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Das neue Elektroauto NIO EP9 des chinesischen Herstellers NextEv – mit dem das KDX Europe Composites R&D Center in Weyarn kooperiert – wird präsentiert. Auf dem Bild sind Zhong Yu (l.), Chairman der KANGDE Group (Mutterkonzern), und Hui Zhang, General Manager von NEXTEV GmbH München, zu sehen.

Herr Zhong und die Zukunft

Weltbühne Weyarn: Chinesen eröffnen riesiges Forschungszentrum

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Mit einer Riesenparty samt Ilse Aigner und 300 geladenen Gästen hat ein chinesischer Technik-Konzern sein supermodernes Forschungszentrum in Weyarn eröffnet. Dort wird an Carbonfastern geforscht.

Weyarn – Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt: 300 Besucher sind geladen, rein kommt nur, wer auf der Gästeliste steht. Eine Live-Band spielt, an einer Bar gibt’s Getränke, es riecht nach Essen. Endlich marschiert Wirtschaftsministerin Ilse Aigner auf dem roten Teppich ein, der chinesische Botschafter Shi Mingde schlüpft durch den Eingang. „Das ist der Bürgermeister“, stellt Aigner ihm Leonhard Wöhr vor. Händeschütteln. Manche drücken unbeholfen auf den Headsets für die Übersetzung herum, in einer Glasbox sitzt ein Dolmetscher. Dazwischen stehen Gemeindevertreter in Lederhosen. Eine bunte Mischung.

Mit großem Aufwand fand jetzt die Einweihung des KDX Europe Composites R&D Center in Weyarn statt. Laut Heike Keim von der xC Consultants GmbH, die sich um die Pressearbeit kümmert, handelt es sich um ein chinesisches Tochter-Unternehmen des chinesischen Technologiekonzerns KANGDE Group, allerdings um eine deutsche GmbH. Diese hat Räume bei der Fritzmeier Group gemietet. Insgesamt werden rund 31 Millionen Euro in das Forschungs- und Entwicklungszentrum investiert. Im Moment seien dort 22 Mitarbeiter beschäftigt, davon 90 Prozent Deutsche, bis Ende 2017 sollen es 40 Beschäftigte sein. „Eine deutsch-chinesische Freundschaft, die gut funktioniert“, meint Keim.

Chef der Anlage Peng He (l.) und Professor Klaus Drechsler, dem Leiter des Lehrstuhls für Carbon Composites an der TU, in der Maschinenhalle in Weyarn.

Es gibt eine Kooperation mit der Technischen Universität München, federführend mit Professor Dr. Klaus Drechsler, dem Leiter des Lehrstuhls für Carbon Composites. Die Firma ist im Bereich der Entwicklung von Faserverbund-Werkstoffen – primär Carbon- oder Kohlefaser – in der Fahrzeugindustrie tätig. Die Zukunftstechnologie schlechthin. Es geht um Leichtbau und Elektromobilität. Um carbonfaserverstärkte Kunststoffe, die auch in der Luft- und Raumfahrt eine Rolle spielen und im Moment noch sehr teuer sind, wie Ingenieur Max Eppensteiner erklärt. Um die Reichweite der Akkus in E-Autos zu erhöhen, brauche es leichte Baustoffe, damit Energie gespart wird. Hier in der 3000 Quadratmeter großen Halle forschen Eppensteiner und seine Kollegen, sie produzieren Prototypen und Kleinserien. Die Herstellung im großen Stil erfolgt laut Keim für den chinesischen Markt. Das Attribut „Made in Germany“ sei wichtig.

Dann tritt Aigner auf die Bühne: „Sie stoßen ein Fenster in die Zukunft auf.“ Sie freue sich, dass hochkarätige Arbeitsplätze entstehen. Zhong Yu, Chairman der KANGDE Group, beschwört die gute Partnerschaft zwischen China und Deutschland. Laut Botschafter Shi Mingde ist China ein wichtiger Handelspartner für Deutschland. Viele Medien hier würden über eine chinesische „Invasion“ berichten. Er findet: „Zu einer guten Zusammenarbeit gehören immer zwei Seiten.“ Deutschland verfüge über eine moderne Technologie, China über einen großen Markt.

Dann wartet eine Überraschung. Der NIO EP9 des chinesischen Elektroautoherstellers NextEv, mit dem die Firma kooperiert, wird enthüllt. Ein Elektroauto mit 1360 PS, es gibt weltweit sechs Exemplare. Laut Keim kostet der Wagen rund 1,2 Millionen Euro. Zeit, von der Zukunft zu träumen.

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