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Wegweiser für Flüchtlinge: Mit roten Punkten hat die Weyarner Büchereileiterin Barbara Stutzmann rund 100 Bücher beklebt, die für Asylbewerber interessant sind.

Asyl-Literatur wird gekennzeichnet

Bücherei: Integration im Regal

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Weyarn - Die Gemeindebücherei Weyarn kennzeichnet fortan Asyl-Literatur. Einen separaten Bereich lehnt Leiterin Barbara Stutzmann aber ab.

Ein Asylregal kommt Barbara Stutzmann nicht ins Haus. „Das wäre ja wieder eine Art von Abgrenzung“, sagt die Leiterin der Weyarner Gemeindebücherei. Und damit mit ihrem Verständnis von Integration nicht vereinbar. Die nämlich geht in ihren Augen immer mit einer Vermischung der Kulturen einher – auch in einer Bibliothek. Also beklebte Stutzmann insgesamt 100 Bücher mit einem roten Punkt – und stellte sie wieder zurück in ihre angestammten Regale. Egal ob Roman, Sach-, Sprach- oder Bilderbuch: Jeder Band in seinem Bereich. Einzig der rote Punkt verrät, dass der Inhalt besonders für Asylbewerber geeignet ist. 

Besonders, aber eben nicht ausschließlich. So sollen nicht nur die Flüchtlinge und ihre Helfer die roten Buchrücken aus dem Regal ziehen, sondern auch jeder andere Leser, der sich für das Thema interessiert. „Wir wollen auf beiden Seiten sensibilisieren“, sagt Stutzmann. Eine Bücherei habe die Aufgabe, auf Zeitereignisse einzugehen – und nicht nur Bestseller vorzuhalten. Wer jetzt aber denkt, dass die gekennzeichneten Bücher nur dröge Schinken sind, liegt falsch. Laut Stutzmann sind auch etliche spannende Romane – zum Beispiel über Frauenschicksale in Palästina – mit dabei. Viele davon hatte die Gemeindebücherei bereits in ihrem Bestand. Andere, vor allem Lehr- und Sprachbücher, beschaffte das Team neu. 

Die dafür nötigen Mittel stellte der Sankt Michaelsbund München als Kooperationspartner in Form eines Zuschusses in Höhe von 800 Euro zur Verfügung. Ob sie das Geld überhaupt einsetzen kann, wusste Stutzmann zuerst nicht. „Die Förderung war eigentlich für eine Asylothek gedacht“, erklärt sie. Als sie jedoch ihre Ablehnung eines separaten Regals begründete, habe sie grünes Licht für ihre roten Punkte bekommen. 

Von denen erhofft sich die Büchereileiterin noch einen weiteren Nebeneffekt. So sollen sie die Asylbewerber in alle Bereiche der Bibliothek locken, und damit deren Interesse an deutschsprachiger Literatur wecken. Das gelinge mit einer bunten Vielfalt viel eher als mit einem vorsortierten Asylregal, wo die meisten Bücher ohnehin oft von Helfern ausgeliehen seien. 

Letztere seien nun vor allem gefordert, die Hemmschwellen der Flüchtlinge abzubauen. „Nicht alle trauen sich alleine in eine Bibliothek“, sagt Stutzmann. Nicht nur wegen der fremden Sprache, sondern auch wegen der Unsicherheit beim Ausleihen. Die brauche es aber gar nicht, versichert die Büchereileiterin. So könnten die Flüchtlinge kostenlos einen Ausweis bekommen. Drei hätten sich bereits fest angemeldet. Wer das nicht wolle, für den könne auch ein Helfer einspringen. „Beim Zurückgeben sind wir eh nicht so streng“, sagt Stutzmann. Vor allem bei Lehrbüchern sei eine Verlängerung ohnehin sinnvoll und meist auch kein Problem. 

Aber auch wer noch nichts ausleihen will, sei willkommen. Zum Schmökern vor Ort oder einfach nur zum Reinblättern. Der rote Punkt soll den Flüchtlingen Orientierung bieten. Als Wegweiser, nicht als Stoppschild.

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