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Hitzige Diskussion: Grundstücksbesitzer fürchten Auflagen

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Von: Christine Merk

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Runder Tisch vor Ort: Dr. Wolfgang Hochhardt (blaue Weste) von der Regierung von Oberbayern begrüßte Grundstückseigentümer sowie Vertreter von Behörden und Verbänden am Parkplatz Seehamer See. Es entspann sich schnell eine hitzige Diskussion zum Managementplan für das FFH-Gebiet „Wattersdorfer Moor“.
Runder Tisch vor Ort: Dr. Wolfgang Hochhardt (blaue Weste) von der Regierung von Oberbayern begrüßte Grundstückseigentümer sowie Vertreter von Behörden und Verbänden am Parkplatz Seehamer See. Es entspann sich schnell eine hitzige Diskussion zum Managementplan für das FFH-Gebiet „Wattersdorfer Moor“. © Thomas plettenberg

Die Grundstückseigentümer fühlen sich übergangen. Das war die deutlichste Botschaft beim Runden Tisch zum Managementplan für das FFH-Gebiet Wattersdorfer Moor. Diese Sorgen sollen sie in den nächsten Wochen aber noch einbringen können – denn noch besteht der Plan nur im Entwurf. Dann ist ein erneutes Zusammenkommen geplant.

Seeham – Übergangs- und Hochmoore, Pfeifengraswiesen, Sumpf- und Auwälder, den seltenen Skabiosen-Scheckenfalter, Mehl-Primeln und Kriechenden Sellerie - all das gibt es im Flora-Fauna-Habitat(FFH)-Gebiet Wattersdorfer Moor, das den Seehamer See mit einschließt. Die Lebensräume und Arten sollen erhalten werden. Um das sicherzustellen, wurde ein Managementplan erarbeitet, und der sollte nun bei einem Runden Tisch direkt vor Ort vorgestellt werden.

Grundstückseigentümer, Vertreter von Behörden und Verbänden waren dazu unter anderem eingeladen. Nach der Begrüßung war eine Wanderung durch das Gebiet geplant. Doch über den Treffpunkt am Parkplatz Seehamer See kamen die Teilnehmer gar nicht hinaus, denn schon dort entwickelte sich eine fast zweistündige Diskussion.

Tenor des Ganzen: Die Grundstücksbesitzer befürchten, die Flächen könnten durch neue Maßnahmen so verändert werden, dass sie nicht mehr zu nutzen sind. Knackpunkt war dabei vor allem der Moosbach, der das Wasser aus dem Moor herausleitet. Wird er weiterhin freigehalten? Werden bestehende Entwässerungsgräben verschlossen? Ist berücksichtigt, wie weit sich das Wasser zurückstaut, wenn es nicht mehr abfließen kann?

Leonhard Wöhr, Bürgermeister der Gemeinde Weyarn, stellte schon zu Anfang fest, dass es das Verdienst der Grundeigentümer sei, dass die Natur hier so gut erhalten sei. Von den Grundeigentümern waren etliche gekommen. Denen gegenüber machte Wolfgang Hochhardt von der höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Oberbayern ebenso klar: „Ohne Sie geht nichts, Sie sind unsere wichtigsten Kooperationspartner.“

Als Partner fühlen sich die Angesprochenen aber nicht, wie Grundstückseigentümer Georg Huber deutlich machte. Kein einziger von ihnen sei beim bisherigen Verfahren einbezogen worden, kritisierte er. Seine Befürchtung: Mit dem Managementplan seien „Auflagen im Anmarsch“. Heute seien vorgeschlagene Maßnahmen nicht verbindlich. „Aber was ist in fünf oder zehn Jahren?“

Tatsächlich seien Maßnahmen für Privatleute rechtlich nicht bindend, wie Hochhardt betonte. Wohl aber für die Behörden. Er sagte aber auch: „Der Managementplan ist kein Schubladenwerk, sondern soll Anstoß geben für die Umsetzung.“

Diese Umsetzung von Maßnahmen auf den Flächen des Staates und die Folgen daraus sind unter anderem das, was die Eigentümer und Pächter befürchten – zum Beispiel, dass bestehende Streuwiesen vernässen und mit normalen Traktoren nicht mehr gemäht werden können. Florian Busl von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt versuchte zu beruhigen: „Es ist nicht Ziel, das Gebiet zu vernässen.“ Sollte es Maßnahmen für eine Vernässung von Teilen der Fläche geben, dann werde geprüft, wie weit diese zurückreichen, es brauche ein Wasserrechtsverfahren „und dann gilt der Eigentumsschutz“.

Der Vorschlag für das weitere Vorgehen kam von Josef Huber, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, und Bürgermeister Wöhr. Die Grundstückeigentümer sollen nun ihre Bedenken äußern, möglicherweise die Flächen auflisten, bei denen sich mit Blick auf die Bewirtschaftung nichts ändern dürfe. Diese Stellungnahmen gehen schriftlich an die Regierung von Oberbayern. Sobald sie geprüft sind, soll es einen erneuten Termin vor Ort geben.

Info zum Moor: Das FFH-Gebiet Wattersdorfer Moor umfasst etwa 327 Hektar, bestehend aus dem eigentlichen Moor und dem Seehamer See. Elf FFH-Lebensraumtypen sind darin zu finden. Für die Managementplanung ist federführend die die Regierung von Oberbayern zuständig. Auf deren Internetseite sind Textteile und Karten einsehbar und können dort heruntergeladen werden.

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