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Ob Einkaufen im Weyarner Dorfladen auch nach der Eröffnung des neuen Edeka möglich ist, ist derzeit noch offen. Bei der Mitgliederversammlung im Juli soll eine Entscheidung fallen. 

Nach edeka-eröffnung 

Dorfladen: Zukunft ist unklar

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Eröffnet der neue Edeka in Weyarn, wird die Luft für den Dorfladen aber dünn. Das Team überlegt, wie es danach weitergeht, eventuell löst sich der Vereine sogar auf. 

Weyarn– Für Pia Koschmieder und ihr Team war es eine schöne Zeit, eine Bereicherung. „Klar vermisst man was, wenn es aufhört“, sagt sie. Doch obwohl sie vielleicht Abschied von ihrem Baby nehmen muss, klingt Koschmieder gefasst. Wie eine Frau, die sich mit der Situation abgefunden hat. Sie sagt Sätze wie: „Es ist der Lauf der Zeit.“ Und: „Man kommt nicht drumherum.“ Oder: „Man muss jetzt andere Wege einschlagen.“ Denn wenn der neue Vollsortimenter im Frühjahr 2018 am Weyarner Kreisverkehr eröffnet, wird die Luft dünn für den Dorfladen.

Im Juli findet die nächste Mitgliederversammlung des Weyarner Dorfladenvereins statt. Dann soll endgültig entschieden werden, wie es in Zukunft mit der Einrichtung weitergeht. Denn: „Dass man was verändern muss, wenn der Supermarkt kommt, war klar“, sagt Zweiter Bürgermeister Franz Demmelmeier (SPD), der die Gemeinde in der Sache vertritt. Relativ sicher sei, dass der Dorfladen bis zur Eröffnung des Edekas in seiner jetzigen Form weiterlaufe. Das „danach“ sei ein schwieriges Thema. „Die Mannschaft ist sich auch nicht ganz so einig“, sagt Demmelmeier.

Laut Koschmieder, die seit neun Jahren Vorsitzende ist, steht danach sogar eine Auflösung des Vereins als Option im Raum. Die Einlagen würden dann an die Mitglieder zurückgehen. Oder man stelle den Laden auf eine neue Basis, konzentriere sich noch stärker auf Geschenke, Accessoires und Floristik, eventuell angereichert mit speziellen Bio-Lebensmitteln. Damit man sich von dem Sortiment im Edeka abhebe.

Vor 13 Jahren war der Dorfladen entstanden, um die Grund- beziehungsweise Notversorgung im Ort abzudecken, erzählt Demmelmeier. Aber Zucker, Joghurt, Milch und Co. brauche man wohl kaum noch verkaufen, wenn es 100 Meter weiter einen Supermarkt gibt.

„Wir haben jetzt eh schon gekämpft“, gesteht Koschmieder, die mit drei anderen Frauen den Laden betreibt. Auch wenn die Kunden dem Team immer die Treue gehalten hätten und die Gemeinde vor allem in der Ära des ehemaligen Bürgermeisters Michael Pelzer sie oft unterstützt hätte. Das Geschäft trägt sich selbst, reich wird man damit aber sicher nicht, betont Demmelmeier. „So toll war der Umsatz nicht mehr“, sagt die Vorsitzende. Vor allem seitdem der Laden 2013 von der ehemaligen Klosterbrauerei, die saniert wurde, in die jetzigen Räume an der Ecke Miesbacher Straße umziehen musste. Das neue Quartier sei deutlich kleiner, es gebe kaum Möglichkeiten, die Waren außen gut zu präsentieren. Eigentlich hatte das Dorfladenteam mal gedacht, nach der Sanierung wieder zurück in die alten Räume ziehen zu können. Längst aber hat dort die Quest AG – die den gesamten Klosteranger samt Vollsortimenter baut – dort ein Dorfcafé eingerichtet (wie berichtet.) „Unser Konzept hat mal gestimmt“, sagt Koschmieder, die von Anfang an dabei war, als Anschi Hacklinger noch Vorsitzende war. Jetzt sieht es anders aus.

„Ich würde es auch befürworten, wenn neue Leute mit neuen Ideen, Elan und Interesse den Laden übernehmen würden“, sagt Koschmieder. Ein möglicher neuer Betreiber könnte dann das Logo „Dorfladen Weyarn“ weiterführen. Vielleicht habe ja eines der Mitglieder Interesse daran, das Ruder in die Hand zu nehmen. „Ich lasse es für mich offen, wie es ab Juli weitergeht.“ Erst nach der Mitgliederversammlung möchte Koschmieder ihre Schlüsse ziehen.

Zweiter Bürgermeister Demmelmeier glaubt, dass die Zukunft des Ladens stark von Personen abhängt. „Ich fände es schön, wenn sich der Laden halten würde“, sagt Demmelmeier. Immerhin sei er der einzig übrig gebliebene seiner Art im ganzen Landkreis. „Aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob es klappen kann.“ Die Gemeinde, die derzeit ebenfalls Mitglied im Dorfadenverein ist, würde sicher wieder eine kleine Starthilfe geben. „Eine Dauersubvention“ aber werde es nicht werden.

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