Hochwasser in Stürzlham
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Land unter: Hier in Stürzlham (Gemeinde Weyarn) und Oberdarching (Gemeinde Valley) war die Lage am Montagabend (26. Juli) besonders brenzlig.

„An jeder Ecke ein Blaulicht“

Schweres Unwetter trifft Region Miesbach: Sturzbäche fluten ganze Dörfer - Evakuierungen vorbereitet

  • Andreas Höger
    VonAndreas Höger
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Erst kam der Hagel. Dann ging ein Starkregen nieder, den in den betroffenen Dörfern noch niemand so heftig erlebt hat. Das Gewitter am Montagabend richtete in Gemeinden im Landkreis Miesbach schwere Schäden an.

Valley/Warngau/Weyarn – „Von überall schoss das Wasser daher, aus jeder Bodenritze ist es herausgequollen.“ Warngaus Feuerwehr-Kommandant Johann Eder erging es am Montagabend wie vielen Kameraden und selbst älteren Bürgern. An ein Unwetter mit solcher Hochwasserwucht konnte sich niemand erinnern. „In der Form bisher einzigartig“, bestätigt Kreisbrandinspektor (KBI) Andreas Schwabenbauer. „Dass das Wasser so schnell und in solchen Mengen aus den Feldern hereindrückt, das ist neu für uns.“

Schwere Gewitter wüten im Landkreis Miesbach: Evakuierungen vorbereitet

Das Gewitter zog von Westen auf, gegen 19.30 Uhr gingen die ersten Alarme. Wie das Landratsamt mitteilt, mussten etwa 70 Keller ausgepumpt werden. Die Lage spitzte sich derart zu, dass Vorbereitungen getroffen wurden, die Bewohner mehrerer Ortsteile der Gemeinde Weyarn zu evakuieren – was letztlich nicht nötig war.

Starkregen und riesige Hagelkörnern: 25 der 36 Landkreis-Feuerwehren eilen in Flutdörfer

Dennoch stellte das Landratsamt von 22.09 Uhr bis 0.40 Uhr „Artikel 15 Katastrophenschutzgesetz“ fest, die Vorstufe des Katastrophenfalls. Damit fungierte Kreisbrandrat Anton Riblinger als übergeordneter Einsatzleiter und konnte Einsatzkräfte besser koordinieren. Insgesamt waren 608 ehrenamtliche Helfer im Einsatz, darunter BRK und THW. 25 der 36 Landkreis-Feuerwehren halfen, die Fluten zu bändigen. Unterstützung kam von Wehren aus den Landkreisen München und Rosenheim.

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Das Gewitter zog von Westen auf, überquerte Otterfing und Holzkirchen, ohne Schaden zu hinterlassen. Gleich dahinter gingen die Schleusen auf, der Unwetterstrich zog sich von Darching (Gemeinde Valley) bis nach Irschenberg. „In Osterwarngau schüttete es 50 Liter pro Quadratmeter in 20 Minuten“, berichtet Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber. „Der Wahnsinn, was da in kurzer Zeit runterkam. Das packt kein Gully mehr.“ Das Quartier Wirtsbreite, Allerheiligenweg, Riedstraße war besonders betroffen, dazu Osterwarngau. Die Gemeinde kündigte an, dass am heutigen Mittwoch eine Kehrmaschine die Straßen reinigt.

Starkregen in Region Holzkirchen: „Der Wahnsinn, was da in kurzer Zeit runterkam“

Die Tieferlegung der B 318 in Oberwarngau lief in kürzester Zeit voll. „Ein Auto ist aufgeschwommen“, berichtet Kommandant Eder. Die zwei Insassen retteten sich aufs Dach, die Feuerwehr zog den Wagen aus der Flut. Die B 318 und die Kreisstraße MB 17 bei Thalham waren gesperrt, die Autobahn nach dem Hagelsturm kaum befahrbar. Bei Oberwarngau und am Weyarner Berg gingen laut Landratsamt kleinere Muren ab. Viele kleine Straßen waren gesperrt.

In Oberdarching und Teilen Mitterdarchings liefen laut Kommandant Bernhard Huber etwa zehn Häuser voll. Der Hagel hinterließ schneeweiße Flächen, vom Fentberg und aus Schmidham rauschten Bäche herab. „Das Wasser stand knietief im Ort“, berichtet KBI Schwabenbauer. „Die Keller sind bis unter die Decke vollgelaufen.“ Zwei Öltanks barsten, ein weiterer drüben in Stürzlham (Gemeinde Weyarn). Eine Spezialfirma ist gefordert, die ÖlWasser-Brühe aus diesen Kellern abzupumpen.

Feuerwehren im Dauereinsatz: Keller laufen voll - Öltanks werden leck

In weiten Teilen Weyarns war Land unter. „An jeder Ecke ein Blaulicht“, berichtet Bürgermeister Leonhard Wöhr. Weyarns Zweiter Kommandant Daniel Arbinger fand Hagelkörner mit Durchmessern von bis zu vier Zentimetern. In Weyarn selbst, Thalham und besonders Stürzlham ergossen sich aus den Feldern Sturzbäche. „Wir haben Erfahrung mit Unwettern“, sagt Arbinger, „aber in der Dimension habe ich das noch nicht erlebt.“ Ein Feuerwehrmann und ein Anwohner verletzten sich leicht bei Rettungsarbeiten in Stürzlham.

Unwetternacht im Landkreis Miesbach: Schneepflug im Einsatz

Mehr Verletzte forderte die Unwetternacht nach ersten Erkenntnissen nicht. Dennoch, die betroffenen Bürger würden jetzt einiges durchmachen, weiß Wöhr. „Wasser im Haus, das ist hart.“ Selbst wenn irgendwann alles getrocknet ist, „es bleibt der ganze Schlamm bis ins Erdgeschoss“, sagt Wöhr. „Das stinkt noch Wochen.“

Hagel zerschlägt Dach

Die Hagelkörner gerieten in den Weyarner Ortsteilen zu Geschossen. Maisfelder wurden zerfetzt, Löcher in Gärten gestanzt. „Wir wollten gerade mit einer Übung beginnen“, sagt Gotzings Kommandant Ludwig Bichler. Live erlebte die Truppe, wie der Hagel ihre Autos zerbeulte und das Garagentor des Feuerwehrhauses zerschlug.

Viele Dächer wurden beschädigt. In Kleinpienzenau durchbrachen die Schloßen im Autohaus Weiss die großen Fenster im Flachdach. „Der Hagel hat ausgeschaut wie kleine Diskusscheiben“ erzählt Geschäftsführer Markus Weiss. Selbst eine doppelte Plexiglas-Schicht hielt den Geschossen nicht stand.

Der Weyarner Bauhof montierte den Schneepflug und räumte laut Wöhr die Straßen frei von Hagel, Ästen und Laub. Viele Bäume hat der Hagel weitgehend entlaubt. „Meine Frau wohnt seit 60 Jahren in Gotzing“, sagt Wöhr. „Solchen Hagel hat sie dort noch nie erlebt.“

Um die vielen gleichzeitigen Notrufe zu bewältigen, richtete die Feuerwehr in der Holzkirchner Rettungswache eine Koordinierungsstelle ein. Mit im Krisenstab war das BRK. Die Rotkreuzler stellten eine Unterstützungsgruppe ab und eine Verpflegungseinheit. Angesichts der Wetterprognosen warnt das Landratsamt vor weiteren Unwettern mit Starkregen, Wind und Hagelschlag und bittet darum, Häuser und Keller zu sichern und sich selbst nicht in Gefahr zu begeben.

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