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Mit Polizei im Schlepptau holte das Landratsamt eine Familie aus der Asylbewerberunterkunft ab.

Familie mit kleinen Kindern muss unvorbereitet umziehen

Asylbewerber verlegt: Helferin beschwert sich

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Weyarn - Dass eine Familie mit drei kleinen Kindern aus Nigeria unvorbereitet aus einer Unterkunft in Weyarn ziehen musste, ärgert Susanne Wormslev vom Arbeitskreis Asyl. Doch laut Landratsamt war diese Kurzfristigkeit beabsichtigt – vorausgegangen seien einige gravierende Vorfälle.

Susanne Wormslev vom Arbeitskreis (AK) Asyl Weyarn ist sauer. „So kann Integration nicht stattfinden“, sagt sie. Sie schildert den Vorfall, der sie so aufregt, so: Am Dienstag um 6 Uhr steht das Landratsamt inklusive Polizei – unangekündigt – vor der Tür einer nigerianischen Familie, die erst seit Mai in der Asylbewerberunterkunft am Erlacher Weg wohnt. „Da haben sie plötzlich erfahren, dass sie umziehen müssen.“ Die Eltern mit drei kleinen Kindern – einem einjährigen Mädchen und zwei Söhnen im Alter von zwei und vier Jahren – müssen zum Packen anfangen. Zeit zum Vorbereiten hätten sie nicht gehabt.

„Die sollen in einen anderen Landkreis verlegt werden“, sagt Wormslev. „Angeblich hat sich der Vater beim Landratsamt schlecht benommen.“ So habe es eine Mitarbeiterin aus dem Landratsamt einer Helferin geschildert, die vor Ort war und Wormslev informierte. Was Wormslev ärgert: „Die Kommunikation funktioniert nicht gut mit dem Landratsamt“, schimpft sie und betont, dass das ihre persönliche Meinung ist und nicht die des gesamten Helferkreises – obwohl sie Sprecherin der für den Erlacher Weg zuständigen Gruppe ist. Keiner habe von der Verlegung gewusst. „Das machen die mit Absicht.“ Wormslev telefonierte mit Max Niedermeier, dem Integrationsbeauftragten des Landkreises. „Der wusste auch nicht Bescheid.“

Ein ähnlicher Fall habe sich heuer im Frühjahr am Erlacher Weg zugetragen. Ihr Ehemann Bernd Villwock hatte sich über das Landratsamt beschwert, weil sieben Asylbewerber in die Traglufthalle nach Holzkirchen verlegt wurden (wir berichteten). Auch hier habe die Kommunikation nicht funktioniert. Er sprach von „Behörden-Willkür“. Im Anschluss zogen Familien am Erlacher Weg ein – darunter die aus Nigeria. Daneben leben laut Wormslev in den vier Wohnungen zwei syrische Familien mit insgesamt acht Kindern sowie eine afghanische Familie mit vier Kindern. „Unter den Bewohnern gab es keine Probleme“, glaubt sie.

Birger Nemitz, Pressesprecher im Landratsamt, bestätigt die Umsiedlung der Familie. „Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen hat sich zu einer Aufnahme bereit erklärt.“ Das Landratsamt hatte dazu einen Umverteilungsantrag an die Regierung von Oberbayern gestellt. „Dieser Verlegung sind einige gravierende Vorfälle vorausgegangen“, erklärt Nemitz. Näher möchte er sich nicht dazu äußern. Die Abverlegung jetzt stehe im Zusammenhang mit einem Vorfall im Container in Holzkirchen. Wie berichtet, hatte Mitte August eine 32-Jährige aus Somalia einem Nigerianer (31) heißes Fett ins Gesicht geschüttet, weil dieser ihr ans Gesäß gefasst haben soll. Beide wurden verlegt. Der jetzt verlegte Familienvater ist laut Nemitz mit dem 31-Jährigen befreundet, er wollte die Angelegenheit „weiter verfolgen“. Folglich habe er für Unruhe in Unterkünften in Weyarn und Holzkirchen gesorgt. „Andere Asylbewerber haben sich schriftlich bei uns beschwert.“ Dass die Familie so kurzfristig verlegt wurde, sei so gewollt. In den Augen des Landratsamtes sei das „sinnvoller“, sagt Nemitz. Wohl, um Konflikte zu minimieren. „Der Fachbereich des Landratsamtes wurde bei dem Umzug sehr tatkräftig vom Helferkreis Weyarn unterstützt und bedankt sich dafür.“

Für Wormslev ist das ganze auch ein Rückschlag für den AK Asyl. Alle Zeit, die man in die Bewohner und deren Integration im Ort gesteckt habe, sei zunichte gemacht. „Dann habe ich als Helfer bald keine Lust mehr, weiterzumachen.“ Wormslev hatte für den Vater in Weyarn eine Arbeit gefunden, ein Sohn besuchte den Kindergarten. Die Familie befinde sich seit drei Jahren in Deutschland, zuvor lebte sie im Holzkirchner Container. Jetzt müssen sie wieder von vorn anfangen.

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