Per Smartphone buchen und losradeln: MVG-Leihräder gibt es seit Herbst 2019 auch im Landkreis München, hier die Station an der Leinthaler Brücke in Unterföhring. Die Nord-Gemeinden im Landkreis Miesbach wollen mithilfe des Landkreises eigene Stationen bauen und ans MVG-Leihrad-System andocken.
+
Per Smartphone buchen und losradeln: MVG-Leihräder gibt es seit Herbst 2019 auch im Landkreis München, hier die Station an der Leinthaler Brücke in Unterföhring. Die Nord-Gemeinden im Landkreis Miesbach wollen mithilfe des Landkreises eigene Stationen bauen und ans MVG-Leihrad-System andocken.

Gemeinderäte beraten über neuen Vorstoß

MVG-Leihräder bald auch im Landkreis? Nordgemeinden liebäugeln mit Mietrad-Netz

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
    schließen

Übers Handy schnell ein Fahrrad leihen, hier aufsteigen, dort abstellen: Das Leihrad-System der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) soll im Landkreis-Norden ausgerollt werden. Die Nordgemeinden planen ein Verbundsystem mit festen Stationen. Der Landkreis soll sich mit in den Sattel schwingen, auch finanziell. Erst einmal sind jetzt aber die Gemeinderäte gefragt.

Weyarn/Otterfing – Im Stadtgebiet München stehen sie an jeder Ecke, seit Herbst 2019 auch an festen Stationen im Landkreis München: Die MVG-Leihräder tasten sich hinaus in die Metropolregion. „Ein erster Versuch, das System in den Landkreis zu holen, verlief leider im Sande“, sagt Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr. Bei einem Treffen der Nord-Bürgermeister habe man vereinbart, gemeinsam einen neuen Anlauf zu nehmen. „Wirklich Sinn macht so ein Leihradsystem nur, wenn viele Gemeinden mitmachen und sich ein breites Netz mit Leih- und Rückgabestationen aufbauen lässt“, sagt Wöhr.

Als Vorbild dient der Landkreis München. Den technischen Aufbau der Stationen bezuschussten Freistaat und Bund mit 80 Prozent, je zehn Prozent tragen die Gemeinden und der Landkreis. Sollte sich der Betrieb nicht selbst tragen, „wovon in der Einführungszeit auszugehen ist“ (Wöhr), teilen sich Landkreis und Gemeinden das Betriebskostendefizit. „Die Idee ist, dieses Konzept auch bei uns zu versuchen“, sagt Wöhr.

Der Landkreis soll als Projektträger fungieren und sich finanziell beteiligen

Der Fahrplan sieht vor, dass zunächst die Gemeinderäte der Nordgemeinden beraten und sich für oder gegen ein Mitmachen entscheiden. Otterfing, Holzkirchen, Valley und Warngau sind gefragt. Das Waakirchner Gremium winkte am Dienstag (13. April) ab. Der Weyarner Gemeinderat indes hat bereits Zustimmung signalisiert, falls genug Nachbarn mitmachen. „Und das werden wir jetzt sehen“, sagt Wöhr. Er hat den Kollegen zugesagt, die „Mandate“ zu sammeln und beim Landkreis stellvertretend einen Antrag einzubringen, das „Münchner Modell“ zu übernehmen. Der Landkreis würde als Projektträger, Co-Finanzierer und Koordinator für den Aufbau des MVG-Leihradsystems auftreten. Immerhin, so Weyarns Rathauschef, peile der Landkreis ja auch den MVV-Beitritt an.

„Die Skepsis der Gemeinden im Landkreis-Süden ist groß“, weiß Wöhr, „aber man muss Dinge ausprobieren, sonst haben Innovationen keine Chance.“ Auf die Gemeinden kommen nach seiner Schätzung überschaubare Kosten zu, „im niedrigen vierstelligen Bereich für den Aufbau“.

Seine Stärken soll das MVG-Leihradnetz im touristischen Bereich, vor allem aber im Alltag der Ortsansässigen ausspielen. „Weyarner könnten mit dem Radl zum Bahnhof Mitterdarching pendeln und zurück“, sagt Wöhr.

Leihräder könnten besonders für Pendler interessant sein

Auch Otterfings Rathauschef Michael Falkenhahn (SPD) sieht hier großes Potenzial, wie er am Dienstag (13. April) in der Otterfinger Bauausschuss-Sitzung erklärte, wo das Thema vorberaten wurde. „Für längere Touren sind die Radl eher nicht geeignet“, sagt Falkenhahn, „aber unsere Pendler zu den Bahnhöfen Holzkirchen oder Kreuzstraße nutzen das vielleicht gerne.“ Er hofft, dass „sein“ Gemeinderat am nächsten Dienstag zustimmt und andere Gemeinden folgen. Dann sei der Landkreis am Zug: „Wäre schön, wenn der Landkreis den Norden unterstützt, mehr Verkehr aufs Radl zu verlagern.“

Bauausschuss-Mitglied Andreas Eichhorn (SPD) äußerte Zweifel, ob Leihradsysteme auf dem Land ein Publikum finden. „Hier hat jeder selbst ein Radl.“ Zudem müsse das Radl immer an einer Station zurückgegeben werden. „Das könnte aber auch in München, Warngau oder Weyarn sein“, sagte Falkenhahn. Hildegard Huil (Grüne) kann sich durchaus vorstellen, „dass mancher Münchner auf dem MVG-Radl rausradelt zu uns“. Thomas Hogger (Grüne) wies darauf hin, dass das Angebot gut in die Zeit passe. „Es ist cool, so ein Radl zu nutzen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare