+
Helfen Fröschen, Molchen und Kröten über die Straße: Rita Thelen (l.) und Caroline Maxein zwischen Bruck und Holzolling nahe dem Brucker Weiher.

Naturschützer in Weyarn dürfen Zaun nicht aufstellen

Behörde steht Amphibienschutz im Weg

  • schließen

Im Frühling wandern Molche, Kröten und Frösche zu ihren Laichplätzen – oft ist das eine Reise in den Tod. Naturschützer wollen am Brucker Weiher nahe Weyarn einen Zaun aufstellen, um die Amphibien zu schützen. Doch das Landratsamt spielt nicht mit.

Weyarn –Der Brucker Weiher auf Weyarner Flur ist ein Juwel der Artenvielfalt. Hier laichen Molche, Erdkröten – und die vom Aussterben bedrohten Gras- und Laubfrösche. Sobald die Temperaturen steigen, erwachen sie aus ihrer Winterstarre. In der Abenddämmerung wandern sie dann zielsicher über die Kreisstraße zu jenem Laichgewässer, in dem sie einst geboren wurden. So erklärt es Werner Fees. Der 85-Jährige war viele Jahre lang Vorsitzender der Kreisgruppe Miesbach des Bund Naturschutz. „Es gibt eine Faustregel: Die Amphibienwanderung beginnt, wenn es um 18 Uhr sechs Grad hat und regnet.“ Meist sei das irgendwann zwischen Ende Februar und Ende April der Fall. Der Höhepunkt sei im März erreicht. „Heuer steht uns der große Zug noch bevor“, sagt Fees.

Bevor es soweit ist, wollen er, seine Mitstreiterin Rita Thelen und weitere Weyarner Naturschützer an der Kreisstraße Neukirchen-Bruck am Brucker Weiher einen Amphibienschutzzaun aufstellen. Denn viele Tiere werden beim Überqueren der Straße überfahren. Thelen zählte vergangenes Jahr binnen weniger Tage 85 tote Amphibien, darunter auch solche, die als gefährdet gelten. Entlang dieses etwa 30 Zentimeter hohen Zauns sind Eimer in die Erde eingegraben. In diese plumpsen die Amphibien auf ihrer Reise. Ehrenamtliche Helfer sammeln sie ein und tragen sie über die Straße. Dank Spenden konnten Fees und Thelen bereits einen Schutzzaun kaufen. Allerdings ist für das Aufstellen des Zaunes eine straßenrechtliche Anordnung erforderlich. Und die gibt es nicht. 

Naturschutzbehörde argumentiert: Population zu klein

„Es geht um die Sicherheit der Absammler, die in der Dämmerung unterwegs sind und um die der anderen Verkehrsteilnehmer“, erklärt Landratsamtsprecher Birger Nemitz. Die Untere Naturschutzbehörde, die beim Landratsamt angesiedelt ist, hält einen Schutzzaun am Brucker Weiher nicht für notwendig. „Es ist klar, dass am Brucker Weiher Amphibien wie Grasfrösche oder Erdkröten ziehen. Nach Einschätzung der Experten unserer Behörde sind es aber maximal 200 Tiere“, sagt Nemitz. An anderen Orten gebe es deutlich größere Populationen, etwa in Kreuth, wo rund 14 000 Kröten und Frösche pro Saison ziehen. Daher solle man sich auf die Schwerpunkte konzentrieren. „Sowohl aus Personal- und Kostengründen, als auch aus organisatorischen Gründen können wir nicht überall Zäune errichten.“ Man brauche außerdem ausreichend Helfer, die die Amphibien einsammelten.

Fees und Thelen können diese Argumentation nicht nachvollziehen. „Das ist totaler Unsinn“, sagt Fees. Gerade eine kleine, gefährdete Population müsse geschützt werden, große Populationen könnten sich leichter selbst erhalten. „Man kann doch nicht sagen, man lässt eine Population sterben, nur weil sie klein ist!“, ärgert sich Fees. „So eine Aussage darf eine Naturschutzbehörde nicht machen!“

Die Weyarner Naturschützer gehen außerdem von deutlich mehr als 200 Tieren aus. Rita Thelen zählte 2018 fast 300 Amphibien. Weil sie nur stundenweise und nicht täglich gezählt hat, rechnen die Naturschützer mit etwa 500 Tieren, die im Brucker Weiher laichen. Nicht zuletzt gebe es in ihren Reihen genug Ehrenamtliche, die bereit seien, am Brucker Weiher die Amphibien einzusammeln.

Fees und Thelen haben nun einen Brief an Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) geschrieben. Sie hoffen auf eine schnelle Lösung. Mit Blick auf den unmittelbar bevorstehenden großen Amphibienzug sei äußerste Eile geboten.

Lesen Sie auch: Mähroboter mögen praktisch sein - doch für Igel,  Frosch & Co. bringen sie den Tod

Gut für Mensch und Biene - Tipps für den eigenen Garten

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Sandoz: Betriebsrat will einen Teil der Arbeitsplätze erhalten
Der Betriebsrat des Pharmakonzerns Sandoz versucht die Schließung des Entwicklungszentrums in Holzkirchen zu verhindern. Dafür hat er der Geschäftsführung zwei Konzepte …
Sandoz: Betriebsrat will einen Teil der Arbeitsplätze erhalten
Trotz Schloss: Teures Fahrrad in Holzkirchen geklaut
Obwohl sie mit Schlössern gesichert sind, verschwinden in Holzkirchen immer wieder Fahrräder. Jetzt hat es einen zehnjährigen Schüler getroffen.
Trotz Schloss: Teures Fahrrad in Holzkirchen geklaut
Hochwertige Reifen von Mercedes-AMG geklaut
Hochwertige Winterreifen haben Unbekannte auf dem Pendlerparkplatz Weyarn direkt von einem abgestellten Mercedes geklaut.
Hochwertige Reifen von Mercedes-AMG geklaut
Wohnen über dem Parkplatz am Bahnhof?
Unten parken, oben wohnen: Das bayerische Bauministerium will das Konzept der Stelzenhäuser in Bahnnähe forcieren. Vielleicht wäre das in Holzkirchen bei der …
Wohnen über dem Parkplatz am Bahnhof?

Kommentare