Bettelhochzeit Neukirchen
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Ganz Neukirchen hat die Bettelhochzeit der Oberlandler mitgefeiert.
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Ganz Neukirchen hat die Bettelhochzeit der Oberlandler mitgefeiert.

„Heid werd sauba gracht und gsuffa!“

Liebesschwur auf dem Misthaufen: Die besten Bilder der Bettelhochzeit in Neukirchen

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Sie haben sich nicht lumpen lassen. Auf „einem der schönsten Dreckhaufen im Landkreis“ ließen die Trachtler aus Neukirchen am Wochenende das Brautpaar des Jahres hochleben.

Neukirchen – Eine große Festgesellschaft zelebrierte am Samstag bei der Bettelhochzeit der Oberlandler in Neukirchen die feierliche Vermählung zwischen der „obakemmanen Walli mit de langa Irxn, Sennerin vo da Dammaloim am Miezmountain“, und dem „hoaßn kurzhaxadn Willi Ritch vo Ritchwillitch im Doi“.

Lange schon, bevor sich der Festzug pünktlich um 10.71 Uhr in Richtung Traualtar in Bewegung setzte, hatte sich die illustre Gesellschaft rund um den Maibaum versammelt: „Bucklade Verwandtschaft, Mietbetrüger, Leitausschmierer und Hartz Vierer, Spekulierer, Gaffer und des ganze Gsindel“, das Hochzeitslader (Lena) Rummel begrüßte und energisch durch alle protokollarischen Verpflichtungen dieses besonderen Tages geleitete, bis dieser zu sehr vorgerückter Stunde beim Wein ausklang.

Eine ordentliche bayerische Hochzeit eben mit allem, was dazu gehört. Vom Abholen der von Fähnrich Leonhard Schmid graziös verkörperten Braut Walli von Miezmountain (auf gut Deutsch „Katzenberg“) über das bis zum Aschermittwoch gültige Ehegelöbnis bis hin zu den Ehrentänzen im Theatersaal des Landgasthofs, in dem sich der harte Kern von 170 Akteuren das Festmahl schmecken ließ. Frei nach dem Motto „heid werd sauba gracht und gsuffa!“.

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Auch die Ehrenmutter, für deren tadellosen Teint sich Trachtler-Chef Hartl Zinsbacher extra seinen Bart abrasiert hatte, hatte sich „zur Feier des Tages“ eine Virginia genehmigt, während sie mit Hochzeitslader und Brautpaar von Bernhard Meier mit seinem schön geschmückten Güldner-Traktor zum „Ja-Wort aufm gstingatn Haufn“ gefahren wurde. Wobei dessen Geruch sich unter Weihrauch- und Glühweinduft gar nicht erst entfalten konnte.

Dass im Eifer des Gefechts keiner vom sicheren Holzpodest in den Mist trat, hatte Hochwürden fest im Blick. „Passt’s auf, do geht’s owe!“, warnte Michael Stacheder, der die Trauung vollzog. Als Pfarrer Bürstl schlüpfte er dabei in dieselbe Rolle wie vor zwei Jahren beim Theaterstück vom Pfarrhaus, in dem der Deife los war. Diesmal klärte er den kurzhaxadn und schmächtigen, „reichen aber gstumperten“ Willi Ritch, alias Maria Feller, über seine Pflichten als Ehemann auf, nachdem er sich zwischen Braut und Geistlichem so weit nach vorne gedrängt hatte, dass er auch etwas sah. Von Reste-Essen, viel Hausarbeit, Geld und Auto abgeben und Walli stets auf Händen tragen war da die Rede. Den schüchternen Einwand, dass gerade letzteres aufgrund seiner körperlichen Konstitution schwer fallen könnte, entkräftete Bürstl sofort. Er habe nicht gesagt, dass es einfach werden würde.

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Zunächst stand aber ohnehin das ausgelassene Feiern im Mittelpunkt. Der „Kirchenchor“ stimmte zu YMCA und Cats seine musikalischen Grußbotschaften an. Die feschen Dirndl hatten mit Kanistern voller Kittelschnaps reichlich Hochprozentiges dabei und als mit einem Trommelwirbel die Burschen zum Goaßlschnoizn antraten, ging ein anerkennendes Raunen durch die Reihen. Am Ende des Feiermarathons wird sich manch einer so schäbig gefühlt haben, wie der mit Krempel behängte und von „immer blau Pienzenau“ spendierte Aussteuer-Baum aussah, den zwei mäßig enthusiastische Goaßn auf einem Wagerl hinter sich her gezogen hatten.

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