint sie: „Im Landkreis gibt es einige Unterkünfte in kleinen Dörfern.“ Die Behörde hofft, viele freiwillige Helfer zu aktivieren. „Wir werden ein Hilfenetzwerk für die Asylbewerber aufbauen.“

Von Marlene Kadach

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