Die Mutter ist oft in der Nähe: Wer zufällig Rehkitze findet, sollte sie nicht anfassen.
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Die Mutter ist oft in der Nähe: Wer zufällig Rehkitze findet, sollte sie nicht anfassen (Symbolbild).

Spaziergänger findet Rehkitze

Drei Waisenbabys verlassen im Wald: Wurde die Muttergeiß bei Unfall getötet?

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Drei junge Rehkitze, gerade erst geboren – und die Muttergeiß bei einem Verkehrsunfall getötet? Bei Neukirchen bahnte sich vermeintlich ein kleines Tierdrama an. Polizei und Jäger wollten helfen, da tauchte unvermutet die „Mama“ wieder auf.

Weyarn – Matthias Büch, Jagdsachbearbeiter bei der Holzkirchner Polizei, ging vom Schlimmsten aus, als ihm am Mittwoch (28. April) der Fund von drei augenscheinlich verwaisten Kitzen in einem Waldstück bei Neukirchen (Gemeinde Weyarn) gemeldet wurde. Schon war eine menschliche „Ersatzmama“ für die drei Racker gefunden, da fand die Geschichte, zur Erleichterung auch der beteiligten Menschen, doch noch ein Happy End.

Wie Büch berichtet, fand ein aufmerksamer Spaziergänger am Mittwoch in einem Wald unweit von Neukirchen drei frisch „gesetzte“ (= geborene) Kitze. „Drillinge sind bei Rehen sehr selten“, weiß der Polizeihauptkommissar. Der Spaziergänger verhielt sich richtig und fasste die Rehkitze nicht an. Die Muttergeiß war nicht zu sehen.

Polizist und Jäger suchen vergeblich nach dem Unfallopfer

Als Büch die Nachricht auf den Schreibtisch bekam, ahnte er nichts Gutes: Am Abend zuvor war in unmittelbarer Nähe ein Reh in ein Auto gelaufen. „Nach dem Aufprall ist das Reh im Wald verschwunden“, sagt Büch. Der Schaden am Auto war groß (4000 Euro), das Reh musste schwer verletzt sein. Handelte es sich um die Muttergeiß, die im Wald verblutete? „Wir gingen davon aus“, sagt Büch. Eine Nachsuche mit dem zuständigen Jagdpächter blieb ohne Erfolg.

Gemeinsam wurde beratschlagt, wie man die Rettung der Kitze angehen könnte; die drei ohne Mutter zurückzulassen, kam nicht in Frage. „Für Füchse sind Rehkitze ein gefundenes Fressen.“ Ein benachbarter Revierinhaber bot an, beim Einsammeln zu helfen; eine menschliche „Ersatzmama“ war bereit, die Kitze mit der Flasche aufzuziehen. „Wir überlegten, eine Wildkamera aufzustellen, um zu schauen, ob die Geiß doch noch kommt“, sagte Büch. Und genau das geschah, vor den Augen des kleinen Hilfstrupps.

Die Geiß war immer in der Nähe ihrer Kleinen gewesen, hatte sich instinktiv versteckt, um nicht auf die versteckte Kinderstube hinzuweisen. Als sie völlig unversehrt aus einem nahen Gebüsch davonsprang, war den Rettern klar, dass es sich nicht um das Verkehrsopfer vom Abend davon handelte. Erleichtert wurde die kleine Familie wieder sich selbst überlassen.

Büch nutzt den Vorfall, um Spaziergänger darauf hinzuweisen, keinesfalls vermeintlich „verwaiste“ Kitze anzufassen. „Die Geiß legt ihre Kitze meist im hohen Gras ab und kommt regelmäßig zum Säugen.“ Dringend appelliert er an Hundehalter, die Vierbeiner im Wald immer anzuleinen – besonders im Mai, wenn junge Waldtiere wie Rehe oder Hasen geboren werden.

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