Larissa Kranisch beim Bouldern an der Kletterwand
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Ab an die Wand: Larissa Kranisch gibt Boulderkurse gegen Depressionen. Aktuell ist das wegen der Corona-Beschränkungen freilich nicht möglich.

Hilft auch gegen Corona-Koller

Bouldern gegen Depressionen: „Der Kopf kann sich eine Auszeit nehmen“

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Gerade in der Corona-Krise verfallen viele Menschen in negative Stimmungen. Larissa Kranisch (31) bietet Kurse zum Thema „Bouldern gegen Depressionen“ an. Ein Gespräch. 

Frau Kranisch, fallen im Lockdown mehr Menschen als sonst in eine Depression?

Ich würde sagen: ja. Und der therapeutische Bedarf nach der Corona-Krise wird noch steigen. Besonders hart trifft der Lockdown psychisch vorbelastete Menschen. Die soziale Anerkennung und die Alltagsstruktur gehen verloren. Man ist isoliert und mit sich und seinen Gedanken allein. Und man hat niemanden, der einem einen anderen Blick aufzeigen kann. So gerät man leicht in eine Grübelschleife.

Und Bouldern hilft dabei, aus dieser Grübelschleife rauszukommen?

Beim Bouldern konzentriert man sich auf das Hier und Jetzt. Man achtet nur darauf, wo man seinen Fuß, seine Hand als Nächstes hinsetzen muss. Und so hat man keine Möglichkeit mehr, sich viele Gedanken zu machen. Der Kopf kann sich dadurch eine Auszeit nehmen.

Das ist alles?

Jede Stunde startet mit einer Achtsamkeitsübung. Das kann eine Gedankenreise durch den Körper oder eine Gruppenübung sein, in der wir uns beispielsweise auf eine simple Sache wie das Zählen konzentrieren. Wir verknüpfen das Bouldern mit verschiedenen Themen wie Angst, Erwartungen, innere und äußere Grenzen und gehen mit diesem Thema anschließend an die Boulder- oder Kletterwand.

Die Weyarner Kletterhalle ist nun schon viele Monate geschlossen. Können Sie ihren Schützlingen trotzdem helfen? Gerade in der Krise bräuchten sie doch Unterstützung.

Wir bleiben miteinander im virtuellen Austausch, besprechen Alltagsthemen und geben Übungen für zu Hause an die Hand. Aber natürlich geht gerade unseren Teilnehmern der Ausgleich ab.

An welche Zielgruppe richtet sich Ihr Programm?

Unsere Gruppen sind bunt durchgemischt. Es kommen überforderte alleinerziehende Väter und Mütter, Menschen mit Depressionen oder Burn-out. Aber auch Menschen, die mal aus dem Alltag raus und neue Energie und Kraft tanken wollen. Wir bekommen übrigens auch immer mehr Anfragen von Jugendlichen. Eventuell starten wir nach Corona einen extra Kurs für die Jugend.

Ihre Kurse basieren auf einer Studie des Universitätsklinikums Erlangen, auch in Weyarn wurde zu dem Thema „Bouldern gegen Depressionen“ geforscht. Wie hat das Konzept insgesamt abgeschnitten?

Die Studie hat bestätigt, dass Bouldertherapien insgesamt sogar besser und nachhaltiger wirken als reguläre kognitive Verhaltenstherapien. Gerade die Kombination aus Bouldersport und verschiedenen therapeutischen Ansätzen schafft einen einzigartigen und lang anhaltenden Mehrwert für jeden, der sich in einer depressiven Episode, einer Lebenskrise oder einem Burn-Out nahe fühlt.

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