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Dem Vergessen entrissen: Weyarn zeigt Gemälde von Rudolf Groeschel

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Von: Alexandra Korimorth

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Insgesamt 60 Leihgaben zeigen das Werk von Kunstmaler Rudolf Groeschel. Kurator Herbert Klee und Katja Klee vom Mitmachamt der Gemeinde Weyarn freuen sich, dass die Werke des „Chiemseemalers“, der in Fentbach eine Heimat fand, bis 5. September im Rathausspeicher und im Bürgergewölbe gezeigt werden können.
Insgesamt 60 Leihgaben zeigen das Werk von Kunstmaler Rudolf Groeschel. Kurator Herbert Klee und Katja Klee vom Mitmachamt der Gemeinde Weyarn freuen sich, dass die Werke des „Chiemseemalers“, der in Fentbach eine Heimat fand, bis 5. September im Rathausspeicher und im Bürgergewölbe gezeigt werden können. © Thomas Plettenberg

Seine Gemälde zeigten nicht nur Landschaften, sondern auch Stimmungen und politische Großwetterlagen. Nun sind die Werke von Kunstmaler Rudolf Groeschel wieder zu sehen: in einer Ausstellung in Weyarn zu seinem 130. Geburtstag. 

Weyarn – Der 130. Geburtstag des Kunstmalers Rudolf Groeschel (1891 – 1985) hat der Förderverein Kultur & Geschichte in Weyarn zum Anlass genommen, um das eindrucksvolle Werk des langjährigen Fentbachers in Erinnerung zu rufen und zu würdigen. Gelungen ist das mit insgesamt 60 Leihgaben, die sich im Rathausspeicher und im Bürgergewölbe zu einer einzigartigen Retrospektive zusammenfinden.

Rudolf Groeschel ist in der Kunstwelt kein unbekannter. Schließlich zählte er zu den Chiemseemalern und war schon zu Lebzeiten angesehen. Seine Ölgemälde zeigen Berg- und Seepanoramen, grüne Wiesen- und Baumlandschaften, einsame Weiler, Höfe und Stadel. Das meiste Motive aus der unmittelbaren Umgebung von Weyarn. Denn als es Groeschel am Chiemsee in den 1930er-Jahren zu trubelig wurde, kaufte er 1938 kaufte er den Zehenstadl in Fentbach als Wochenend- und Maldomizil. „Er wollte etwas unberührtes, was er bei uns im Mangfall- und Leitzachtal gefunden hat“, erklärt Katja Klee vom Mitmachamt der Gemeinde. Als Groeschels Münchner Wohnung mit Atelier 1944 ausgebombt und viele seiner Werke zerstört wurden, beschloss er, Fentbach und den Zehenstadl, der mittlerweile Künstlerhaus hieß, ganz zu seinem Zuhause zu machen.

Dass ihm Haus und Weiler zur Heimat wurden, verraten etliche Gemälde seines Domizils mit Garten, das er von sämtlichen Seiten und zu den verschiedensten Jahreszeiten festhielt – und stets mit einer Aura der Geborgenheit und Friedlichkeit („Künstlerhaus im sommerlichen Garten“, „Haus Südseite“).

Landschaften, die Zeitgeschichte erzählen

Das ist es auch, was seine Kunst ausmacht: Groeschel, „ein Meister des Grüns“, wie ihn Ute Bößwetter in ihrer Einführungsrede bei der Vernissage am Wochenende nannte, zeigt durch Farbe, Licht und die Tiefe seiner Gemälde viel mehr als die Landschaften in den jeweiligen Jahreszeiten oder Wetterlagen. Er zeigt Feinstoffliches: Stimmungen und politische Großwetterlagen. Etwa bei der „Winterlandschaft“ (Exponat Nummer 5), das im Jahre 1944 einmal mehr von seinem favorisierten Malstandort aus entstand, dem Weyarner Lindl, und die viel von dem Lebensgefühl in diesem Jahr erzählt.

„Groeschel hat Zeitdokumente geschaffen, die unsere Region von den 20er- bis in die 80er-Jahre des 20. Jahrhunderts zeigt. Er zeigt auch, wie sich die Landschaft verändert“, erklärt Sepp Hatzl, Vorsitzender des Fördervereins Kultur & Geschichte in Weyarn. Als Kind hat Hatzl ihm selbst immer wieder beim Malen zugesehen, wenn Groeschel täglich mit Staffelei rund um Weyarn unterwegs war. So kann er heute genau sagen, wo der Künstler sseinerzeit gestanden haben muss.

Viele Weyarner Flecken sind zu entdecken

Vermutlich ist dieses Wiedererkennen der eigenen Um- und Lebenswelt auch der Grund, warum etliche Weyarner auch ein Gemälde von Groeschel bei sich hängen haben. Sie haben diese ihrer Gemeinde für die Werkschau zur Verfügung gestellt, sodass derzeit neben den Leihgaben des Landkreises Rosenheims, der Groeschels Nachlass 1992 komplett aufkaufte, auch Bilder zu sehen sind, die der Öffentlichkeit sonst verborgen bleiben.

Die acht privaten Leihgeber beweisen auch, wie sehr Groeschel in Weyarn verortet ist und geschätzt wird. Und die Ausstellung, die sehr feinsinnig von Herbert Klee kuratiert wurde, und bei der Gemälde im historischen Speicher des Rathauses geradezu zu schweben scheinen, gibt davon passend zum 130. Jahrtag des Künstlers sehr sehenswert Zeugnis.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 5. September, im Bürgergewölbe und im Rathausspeicher in Weyarn zu sehen: mittwochs von 18 bis 21 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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ak

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